PfadnavigationHomePanoramaFlugzeug-Katastrophe in IndienFlugdatenschreiber von AI171 gefunden – 265 Tote geborgenVeröffentlicht am 13.06.2025Lesedauer: 5 MinutenNur ein einziger Passagier hat wohl den Flugzeugabsturz der Air India Passagiermaschine in Ahmedabad überlebt. Neben den Todesopfern an Bord sind auch fünf Studenten der medizinischen Fakultät gestorben – die Boeing-Maschine war in das Gebäude gestürzt. Padma Rao berichtet.Bereits kurz nach dem Start stürzte Flug AI171 mitten in ein Wohngebiet. 241 Menschen an Bord der Air-India-Maschine kamen ums Leben – nur ein Mann überlebte. Der Flugdatenschreiber wurde nun gefunden.Ermittler haben begonnen, das Wrack des Air-India-Fluges AI171 zu durchkämmen, um die Ursache für den Absturz des Boeing Dreamliners kurz nach dem Start am Donnerstagnachmittag zu ermitteln. Bei dem tödlichsten Flugunfall seit über einem Jahrzehnt kamen bis auf einen alle 242 Insassen ums Leben.Am Freitagmorgen wurde eine der beiden sogenannten Blackboxes gefunden, die wichtige Beweise für die letzten Minuten eines Flugzeugs enthalten. Der gefundene Flugdatenschreiber speichert Daten wie Flughöhe, Geschwindigkeit und Kurs der Maschine. Nun fehlt noch der Stimmenrekorder, der die Kommunikation zwischen den Piloten und den Fluglotsen aufzeichnet. Zur Aufklärung der Absturzursache wurden auch britische und US-Ermittler nach Indien entsandt. Nach Angaben der indischen Zivilluftfahrtbehörde kam kurz vor dem Unglück noch ein „Mayday“-Ruf aus dem Cockpit. Rettungsteams mit Spürhunden suchten am Freitag in den Trümmern nach möglichen weiteren Opfern. Nach Polizeiangaben wurden bislang 265 Todesopfer aus dem Flugzeugwrack sowie aus den Gebäuden geborgen, in die die Maschine gekracht war. Unter den Toten sind demnach mindestens 24 Menschen, die nicht an Bord des Flugzeugs gewesen waren.Premierminister Narendra Modi an der AbsturzstelleDie Unglücksstelle ist nach wie vor ein Bild der völligen Verwüstung. Verbrannte Trümmer und verstreute Flugzeugteile qualmen teils noch immer. Das „BJ Medical Hostel“, in dem Medizinstudenten zum Zeitpunkt des Unglücks gerade beim Essen saßen, wurde schwer beschädigt. Vier benachbarte Hochhäuser sind halb niedergebrannt und schwarz. Feuerwehrleute sprühen weiterhin Wasser auf die Unfallstelle, während Polizei und Behörden das Wrack räumen.Der indische Premierminister Narendra Modi besuchte am Freitagmorgen kurz die Absturzstelle.Derweil mehren sich die Fragen, wie und warum der 787-8 Dreamliner mit Ziel London nur wenige Minuten nach dem Start in einem riesigen Feuerball explodierte. Videoaufnahmen, die in den sozialen Medien veröffentlicht wurden, zeigten eine Rauchwolke an der Absturzstelle. Auch das wundersame Überleben eines Passagiers, Ramesh Vishwaskumar, lässt viele Fragen offen. Vishwaskumar, der in der ersten Reihe der Economy-Class saß, könnte wertvolle Hinweise zur Unfallursache geben.Lesen Sie auchAm Donnerstag teilten Beamte mit, dass Rettungskräfte mehr als 200 Leichen geborgen hätten. Sie gaben jedoch nicht sofort an, wie viele davon Passagiere, Besatzungsmitglieder oder Anwohner waren. Weiter hieß es, die Zahl der Todesopfer könne noch steigen, während Rettungskräfte das Wrack durchkämmen.Lesen Sie auchAn Bord des Fluges zum Londoner Flughafen Gatwick befanden sich zwölf Besatzungsmitglieder und 230 Passagiere, die meisten davon indische und britische Staatsbürger.Flugzeug war auffällig schwerfällig beim AbhebenDer Dreamliner schien nicht genügend Schub zu entwickeln, als er fast die gesamte Länge der 3300 Meter langen Startbahn schwerfällig zurücklegte – eine Distanz, die eigentlich für den Start hätte ausreichen sollen, sagte Bob Mann, Leiter des Luftfahrtberatungsunternehmens RW Mann & Co.Die Ursache könnte eine Fehlkonfiguration des Flugzeugs vor dem Start oder fehlerhafte Gewichtsdaten im Computersystem des Flugzeugs sein, das die benötigte Leistung zum Abheben ermittelt, sagte er. Mann wies darauf hin, dass seine Aussagen inoffiziell seien und nicht durch Daten oder Cockpit-Stimmenrekorder bestätigt würden.Lesen Sie auch„Ist das Gewicht im Vergleich zum tatsächlichen Wert zu hoch, führt das zu einem sehr aggressiven Start“, sagte Mann. „Ist das Gewicht im Vergleich zum tatsächlichen Wert zu niedrig, steht nicht genügend Leistung zur Verfügung.“Nach Angaben der indischen Zivilluftfahrtbehörde gaben die verantwortlichen Piloten unmittelbar nach dem Start einen Notruf an die Fluglotsen ab. Das Flugzeug befand sich unter dem Kommando von Kapitän Sumeet Sabharwal und dem Ersten Offizier Clive Kundar, die über 8.200 bzw. 1.100 Flugstunden Flugerfahrung verfügten, wie die Generaldirektion für Zivilluftfahrt mitteilte.Schon nach dem ersten Notruf keine Reaktion mehr aus dem CockpitLaut der Flugsicherung startete der Jet um 13:39 Uhr Ortszeit von Ahmedabad von Landebahn 23. Nach dem ersten Notruf erfolgte keine Reaktion aus dem Cockpit auf weitere Notrufe der Fluglotsen am Boden.Der Unfall reiht sich ein in eine Reihe schwerer und tödlicher Vorfälle in der Zivilluftfahrt in diesem Jahr ein, darunter eine Kollision zwischen einem Militärhubschrauber und einem Flugzeug in der Luft Anfang 2025 in Washington.Der Absturz vom Donnerstag markierte auch den ersten Totalverlust einer 787, eines Flugzeugs, das Boeing vor über einem Jahrzehnt mit fortschrittlichen, leichten Verbundwerkstoffen zur Verbesserung der Treibstoffeffizienz auf den Markt brachte. Die 787 ist zu einer wichtigen Einnahmequelle für Boeing geworden; weltweit sind 1.148 dieser Maschinen im Einsatz.Boeing-Chef Kelly Ortberg erklärte am Donnerstag, er habe mit dem Vorstandsvorsitzenden von Air India, N. Chandrasekaran, gesprochen. Boeing sei bereit, die Untersuchung zu unterstützen. Ortberg und die Boeing-Chefin für Verkehrsflugzeuge, Stephanie Pope, sagten bereits ihre Teilnahme an der bevorstehenden Paris Air Show ab, wie aus einem Unternehmensmemorandum hervorgeht, das Bloomberg News vorliegt.Von den 242 Menschen an Bord waren laut Air India 169 indische, 53 britische Staatsangehörige, dazu kamen ein Kanadier und sieben Portugiesen.Gemessen an der Anzahl der Insassen handelt es sich um den schwersten Flugzeugabsturz seit dem Abschuss des Malaysia-Airlines-Fluges 17 im Jahr 2014 über der Ukraine, bei dem 298 Menschen ums Leben kamen, so das Aviation Safety Network, das tödliche Abstürze protokolliert.Der letzte Absturz dieser Größenordnung für Air India war Flug 182 im Jahr 1985. Diese Boeing 747 wurde durch eine Bombe über dem Atlantik zerstört, wobei alle 329 Menschen an Bord ums Leben kamen.Bloomberg/krott