Pfarrer Martin Cambensy lässt sich schwer und schwitzend auf der langen, quietschgelben Holzbank nieder und lehnt behutsam seinen Gehstock an die Seite. Es ist brütend heiß im steingrauen Innenhof mit dem großformatigen Betonpflaster. Der 65-Jährige deutet mit dem Kopf nach links zum frei stehenden Campanile, der 14 Meter hoch über dem katholischen Pfarrzentrum St. Mauritius wie ein XXL-Kamin aufragt. „Früher war der mit Efeu bewachsen und leuchtete weithin rot, richtig schön.“ Jetzt steht ein wackliger Bauzaun am Fuß des betonierten Kirchturms, „er bröckelt“, die Glocken dürfen aus statischen Gründen nicht mehr geläutet werden. Überhaupt könnte die letzte Stunde geschlagen haben für diesen architektonisch herausragenden sakralen Ort Münchens und damit auch für das Herz der vergleichsweise jungen Gemeinde.

Das Pfarrzentrum ist einer der raren Vertreter des Brutalismus in der Münchner Pastoralszene. Der Begriff leitet sich aus dem Französischen „béton brut“ ab, reiner Beton. Was die einen als schroffe und abweisende Phase der Baugeschichte verunglimpfen, ist den anderen Inbegriff gestalterischer Konsequenz. Die Architekten Herbert Groethuysen, Detlev Schreiber und Gernot Sasse haben St. Mauritius 1967 in einem Guss wie ein kompaktes Beton-Raumschiff an der Moosacher Templestraße landen lassen und seiner Bestimmung übergeben.