Für sie: Ohne falsche Zurückhaltung

Vor lauter internationalem Rückschritt hatte man fast vergessen, dass gerade der Pride-Monat begonnen hat. Wenn es in den Vereinigten Staaten plötzlich wieder nur zwei Geschlechter gibt, die man in den Ausweis schreiben darf, dann heißt das: Die LGBTQ+-Community benötigt mehr Unterstützung denn je. Das dachte sich auch der Designer Ives Conner, der sich bei seiner letzten Show schnell einen Spruch auf sein T-Shirt bügelte, um den Applaus entgegenzunehmen: Protect the Dolls.

(Foto: Connerives)

Der Begriff Dolls, also Puppen, kommt aus der New Yorker Ballroom-Szene und steht heute für transfeminine Personen, also alle, die sich als weiblich identifizieren. Das puristische Trans-Charity-T-Shirt, das so angenehm auf die obligatorischen Regenbogenfarben verzichtet, wurde zum Hit – ein paar Wochen später trugen es Tilda Swinton und Madonna, und es ist ständig ausverkauft.

Ach so, der schöne Pedro Pascal trägt es auch, was löblich, aber hier zu vernachlässigen ist. Denn zwischen transfemininen Leuten und biologischen Frauen ist es ja gerade etwas kompliziert. Wenn jemand mit männlichem Chromosomensatz eine olympische Medaille im Frauenboxen gewinnt, so wie Imane Khelif im vorigen Jahr, dann kann man, wegen extragroßer Unfairness, schon mal richtig sauer werden als biologische Frau. Aber nur weil es kompliziert ist, heißt das nicht, dass das Leben jetzt zum Boxring werden sollte, in dem wir uns gegenseitig in die Fresse hauen (chill mal, J. K. Rowling). Als Frauen sitzen wir alle im gleichen Boot – und dieses T-Shirt ist eine angenehme Handreichung.