Fürs Drumherum können die deutschen Basketballerinnen selbstverständlich nichts. Sie waren Anfang der Woche mit mächtig Bock im Gepäck nach Athen geflogen, wo sie nach erfolgreicher Vorrunde in Hamburg ihr EM-Viertelfinale spielen sollten. Doch als es dann gegen Belgien ging, war die riesige Halle im Hafenvorort Piräus nicht mal zu einem Zehntel gefüllt. Wo sonst 12 000 Griechen in der Euroleague Getöse wie beim Landeanflug einer Boeing verursachen, hatten sich nur etwa 1000 Zuschauer eingefunden. Eine Atmosphäre, die selbst der deutsche Basketball Bund (DBB) im Nachbericht auf seiner Webseite als „merkwürdig“ bezeichnete.Der deutsche Frauenbasketball glaubte solche Tristesse eigentlich hinter sich, man will rein in die Köpfe und Herzen des Publikums – da ist es schon blöd, wenn das Publikum dann lieber am Strand die Gyrosläden beehrt. Andererseits: Viel gab es rein sportlich auch nicht zu sehen von der Auswahl der Bundestrainerin Lisa Thomaidis, die beim 59:83 (36:41) den Belgierinnen in allen wesentlichen Aspekten des Spiels unterlegen war. Und das müssen sich die Deutschen dann schon ankreiden lassen, schließlich sollte bei dieser EM endlich wieder eine Medaille her. Die letzte ist eine halbe Ewigkeit her, Bronze 1997.Film über Basketballerin Sabally:Eine, die was zu sagen hatErst die Wagners, jetzt Satou Sabally: Basketball-Dokus sind angesagt, nun gibt es auch eine über die bedeutendste deutsche Frau – ihre Wirkung geht weit über den Sport hinaus, weil sie ein Deutschland verkörpert, das gerade in Gefahr ist.Da war Deutschlands aktuelle Führungskraft Leonie Fiebich, 25, noch gar nicht geboren. Nun berichtete sie am ARD-Mikro: „Es ist natürlich ein bisschen enttäuschend, hier rauszufallen. Doch wir haben noch viel vor. Unser Hunger, ganz oben mitzuspielen, ist nicht erloschen nur wegen dieses Spiels.“ Das Aus kommt bei diesem Turnier schleichend, am Freitag geht es in der Platzierungsrunde noch gegen die Türkei, je nach Verlauf spielt man danach am Sonntag gegen Litauen oder Tschechien um Rang fünf oder sieben. Bestenfalls Fünfter, das wäre zumindest besser als Platz sechs bei der EM 2023. Aber die Ansprüche sind mit der aktuellen Generation eigentlich höher. „Wir sehen es als ultimative Lernerfahrung. Jeder Tag, den wir zusammen sein und lernen können, hilft uns“, sagte Thomaidis.Potenzial ist reichlich vorhanden, das haben einige Momente in der Heimvorrunde gezeigt. Den Motor der Mannschaft bildete eine Startformation, die als überaus zukunftsfähig gilt: WNBA-Champion Fiebich, Centerin Luisa Geiselsöder (25, beste Deutsche bei diesem Turnier) und Forward Emily Bessoir, 23, dazu Frieda Bühner, 21, und Spielmacherin Alexis Peterson, 30. In Abwesenheit von Kapitänin Marie Gülich (Kreuzbandriss) sowie der Sabally-Schwestern Nyara (nicht fit) und Satou (konzentriert sich lieber auf die WNBA) fehlten dahinter aber Alternativen. Sichtbar wurde das etwa bei der Vorrundenpleite gegen Spanien, als Fiebich ein Marathonspiel ohne eine einzige Sekunde Pause leisten musste. Oder nun gegen die Belgierinnen, als deren alles überragende Centerin Emma Meesseman (30 Punkte) mit der deutschen Defensive Jo-Jo spielte.Gegen Teams wie Belgien oder Spanien haben die deutschen Basketballerinnen derzeit wenig ChancenDie seit Jahren dominanten Belgierinnen hatten die Deutschen in Bestbesetzung bei Olympia in Paris noch besiegt – aber das scheint ein Ausreißer gewesen zu sein. Schon in der EM-Vorbereitung gab es zwei Testspielwatschn gegen den Titelverteidiger. Und nach drei Viertelfinal-Niederlagen in Serie (EM 2023, Olympia 2024, EM 2025) verfestigt sich der Eindruck, dass das Momentum dieses deutschen Nationalteams vorerst gebrochen ist. Bei den Beteiligten überwog dennoch der Trotz, „wir spielen immer noch um den fünften Platz“, fand Geiselsöder, die nach starkem Beginn gegen Belgien später auch nicht mehr dagegenhalten konnte. „Das ist eine Motivation. Besser abschneiden als vor zwei Jahren“, sagte die WNBA-Spielerin aus Dallas bei Magentasport.Dafür braucht es allerdings mehr Überzeugung bei den Würfen, mehr taktisches Geschick in der Offensive und vor allem mehr defensives Dagegenhalten und Beschützerinstinkte am eigenen Korb. Und wohl auch eine Leonie Fiebich, die sich zu mehr Einfluss auf dem Parkett durchringt. Ihre acht Zähler bei mauer Trefferquote gegen Belgien unterstrichen den Turnieranschein, dass sie zwar ein sehr gutes Team wie ihren WNBA-Klub New York Liberty mit Spezialkönnen noch besser machen kann. Eine alleinige Scoring-Lokomotive, wie es etwa Satou Sabally sein kann, ist sie indes (noch) nicht.„An erster Stelle“ stehe deshalb jetzt „besser werden“, richtete sie als Appell vermutlich auch an sich selbst, „damit so etwas nicht noch einmal passiert.“ Um ein wenig die Schwere aus dem EM-Aus zu nehmen, wandte sie aber ein: „Und an zweiter Stelle steht: Spaß haben.“ Für mehr Vergnügen in sportlicher Hinsicht, auch beim Publikum, steht das Team nun in der Bringschuld. Zumal im kommenden Jahr in Berlin eine Heim-WM den deutschen Frauenbasketball endgültig in den Fokus rücken soll. Da erhoffen sich die Spielerinnen noch mehr Aufmerksamkeit, Übertragungen im linearen TV und vor allem: eine größere Halle.Das 3400 Zuschauer fassende Kleinod namens „Inselpark Arena“, Vorrundenspielort in Hamburg, mag stimmungsvoll gewesen sein. Nach Aussagen etwa von Fiebich oder Bessoir hätte es aber gerne eine größere Kulisse sein dürfen, die Nachfrage nach mehr Tickets sei da gewesen. Im Vorfeld war „die EM nicht gut genug promotet“, hatte Fiebich in Richtung des eigenen Verbands gesagt, der als einer der Ausrichter fungierte. Wer die vergangenen Wochen in der Hamburger Innenstadt Hinweise auf ein stattfindendes Kontinentalturnier suchte, kann das bestätigen. Die EM war kaum aufzufinden – ähnlich wie die deutschen Frauen in der zweiten Hälfte des Spiels gegen Belgien.