PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungEnglands FußballerinnenMit dem Bulldog-Geist ChurchillsVon Thomas KielingerVeröffentlicht am 28.07.2025Lesedauer: 3 MinutenChloe Kelly jubelt mit Hannah Hampton und Esme MorganQuelle: Michael Buholzer/KEYSTONE/dpaVor dem Endspiel der Frauen-EM galt England als der große Underdog, eine sichere Beute der Spanierinnen. Der strahlende Sieg verleiht der Insel ein besonderes Stimmungshoch – aus einem bestimmten Grund.Kein Zweifel: Basels Fußballstadion, der St.-Jakob-Park, wird als Ort des englischen Sieges bei der Fußball-EM der Frauen eine mythische Aura auf der Insel entfalten. Denn in Basel erlebte eines der berühmtesten Zitate aus Churchills Weltkriegs-Reden eine Art späte Bestätigung. Damals hatte der Premier nach dem englischen Rückzug aus Dünkirchen im Mai 1940 im Unterhaus verkündet: „Wir werden ausharren ... wir werden an den Dünen kämpfen, wir werden auf den Feldern und in den Straßen kämpfen, ... wir werden uns niemals ergeben.“We shall never surrender: eine britische Erkennungsmelodie, die in Basel wieder für Motivation sorgte. Nichts beflügelt die englische Phantasie mehr als das Gefühl, von Zeit zu Zeit immer noch mit dem Bulldog-Geist Churchills Geschichte machen zu können. Beim Brexit-Fiasko stellte sich diese Kalkulation als grotesker nationaler Irrweg heraus. Im Fußball dagegen feierte dieser Geist ein strahlendes Fest.Vor dem Endspiel galt England in der weiten Welt als der große Underdog, eine sichere Beute der Spanierinnen, ein früh markierter Verlierer. Als Underdog aber zu gewinnen, verleiht der Insel ein besonderes Stimmungshoch. Es verstärkt auf heimliche Weise auch das Bewusstsein, doch zu Europa zu gehören – was man im ersten Brexit-Taumel irgendwie verdrängt hatte. Premierminister Starmer ist auf dem besten Wege, dieses unglückliche Kapitel der jüngsten Geschichte der Insel zu überwinden. Der Freundschaftsvertrag mit Deutschland ist ein sprechendes Beispiel. Als sportlicher Sieger ins Zentrum Europas zurückzukehren, ist allemal ein stolz machendes Gefühl.Lesen Sie auchEngland hat jetzt zum zweiten Mal in Folge die Fußball-EM der Frauen gewonnen. Während die BBC den Sieg als den „größten Erfolg in der Geschichte des englischen Fußballs“ in den Himmel hebt, schauen die englischen Männer beschämt drein – sie haben seit 1966, als sie Fußball-Weltmeister wurden, international keine Trophäe mehr gewonnen. Nur die britischen Clubs sind erfolgreich. Doch als Nationalmannschaft laufen sie vergeblich den Frauen hinterher.Zweimal triumphierte das englische Frauenteam erst im Elfmeter-Schießen, es kam überhaupt nur mit Glück ins Finale. Der Ruf, sich aus unmöglichen Zuständen siegreich zu befreien, machte sie zu Comeback-Heroen in der Schweiz. Die Männer wären dankbar für einen Bruchteil solcher Erfolge. Schon spekuliert der „Guardian“, ob dieses Team als „die beste englische Sportmannschaft jemals“ zu gelten habe.Wie immer in Momenten nationaler Beseligung schießen solche Spekulationen übers Ziel hinaus. Viel hängt davon ab, wie lange die erfolgreiche Trainerin Sarina Wiegman auf der Insel für Nachhaltigkeit sorgen kann. Nachhaltig ist ihr eigener Ruf schon längst. Wir wetten, dass das Königshaus sie bald in den Adelsstand erheben wird. Dann mag sie als „Lady Sarina“ ihre atemberaubende Erfolgsgeschichte fortsetzen – englischen Nationalstolz inklusive.
Englands Fußballerinnen: Mit dem Bulldog-Geist Churchills - WELT
Vor dem Endspiel der Frauen-EM galt England als der große Underdog, eine sichere Beute der Spanierinnen. Der strahlende Sieg verleiht der Insel ein besonderes Stimmungshoch – aus einem bestimmten Grund.














