PfadnavigationHomeWirtschaftChip-Riese in der Krise„Kein guter Tag für Europa“, sagt Haseloff über Intels RückzieherVeröffentlicht am 25.07.2025Lesedauer: 3 MinutenWegen erneuter Milliardenverluste hat Intel am Donnerstag Massenentlassungen angekündigt. Außerdem gab der einst weltgrößte Chip-Hersteller seine Pläne für ein Werk in Magdeburg endgültig auf, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.Der kriselnde Chipkonzern Intel gibt die milliardenschweren Pläne für eine Fabrik in Magdeburg endgültig auf. 3000 Arbeitsplätze sollten dabei entstehen. Ministerpräsident Haseloff sprach von einem herben Rückschlag für den europäischen Chips Act.Wegen erneuter Milliardenverluste hat Intel am Donnerstag Massenentlassungen angekündigt. Außerdem gab der einst weltgrößte Chip-Hersteller seine Pläne für ein Werk in Magdeburg endgültig auf, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.Bislang hatte das Unternehmen stets gesagt, das Projekt verschiebe sich um zwei Jahre. Konzernchef Lip-Bu Tan will im Rahmen eines verschärften Sanierungskurses außerdem ein Viertel der bislang knapp 100.000 Stellen streichen. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bezeichnete das Aus für die Intel-Pläne in Deutschland als einen herben Rückschlag für den europäischen Chips Act. „Das jetzt verkündete Aus ist kein guter Tag für Europa“, sagte Haseloff. Dennoch sei es gut, dass jetzt Klarheit herrsche. Es sei bekannt, dass Intel in einer wirtschaftlich sehr schwierigen Lage stecke, daher habe mit der Entscheidung gerechnet werden müssen. Mit dem Maßnahmenbündel des Chips Act unterstützt die EU die Fertigung von Halbleitern in Europa.Für die Zukunft bleibe in Magdeburg der Fokus auf der Ansiedlung von Hightech-Unternehmen. Für die Entwicklung des geplanten Hightech-Parks gebe es Anfragen namhafter Unternehmen. Lesen Sie auchEin Großteil der Intel-Kündigungen sei bereits Anfang Juli ausgesprochen worden. Die übrigen Jobs würden durch natürliche Fluktuation und „andere Maßnahmen“ abgebaut.Lesen Sie auchWegen hoher Kosten für den Konzernumbau machte Intel den Angaben zufolge im zweiten Quartal einen überraschend hohen Verlust von 0,67 Dollar je Aktie. Die Talfahrt der Umsätze fand allerdings ein Ende und stabilisierte sich bei 12,9 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal prognostizierte der kriselnde Konzern einen Verlust von 0,24 Dollar je Aktie und Erlöse zwischen 12,6 und 13,6 Milliarden Dollar.Intel versprach Magdeburg 3000 ArbeitsplätzeIm vergangenen September hatte es noch geheißen, der Fabrikbau werde sich voraussichtlich um zwei Jahre verzögern. Doch seitdem wurde die Lage von Intel noch komplizierter, der damalige Chef Pat Gelsinger musste das Unternehmen Ende 2024 verlassen. Sein Nachfolger Lip-Bu Tan griff zu einem harten Sparkurs, um die Bilanz in den Griff zu bekommen.Lesen Sie auchDer erste Spatenstich für das Werk in Magdeburg war ursprünglich für letztes Jahr angepeilt gewesen. Mit der auf rund 30 Milliarden Euro bezifferten Investition sollten rund 3000 Arbeitsplätze entstehen. Die Bundesregierung hatte bereits 2023 staatliche Hilfen von 9,9 Milliarden Euro für die Ansiedlung in Aussicht gestellt.Gelsinger hatte einst behauptet, dass in Magdeburg die modernsten Produktionsverfahren zum Einsatz kommen sollten, mit denen Intel zur erfolgreicheren Konkurrenz aufschließen wolle. Der Produktionsbeginn war ursprünglich für 2027 oder 2028 erwartet worden.Intel dominierte einst die Chipbranche, fiel dann aber zurück. Ein entscheidender Moment war der verlorene Kampf um den Platz in Smartphones. Intel hoffte, die Stärke im PC-Geschäft auf die Mobil-Geräte zu übertragen - doch bei den Computer-Handys setzten sich sparsamere Prozessoren durch. Smartphone-Chips kommen somit nicht von Intel, sondern von Wettbewerbern wie Qualcomm oder TSMC. Und bei Chips für Künstliche Intelligenz führt mit großem Abstand Nvidia.rct/dpa/coh