PfadnavigationHomePanorama„Caren Miosga“Trump schlägt Putin als Vermittler vor – „Eine Ohrfeige für Netanjahu“Von Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftVeröffentlicht am 16.06.2025Lesedauer: 4 MinutenExtremismusforscher Guido Steinerg mit Caren Miosga und der Journalistin Isabel SchayaniQuelle: NDR/Thomas Ernst/ThomasErnstWie es nach dem israelischen Großangriff auf den Iran und dessen Antwort im Nahen Osten weitergehen könnte, diskutieren die Gäste bei „Caren Miosga“. Terrorismusforscher Guido Steinberg kontert den Vorwurf, Israel wolle mit dem Angriff vom Gaza-Krieg ablenken – und bewertet Trumps jüngsten Vorschlag.Die Lage im Nahen Osten spitzt sich zu. Am Freitagmorgen haben die israelischen Geheimdienste und Verteidigungskräfte ihre Operation „Rising Lion“ gestartet, mit der sie iranische Atomanlagen, militärische Stützpunkte sowie Kommandeure der Islamischen Republik ins Visier nehmen. Auf den „sehr erfolgreichen Eröffnungsschlag“, wie ihn Benjamin Netanjahu nannte, reagierte der Iran mit dem Abschuss hunderter Drohnen und Raketen auf israelische Wohngebiete.Am Sonntagabend blickte Caren Miosga mit ihren Gästen auf den sich verschärfenden Konflikt. „Krieg in Nahost – wohin führt die Eskalation zwischen Israel und dem Iran?“, fragte die ARD-Moderatorin die deutsch-iranische Journalistin Isabel Schayani, den Islamwissenschaftler und Terrorismusforscher Guido Steinberg, den CNN-Journalisten Fred Pleitgen sowie die aus Israel zugeschaltete ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann.„Mir kommt der Freitag schon ewig vor“, schilderte Isabel Schayani zu Beginn. Es habe sich zunächst wie ein „Befreiungsschlag“, ein „gigantischer Auftakt“ angefühlt, als zahlreiche militärische Köpfe in einem Rutsch getötet worden seien. Viele Iraner hätten ihre Freude darüber zum Ausdruck gebracht. Doch nun gerieten auch zivile Ziele ins Visier. Wer die Möglichkeit habe, bewege sich von der iranischen Hauptstadt in Richtung Norden oder der türkischen Grenze. „Es ist ein leichtes Erwachen“, beschrieb die Journalistin. „Es hat einen romantischen Beginn gehabt und jetzt langsam kommt dieses Aufwachen.“Von der anderen Seite des Konflikts meldete sich Sophie von der Tann aus Tel Aviv. Die Mehrheit der israelischen Bevölkerung sei „kriegsmüde“, erläuterte die Korrespondentin. Zugleich erlebe sie in persönlichen Gesprächen, dass der Iran als Bedrohung wahrgenommen und die jetzigen Angriffe trotz aller Risiken befürwortet werden. Da nun der Gazastreifen aus dem Fokus gerate, werfen Kriegsgegner wiederum Benjamin Netanjahu vor, abzulenken. Angehörige der Geiseln hätten etwa das Gefühl, dass sich um diese nun nicht mehr gekümmert werde. „Alle schauen nur noch auf den Iran“, resümierte die Journalistin.Handelt es sich demnach um ein Ablenkungsmanöver? „Nein, das glaube ich nicht“, antwortete Guido Steinberg. Es gebe vielmehr „ganz viele sachliche Gründe“ für die jüngsten Attacken – allen voran die drohende nukleare Bewaffnung des Irans. Als „Herz“ des Atomprogramms hob der Islamwissenschaftler die Urananreicherungsanlagen in Natanz und Fordo hervor. Es sei noch unklar, inwieweit diese zerstört worden seien. Doch eben daran werde sich der Erfolg der Operation bemessen. „Wenn es nicht gelingt, die Zentrifugen dort zu zerstören, dann wird wahrscheinlich dieser Angriff als Misserfolg gewertet werden.