Wenn Steven Guttmann durch München geht, tut er dies mit erhobenem Haupt. Nicht aus Stolz oder überbordendem Selbstbewusstsein. Im Gegenteil: Derzeit gebe es eigentlich viele Tage, an denen man die Schultern aus Resignation hängen lassen wolle, sagt er. „Aber das erlaube ich mir nicht.“ Guttmann achtet in der Öffentlichkeit darauf, den Kopf oben zu halten, um sich zu schützen. Er möchte vermeiden, dass jeder sofort seine Kippa sieht und ihn als Juden erkennt. Auch habe er sich vor einem Jahr die kleinste Kippa gekauft, die er finden konnte, erzählt er. Und zwar eine in Schwarz, wie seine Haarfarbe, so fällt die Kopfbedeckung kaum auf. Nur einmal, als er seine Mutter im Krankenhaus besuchte, hat er die Kippa abgenommen. Sein Vater habe ihn darum gebeten, sagt Guttmann. Er habe verhindern wollen, dass die Mutter wegen der Kippa ihres Sohnes schlecht behandelt werde.
Steven Guttmann ist Geschäftsführer der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), der mit rund 9500 Mitgliedern größten jüdischen Gemeinde Deutschlands. Er sitzt am Mittwochabend auf dem Podium im Großen Saal der Ludwig-Maximilians-Universität und diskutiert dort mit Vertretern von Polizei, Justiz und Verfassungsschutz die Frage: „Wie sicher ist jüdisches Leben in Bayern?“ Es ist eine Veranstaltung in der Reihe „Reden über...“ des Beauftragten der bayerischen Staatsregierung gegen Antisemitismus, Ludwig Spaenle (CSU). Hunderte Besucher sind gekommen, darunter bayerische Polizeipräsidenten, Juristen, jüdische Studierende oder Repräsentanten jüdischer Gemeinden in Bayern. Guttmann beantwortet die Frage des Abends so: „In Deutschland ist man sehr sicher, solange man als Jude unsichtbar bleibt.“






