Schon vor dem Beginn dieser ganz speziellen Sommernacht im Hofspielhaus ist das Markenzeichen von Chris Kolonko vom Gehweg aus zu erspähen: Seine langen Beine hat der Travestiekünstler über das Fenstersims geschwungen, während er hoch oben über den Köpfen des Publikums „Could It Be Magic“ anstimmt.
Nicht lange, und Kolonko selbst erscheint in voller Größe, allerdings nicht in Gala-Robe, nicht auf hohen Pumps und ganz ohne Federn, stattdessen mit fest gewickeltem schwarzen Turban und schwarz geränderter Brille: Auftritt frei für die rüstige Witwe Berta, die mit viereckiger Handtasche, keckem Mundwerk und auf klobigen Sandalen ihre Gästeschar einsammelt und hineinbittet.
Ihren verstorbenen Karl-Heinz führe sie in einer Urne mit sich, erklärt sie den Zuschauern im lauschigen Innenhof. Das angekündigte Gewitter bleibt am Premierenabend glücklicherweise aus, nur Karl-Heinz in seiner Urne bekommt kurz „nasse Füße“, wie Berta besorgt feststellt, als ein wenig ihres Getränks aus dem Glas hinaus schwappt.
Ausgesprochen Schlager-selig ist diese Lady – nicht von ungefähr heißt ein Erfolgsprogramm des Kreuzfahrtschiff-gestählten Kolonko „Berta schlagert sich glücklich“ – und so gibt Berta, vorgeblich ausgebüxt aus dem Josefs Stift, neben Beobachtungen aus dem Altenheim und Anekdotischem zu Thomas Gottschalk, Cher und Helene Fischer, stimmgewaltig ein Karel-Gott-Medley zum Besten. Bei Rex Gildos „Fiesta Americana“ hat Berta auch den letzten Schlagermuffel überwältigt – und die Zuhörerschaft zu lauten „Hossa!“-Rufen motiviert.








