PfadnavigationHomeICONISTModeSommertrendDas erstaunliche Comeback der Polka DotsVeröffentlicht am 12.06.2025Lesedauer: 4 MinutenPolka Dots sind zurück: Ob auf Kleidern, Bikinis oder Schuhen – in diesem Sommer tanzen die Punkte durch alle Kollektionen. Warum das Muster gerade jetzt den Zeitgeist trifft – und sogar Männern neuen Stil verleiht.Im Jahr 1940 besang Frank Sinatra eine Frau in einem gepunkteten Kleid, mit der er im Mondlicht durch einen Garten tanzte. „Polka Dots and Moonbeams“ – Tupfen und Mondstrahlen – so heißt der Song, in dem das Pünktchenmuster eine prominente Rolle spielt. 20 Jahre später legte Brian Hyland mit „Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini“ nach (viel Vergnügen mit diesem Ohrwurm); diesmal übersäten die Punkte einen Bikini, der zum ersten Mal am Strand ausgeführt wurde.Beide Titel eignen sich auch Jahrzehnte nach ihrem Erscheinen perfekt als Soundtrack für die aktuellen Kollektionen der großen Modelabels. Überall sind Punkte zu sehen: auf hochgeschlossenen Kleidern, Blazern und Stiefeln in der Prêt-à-Porter-Sommerkollektion von Valentino; auf schwingenden Kleidern, Blusen, Tops und Röcken bei Carolina Herrera (die Marke setzt seit den 80er-Jahren auf das Muster); im Mix mit Karos bei Acne Studios – auf Blazern sowie einer Mischung aus überdimensionalem Blusenkragen und Cape in der Winterkollektion von Moschino. Auch in der Cruise-Kollektion 2026 von Gucci tauchen Punkte auf. Laut der Plattform Tagwalk, die Modetrends analysiert, stieg die Anzahl gepunkteter Laufsteg-Looks für den Sommer 2025 bei 20 internationalen Top-Marken im Vergleich zum Vorjahr um 185 Prozent.Auch günstigere Anbieter wie Sézane, & Other Stories und Zara haben die Punkte längst im Programm. Ihren Namen verdanken sie dem Polka-Tanz, der Ende des 19. Jahrhunderts populär war und oft in gepunkteten Kleidern getanzt wurde. Marilyn Monroe und Minnie Mouse posierten in Kleidern, Brigitte Bardot in Hosen mit Punkten darauf. Julia Roberts machte 1990 als „Pretty Woman“ die Variante mit weißen Punkten auf karamellbraunem Grund zu einem der Sommerkleid-Klassiker schlechthin. Fünf Jahre später sang (oder flehte) Gwen Stefani im Pünktchenkleid „Don’t Speak“. Prinzessin Diana trat so oft in gepunkteten Outfits auf, dass diese bis heute als einer ihrer Signature-Styles gelten. Prinzessin Kate folgte kürzlich ihrem Beispiel – trend- und traditionsbewusst zugleich. Polka Dots vereinen Unschuld und Weiblichkeit, Eleganz und Verspieltheit in der einfachsten, nämlich kreisrunden Form.Jetzt sind gepunktete Stoffe wieder omnipräsent – und umhüllen nicht nur weibliche Körper: Valentino etwa zeigte in der Winterkollektion ein Hemd mit Punkten und Schluppenkragen zum pelzbesetzten Mantel in Schlangenlederoptik für Herren. „Das war ja klar“, mag mancher nun denken, „irgendwer muss wohl immer genderfluid daherkommen.“ Zugegeben, die viel beschworene Auflösung der Geschlechter ist ein beliebtes Motiv auf Laufstegen. Aber im Falle der Polka Dots hatten schon ganz andere Männer die Idee, sie zu tragen: Der bereits erwähnte Frank Sinatra trug in den 40er-Jahren ein Hemd mit Pünktchenmuster. Rod Stewart warf sich in den 70ern einen gepunkteten Schal um, ein knappes Jahrzehnt später trat Phil Collen von der Rockband Def Leppard mit Pünktchen-Hemd auf. Auch Musiklegende und Gesamtkunstwerk Prince zeigte sich mehrfach im gepunkteten Komplettlook.Festgelegt auf Frauen- oder Männermode ist das Muster nicht. Jenseits der Bühnen und Laufstege aber fand man große, vor allem aber kleine Punkte für Herren bislang vor allem auf Krawatten, Fliegen und Einstecktüchern. Aber Accessoires wie diese werden – aufgrund der hierzulande besonders großen Liebe zu informellen, rund um die Uhr getragenen Freizeitlooks – immer seltener getragen. Noch ein Grund mehr, der Herrengarderobe zu wünschen, dass die Renaissance des gepunkteten Allover-Looks auf sie übergreift.Denn das Pünktchenmuster steht für die genau richtige Dosis an Unbekümmertheit und Nostalgie in Zeiten wie diesen. Es signalisiert Optimismus und Unruhe gleichermaßen, hieß es in der „New York Times“ schon vor vier Jahren, als sich ein Pünktchen-Comeback abzeichnete. Polka Dots seien „die Komiker unter den Drucken, weil sie so vielseitig und skurril sind“, ließ damals Wes Gordon, seit 2018 Kreativdirektor von Carolina Herrera, wissen. 2019 zitierte „Psychology Today“ den Wissenschaftler Steve Connor, für den der anhaltende Erfolg der Punkte ein „Resultat der wachsenden Toleranz für, und Kommerzialisierung von Kindlichkeit und (…) Niedlichkeit in der modernen Welt“ ist.Lesen Sie auchEs ist kein Zufall, dass die niedlichen Punkte mit infantil-verspieltem Charme ihr großes Comeback ausgerechnet jetzt erleben. Sie sind in guter Gesellschaft: Seit einer Weile baumelt etwa der „Labubu“ in verschiedenen Farbkombinationen an Taschen rund um die Welt. Die kleine Plüschfigur sieht aus „wie ein missratener Teddybär auf Acid, dem nach dem Drogentrip die Gesichtszüge entglitten sind“, wie Autor Julian Theilen in einem WELT-Beitrag kürzlich so treffend schrieb. Und der ebenfalls im vollen Gange befindlichen Wiederentdeckung der farbprächtigen Opulenz als Antwort auf Jahre im maßvollen „Quiet Luxury“ in Cremebeige wurde der verspielt klingende (und zumindest hierzulande an „Bum Bum“-Eis erinnernde) Name „Boom Boom-Ästhetik“ verliehen.Nostalgie, Hedonismus, Humor und ein Hauch von kindlicher Unschuld – diese Rezeptur sorgt in der Mode umso zuverlässiger für Erfolg, je ernster die Lage der Welt ist. Im Falle der Polka Dots kommt die Verspieltheit auch noch mit Verbindlichkeit daher. Denn so oft, wie sich dieses Muster seit seiner Erfindung schon zum neuen alten Trend aufgebäumt hat, steht fest: Die aktuelle Renaissance der Pünktchen wird nicht die letzte sein.
Polka Dots prägen die Mode – und mischen jetzt auch bei Männern mit - WELT
Polka Dots sind zurück: Ob auf Kleidern, Bikinis oder Schuhen – in diesem Sommer tanzen die Punkte durch alle Kollektionen. Warum das Muster gerade jetzt den Zeitgeist trifft – und sogar Männern neuen Stil verleiht.