“Lesen Sie auch„Ich würde dem gerne widersprechen“, hielt Schayani dagegen. Nachdem selbst ein enger Verbündeter wie Friedrich Merz vorsichtige Kritik geäußert hatte, habe es Netanjahu erfolgreich geschafft, dass sich die Welt von Gaza abwendet. Nun könnten die Israelis ihre Pläne umsetzen, ohne dabei „diese hässlichen Bilder“ zu verbreiten. Zwar wolle Israel keine Verhandlungen mit dem Iran und habe einen „militärisch schwachen Moment“ für sich genutzt, doch der israelische Ministerpräsident dürfte sich vor allem über die zuletzt negative Kritik geärgert haben. „Ich glaube, dass dieser Punkt auf jeden Fall eine Rolle gespielt haben muss.“Lesen Sie auch„Das muss alles Jahre in der Vorbereitung gewesen sein“, warf Fred Pleitgen ein. Es müssten demnach mehr Faktoren eine Rolle gespielt haben, als lediglich von Gaza ablenken zu wollen. Schon die Luftangriffe seien „hochkomplex“. Israel verfüge über die modernsten Tarnkappenflugzeuge überhaupt, die von Irans Radaranlagen „fast unmöglich“ wahrzunehmen seien. Bei allem Lob für die militärische Präzision warnte er davor, dass Israels Einsatz das iranische Regime sogar stärken könne. So höre er im Moment von vielen Iranern: „Wir wollen uns nicht von Benjamin Netanjahu sagen lassen, dass wir jetzt einen Aufstand starten müssen.“Schayani verwies dagegen auf das revolutionäre Potenzial innerhalb des Irans. Wahrscheinlich 80 Prozent der Bevölkerung seien gegen die dortige „Mullahkratie“, versicherte die Journalistin. Sie erinnerte vor allem an die Proteste von Frauen und jungen Menschen, die 2022 unter dem Slogan „Zan, Zendegi, Āzādi“ („Frau, Leben, Freiheit“) stattgefunden hatten. Nun kapere Netanjahu, der zuletzt „auch nicht durch besonders demokratisches Verhalten aufgefallen“ sei, die Parole der Basisbewegung für sich. Damit liefere er die Bühne für Festnahmen, da die Iraner die Protestierenden stets als „Spione Israels“ bezeichnet hatten.Dass Trump nun Wladimir Putin als Vermittler zwischen den Kriegsparteien vorgeschlagen hat, bezeichnete Steinberg als „Ohrfeige für Netanjahu“. Die Beziehungen zwischen Israel und Russland seien schlecht, sodass die Idee zunächst die iranische Position stärke. Generell warnte er davor, den Iran zu unterschätzen. Das Regime verfüge über mehr als eine Million Bewaffneter, darunter ihre Armee, die Basidsch-Milizen und die Revolutionsgarden. „Bisher gibt es überhaupt keine Anzeichen dafür, dass diese Sicherheitskräfte nicht bereit wären, zu töten und vielleicht auch zu sterben, um dieses Regime am Laufen zu halten.“Dominik Lippe berichtet für WELT regelmäßig über die abendlichen Polit-Talkshows. Der studierte Biologe ist Absolvent der Axel Springer Academy of Journalism & Technology.
„Caren Miosga“: Trump schlägt Putin als Vermittler vor – „Eine Ohrfeige für Netanjahu“ - WELT
Wie es nach dem israelischen Großangriff auf den Iran und dessen Antwort im Nahen Osten weitergehen könnte, diskutieren die Gäste bei „Caren Miosga“. Terrorismusforscher Guido Steinberg kontert den Vorwurf, Israel wolle mit dem Angriff vom Gaza-Krieg ablenken – und bewertet Trumps jüngsten Vorschlag.








