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Handelsstreit: EU spielt nun viel stärkere Maßnahmen gegen die USA durch Kanzler Merz will im Zollstreit mit den USA weiter verhandeln – in der EU wird dennoch ein wesentlich umfangreicheres Paket mit Gegenmaßnahmen geschnürt.

22.07.2025 - 08:20 Uhr Merz und Trump trafen im Juni beim Nato-Gipfel aufeinander. Foto: APVor den Anfang August drohenden deutlich höheren US-Zöllen steigt die Nervosität. Die Europäische Union spielt Diplomaten zufolge ein wesentlich umfangreicheres Paket mit möglichen Gegenmaßnahmen durch, die sich auch gegen amerikanische Internet-Riesen richten könnten.Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will eine Eskalation im Handelsstreit vermeiden, der sich schon seit dem Frühjahr hinzieht. EU-Gegenmaßnahmen soll es demnach nicht vor dem 1. August geben und nur, wenn die Gespräche scheitern. Er verteidigte den Vorschlag, dass auf US-Produkte künftig viel niedrigere Zollsätze erhoben werden als auf europäische Waren. „Zu einem symmetrischen Zollabkommen sind die Amerikaner ganz offensichtlich nicht bereit“, sagte Merz am Montagabend nach einem Treffen mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Store. Er habe deshalb ein Angebot für einen offenen Marktzugang im wesentlichen ohne Zölle gemacht, weil es auf europäischer Seite die Überzeugung gebe, dass offene Märkte ein Nutzen für alle Beteiligten seien.Der deutsche Außenhandelsverband BGA betonte am Montag, die EU dürfe sich nicht erpressen lassen. Sollte es mit den USA nicht wie geplant bis Ende Juli eine Verständigung geben, seien immer mehr EU-Staaten bereit, härter zurückzuschlagen, sagten mehrere europäische Diplomaten der Nachrichtenagentur Reuters. Dazu gehöre auch Deutschland. „Es wird keinen Deal um jeden Preis geben“, hatte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zuletzt gesagt.Merz hat sich am Wochenende laut Regierungssprecher Stefan Kornelius eng mit der EU-Kommission abgestimmt. „Die Verhandlungen sind intensiv, sie liegen federführend bei der Kommission, da belassen wir es.“ Die Bundesregierung stehe hinter den Vorschlägen der Kommission. Das Thema werde auch beim Deutschland-Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron am Mittwoch angesprochen. „Wir brauchen hier ein Abkommen für ganz Europa“, betonte Merz.Trumps Zölle Die EU muss gegenüber Trump bereit sein zur Vergeltung Ein Zollkonflikt zwischen der EU und Amerika gliche einem ökonomischen Albtraum. Aber Brüssel wäre vorbereitet auf einen harten Gegenschlag. Zur Not sollte er folgen. Ein Kommentar. Kommentar von Daniel GoffartDiplomaten zufolge hat er den 27 EU-Staaten am Freitag einen ernüchternden Bericht seiner jüngsten USA-Reise gegeben. Ein Diplomat sagte, es scheine kaum Spielraum zu geben, die noch höheren Sonderzölle für einzelne Branchen – 50 Prozent auf Stahl und Aluminium sowie 25 Prozent auf Autos – wegzubekommen oder massiv zu senken. Auch die Idee eines Verzichts auf weitere Zölle nach einer Verständigung sei in Washington abgelehnt worden.US-Internetfirmen könnten ins Visier geratenIm Raum steht nun auch, US-Dienstleistungsfirmen anzugehen. Sie könnten bei Investitionen behindert werden oder schwieriger an öffentliche Aufträge kommen. Frankreich setzt sich seit Längerem für diese härtere Gangart ein, die manche Beobachter als „nukleare Option“ bezeichnen.Sentiment-Indikatoren Warum die Ruhe an den Börsen trügerisch ist Anleger zeigen sich trotz aller Marktrisiken tiefenentspannt. Damit könnte es allerdings bald vorbei sein. von Julia GrothEU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte zuletzt gesagt, dies sei für außergewöhnliche Situationen vorgesehen. „Hier sind wir noch nicht.“Bessent: EU engagiert sich stärkerUS-Finanzminister Scott Bessent, der eine wichtige Rolle in den Zoll-Verhandlungen spielt, sagte in einem CNBC-Interview, es gehe eher um die Qualität von Handelsdeals als um die Geschwindigkeit. „Wir werden nichts überstürzen, nur um einen Deal zu machen.“ Die EU habe langsam begonnen und ihr Engagement dann gesteigert, sagte Bessent im Gespräch mit dem TV-Sender. Er ließ offen, ob er mit einer Einigung bis zum 1. August rechnet. Präsident Trump werde entscheiden, ob die Frist angepasst werden müsse.Weil nicht alle Sonderzölle der USA ausgesetzt sind, würde eine abermalige Verschiebung die europäische Industrie viel Geld kosten. In der Bundesregierung hieß es deswegen zuletzt, die Wirtschaft dringe auf eine schnelle Lösung, auch wenn sie mit Nachteilen verbunden sei.„Die EU muss jetzt Stärke zeigen, wir lassen uns nicht erpressen“, sagte BGA-Präsident Dirk Jandura im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Schon Zölle in Höhe von zehn Prozent würden für viele mittelständische Unternehmen über der Belastungsgrenze liegen. „Zölle in Höhe von 20 bis 30 Prozent würden ihnen wirtschaftlich das Genick brechen.“Nötig seien weniger Zölle, nicht mehr. „Aber wir müssen einsehen, dass der Weg der Diplomatie in einer Sackgasse endet.“ Wenn Kompromissvorschläge als Schwäche verstanden würden, dann müsse ab jetzt Stärke gezeigt werden. „Wir sind einer der größten Wirtschaftsräume der Welt und auch unsere Strafzölle haben Folgen“, so der BGA-Präsident. „Handelskonflikte schaden am Ende allen – aber einseitiges Nachgeben schadet Europa noch mehr.“Die USA sind der wichtigste deutsche Handelspartner. Im vergangenen Jahr wurden Waren im Wert von rund 253 Milliarden Euro zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten gehandelt. rtr, dpa, jre Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick Anzeige Gutscheine Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen Anzeige Weiterbildung Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick