PfadnavigationHomeRegionalesHamburgKonflikt Israel/IranHamburger Bürgerschaftspräsidentin hängt in Israel festVeröffentlicht am 13.06.2025Lesedauer: 4 MinutenCarola Veit (SPD), Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft (hier bei einem Fototermin in Hamburg)Quelle: Marcus Brandt/dpaHamburgs Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit wollte nach einem Israel-Besuch das Land verlassen – doch nach der Eskalation in dem Gebiet ist das zunächst nicht möglich. Zuvor hatte sie Stellung zur aktuellen politischen Situation in der Region bezogen.Hamburgs Parlamentspräsidentin Carola Veit sitzt wegen der Angriffe von und auf Israel in Tel Aviv fest. „Sie kommt nicht raus“, sagte eine Bürgerschaftssprecherin. Derzeit sei unklar, ob und wie sie Israel verlassen könne. Veit stehe mit der deutschen Botschaft in Tel Aviv in Kontakt. Die Bürgerschaftspräsidentin war zu einem viertägigen Besuch in das Land gereist und sollte eigentlich am Freitag zurückkehren.Israel hat in der Nacht eigenen Angaben zufolge aus der Luft mit einem Großangriff auf iranische Städte und Atomanlagen begonnen. Der Iran schlägt nach israelischen Angaben mit Drohnen zurück. Jordanien und der Irak haben deshalb bereits ihre Lufträume geschlossen. Der internationale Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv wiederum teilte auf seiner Webseite mit, er sei für alle Ab- und Anflüge bis auf weiteres gesperrt.Lesen Sie auchAngesichts des auch in Deutschland zunehmend kritisierten israelischen Vorgehens im Gazastreifen hatte Veit zuvor vor übereilten Reaktionen gewarnt. „Wir tun gut daran, besonnen zu bleiben“, sagte sie während eines viertägigen Besuchs in Israel. Mit keinem anderen Land weltweit habe Deutschland eine „solch spezielle Beziehung.“ Veit hatte zuvor in Jerusalem auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besucht. Deutschland habe außerdem „ein hohes Interesse an einer stabilen Demokratie in dieser Region“, sagte sie. „Wegducken gilt deshalb nicht. Kein Weg führt daran vorbei, jetzt an der Frage mitzuarbeiten, wie Frieden und Sicherheit für alle im Land hergestellt werden können.“Veit: Für Verzweiflung ist hier reichlich Anlass Dass das Vorgehen der israelischen Regierung vor dem Hintergrund der humanitären Katastrophe in Gaza auch in Berlin zunehmend kritisch gesehen werde, nehme man in Israel wahr und ernst. „Viel wichtiger ist aber, dass hier ganz offenbar auch die Zustimmung zum eigenen Vorgehen im Gazastreifen sinkt“, sagte Veit. Bei einem Besuch in der Knesset habe sie die Anspannung spüren können. „Es geht um den Fortbestand der Regierungskoalition und damit auch die Frage, ob der Konflikt eine konstruktive Wendung nehmen kann.“Lesen Sie auchDas Trauma auf beiden Seiten sei größer, als man es sich vorstellen könne. „Jede blickt auf die eigenen Opfer und Verluste. Das gegenseitige Misstrauen und der Hass sitzen tief“, sagte sie. „In den gespaltenen Bevölkerungen gibt es viel Hilflosigkeit.“ Zwar sei nie etwas hoffnungslos, „aber für Verzweiflung ist hier reichlich Anlass“.Veit wirbt für geplantes Yad Vashem Education Center in Hamburg Bei ihrem Besuch in Yad Vashem habe sie mit dem Vorstandsvorsitzenden der Gedenkstätte, Dani Dayan, auch über Hamburgs Interesse gesprochen, Standort für das geplante deutsche Yad Vashem Education Center zu werden. Die Idee für eine solche Bildungseinrichtung geht auf ein Treffen Dayans mit dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz im Januar 2023 zurück. Die neue Bundesregierung hatte sich in ihrem Koalitionsvertrag zur Unterstützung der Einrichtung eines solchen Zentrums bekannt. Im Koalitionsvertrag der rot-grünen Hamburger Regierung wird ebenfalls das Interesse bekundet, das Education Center zu beherbergen.Lesen Sie auchIn der Hansestadt seien die Beziehungen zur jüdischen Gemeinde eng, sagte Veit. „Das zeigt sich nicht nur in der lebendigen Gedenkarbeit unserer Stadt, sondern auch in unserer Unterstützung für jüdisches Leben und nicht zuletzt für den geplanten Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge.“80 Jahre nach Ende des Krieges und der Verbrechen der NS-Zeit müsse „aus der Erinnerung etwas Neues, nach vorne gerichtetes entstehen“, sagte sie. „Deswegen wäre Hamburg auch ein geeigneter Ort ist für das geplante Education Center der internationalen Gedenkstätte Yad Vashem.“Hamburg will Beziehungen zu israelische Städten stärken Ihr Besuch in Israel sei nach einer Einladung des israelischen Botschafters in Deutschland, Ron Prosor, vor zwei Jahren lange geplant gewesen. Daran habe auch der Krieg nach dem Terrorangriff der radikalislamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 nichts geändert. „Wir stehen zu unseren Freunden, auch wenn sie bedroht werden. Wir tauchen in schwierigen, gefährlichen Zeiten nicht ab und warten nicht auf bessere, einfachere Zeiten“, sagte Veit. Zudem gebe es in Hamburg schon länger den Plan, Kontakte zu israelischen Städten zu erkunden und Hamburgs bestehende Verbindungen zu stärken. „Zur Region um Haifa gibt es beispielsweise ausgesprochen gute Kontakte, vor allem im Wissenschaftsbereich“, sagte die Parlamentspräsidentin. Diese könnten um weitere Themen wie Wirtschaft und Jugendaustausch erweitert werden. „Und um weitere Regionen – deshalb habe ich aktuell Aschdod und Be‘er Scheva besucht.“ An diesem Freitag wird sie in Hamburg zurückerwartet.lno/jlau