Piesporter Goldtröpfchen, so heißt eine der berühmtesten Weinlagen an der Mosel. Der altmodische Lagenname steht für den imposanten Steilhang, der sich wie ein natürliches Amphitheater über den 2000-Seelen-Ort Piesport erhebt. Man lebte hier schon immer vom Wein – und von der an dieser Stelle besonders schönen Mosellandschaft, wo sich die Rebstöcke an den unfassbar steilen Hängen fast in den Fluss zu stürzen scheinen. „Wir waren schon als Kinder immer im Weinberg dabei“, erinnert sich Thomas Schanz. Eine idyllische Kindheit, die Jungs fingen Kaulquappen in den Tümpeln, fuhren während der Lese auf den Traubenanhängern mit, sammelten Kräuter: „Der Weinberg war unser Spielplatz.“
Auf den ersten Blick ist Piesport bis heute das idyllische Mosel-Dorf aus Schanz’ Kindheit. Doch seit dem 9. März 2022 hat sich hier etwas verändert. Beschaulich ist der Ort noch immer, aber er spielt plötzlich auf der kulinarischen Weltkarte ganz oben mit; wenn der Chef hier solche Vollmundigkeiten nicht ablehnen würde, könnte man sogar sagen: in einer Reihe mit Stockholm, Rom oder Berlin, die alle ebenfalls ein Drei-Sterne-Restaurant haben. Denn der Koch und Winzersohn Thomas Schanz, 45, bekam an jenem Tag den dritten Michelin-Stern verliehen. Noch am selben Abend brach ein Reservierungs-Sturm über das Restaurant „Schanz“ herein: „Die ganze Familie war im Einsatz, teilweise wurden drei Telefone gleichzeitig angenommen.“ Innerhalb von zwei Tagen war das Restaurant für ein Dreivierteljahr ausgebucht. „Es war großartig, aber auch chaotisch“, erinnert sich Schanz. „Wir waren auf einen solchen Ansturm nicht vorbereitet.“






