PfadnavigationHomeRegionalesHamburgPfingstenSylts Jäger suchen den Goldschakal – und Tausende kommen zum FeiernVeröffentlicht am 07.06.2025Lesedauer: 4 MinutenAuf die Schafe hat es der Goldschakal abgesehenQuelle: Federico Gambarini/dpaFast 100 Schafe hat ein Schakal auf Sylt getötet. Nachts sitzen die Jäger jetzt auf Hochsitzen und wollen den Schakal erschießen, während in den Bars der Insel nach dem Eklat vor einem Jahr wieder gefeiert wird.Auf Sylt suchen Jäger nach einem Goldschakal. Seit dem 19. Mai hat das Tier insgesamt 90 Lämmer und Schafe auf der Insel gerissen, jetzt soll es erschossen werden. Die Jagd auf den nachtaktiven Goldschakal werde nicht leicht, sagte der stellvertretende Kreisjägermeister Nordfrieslands, Manfred Uekermann. „Das ist eine besondere Herausforderung, aber es ist nicht unmöglich.“ Die Jäger haben sich auch von Experten beraten lassen sowie Fachliteratur und Videos angeschaut. Auch Lautsprecher kommen nun zum Einsatz.Lesen Sie auchAuf einem Deich hatte der Goldschakal Ende Mai in drei Nächten 78 Lämmer und zwei Mutterschafe gerissen, wie die betroffenen Keitumer Deichschäferin sagte. Schäferin Daniela Andersen bewirtschaftet den Deich von Morsum bis nach Rantum, insgesamt haben sie und ihr Mann 900 Mutterschafe. „Jeden Tag ist die Angst da, dass wieder etwas passiert.“Ihre Tiere jede Nacht in einem Stall schützen kann sie nicht: „Das ist für die Tiere ein riesiger Stress, wenn ich sie jeden Abend mit Hunden und Auto in den Stall treibe - das ist für die Tiere, als würden sie gejagt.“ Das wirke sich auch auf die Milchproduktion der Mütter aus und die Lämmer seien zudem sehr langsam. Auch ein hoher Zaun sei auf dem großen und öffentlich zugänglichen Deich keine Option. Tote Lämmer in den Sylter Dünen Auch im Inselnorden war der Goldschakal unterwegs: Im Naturschutzgebiet Lister Ellenbogen hat der zuständige Schäfer in den vergangenen zwei Wochen zehn Lämmer verloren. Ebenso viele Tiere seien verletzt, sagte Schäfer Jürgen Wolf-Diedrichsen. Bei vielen seien die Ohren abgebissen worden, teilweise habe er auch Bissverletzungen an anderen Körperstellen finden können.Seine rund 220 Mutterschafe und deren Lämmer in den Stall zu sperren, sei auch für ihn keine Option. „Das geht einfach nicht. Ich kann die nicht jeden Tag zusammentreiben, dafür ist das Gebiet viel zu groß und stresst die Tiere zusätzlich.“ Auch für einen Zaun sei das rund 600 Hektar große Areal zu weitläufig. Goldschakal darf abgeschossen werdenDas Landesamt für Umwelt hatte eine entsprechende artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung für den Abschuss des Schakals erteilt, wie das schleswig-holsteinische Umweltministerium mitteilte. Sie trat mit Beginn des Donnerstags in Kraft und gilt bis zum 31. Juli. Der Goldschakal ist in Schleswig-Holstein sonst keine jagdbare Art. Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) hatte betont, der Goldschakal sei eine besonders geschützte Art. Eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss setze besondere Umstände voraus. „In diesem Fall liegen gleich drei gewichtige Gründe vor, deshalb befürworte ich eine Ausnahmegenehmigung durch das Landesamt für Umwelt.“Es gehe darum, weitere Schäden bei Nutztieren zu verhindern. Das Tier bedeute zudem eine Gefahr für Bodenbrüter. „Zudem hat die Deichschäferei eine besondere Bedeutung für den Küstenschutz.“ Es wäre der erste behördlich genehmigte und bestätigte Abschuss eines Goldschakals in Deutschland, wie es vom Deutschen Jagdverband (DJV) heißt.Jagd auf Sylt wird schwierigAlle Sylter Jäger mit entsprechenden Berechtigungen können nach dem Goldschakal auf Jagd gehen, sagte Uekermann. Der Hegering Sylt umfasst den Angaben zufolge zehn Reviere mit rund 120 Jägerinnen und Jägern. Darunter sind laut Uekermann etwa 20 bis 30 Jägerinnen und Jäger, die sich aktiv an der Jagd nach dem Goldschakal beteiligen. Deren Waffen erfüllen die gesetzlichen Voraussetzungen, das Tier sofort zu töten. Es zu betäuben und einzufangen, sei keine Option, da die Jäger zum Beispiel mit Betäubungsfeilen deutlich näher an das Tier herankommen müssten.Mit Geräuschen jagenThomas Diedrichsen koordiniert als stellvertretender Hegeringleiter die Jagd. In der Nacht zum Freitag war der Schakal in Rantum gesehen worden. Mit Goldschakal-Rufen aus Lautsprechern hatten die Jäger versucht, ihn anzulocken. „Wenn das Tier auf die Rufe reagiert, weiß man, wo es sich befindet“, sagte der Jäger. Eine Alternative zum Abschuss gibt es für Diedrichsen nicht. „Dann können wir die Schafzucht gleich aufgeben.“ Pfingsten wird es vollAuch aus einem anderen Grund steht die beliebte Nordseeinsel an Pfingsten unter besonderer Beobachtung: Ein Jahr nach dem Eklat in einer Bar, als Feiernde laut ausländerfeindliche Parolen grölten, werden erneut Tausende Besucher erwartet, die auch die Bars füllen. Auch im Nobelort Kampen sind viele Pfingstpartys geplant. „Etwa 2000 bis 3000 Gäste reisen nur für dieses Pfingstwochenende in Kampen an“, sagte die Tourismus-Chefin des Ortes, Birgit Friese.Das zeige der Ticket-Verkauf an den vier Tagen in den Bars und Clubs. „Wir freuen uns auf viele junge Menschen, die bei uns im Dorf und auf der Insel fröhlich feiern werden“, sagte Friese.Lesen Sie auchZahlen zu Pfingst-Urlaubern auf der ganzen Insel aus früheren Jahren gibt es nicht. Im gesamten Mai 2023 waren 101.907 Menschen nach Sylt gereist, wie die Sylt Marketing GmbH (SMG) mitteilte. Aktuellere Zahlen liegen bisher nicht vor. Das Skandalvideo der rassistischen Vorfälle im Club Pony auf Sylt hat Auswirkungen auf die geplanten Pfingstpartys dort: Laut Betreiber wird es in diesem Jahr sogenannte Safe-Places geben sowie Einlassbänder mit Texten gegen Rassismus. jlau