Hebertshausen (dpa) - Nach dem Bus-Zusammenstoß in Oberbayern mit einem toten Schulkind und zahlreichen Verletzten laufen die Ermittlungen zur Ursache. Vor allem ein Experten-Gutachten soll dazu mehr Klarheit bringen. Nach Angaben der Polizei war am Mittwochmittag in einer Kurve bei Hebertshausen im Landkreis Dachau ein Linienbus ohne Fahrgäste in einer Kurve in den Gegenverkehr geraten. Dort sei er mit dem Reisebus zusammengestoßen, der mit Kindern besetzt war. Ein Zweitklässler starb. Bis die Ergebnisse des Gutachtens vorliegen, könnte es noch Wochen dauern. Für viele stellt sich nach dem Vorfall auch die grundsätzliche Frage nach der Sicherheit in Bussen. Laut einem Experten gibt es einige Risikofaktoren, die vor allem beim Transport von Kindern nicht zu vernachlässigen sind.Auto oder Bus, was ist sicherer?Laut ADAC Südbayern ist der Bus statistisch gesehen eines der sichersten Verkehrsmittel. Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung und Unfallprävention der Björn Steiger Stiftung, sagt, Busfahren und Autofahren seien in etwa gleich sicher, wenn man sich die reinen Fahrtkilometer anschaue. Die Stiftung hat das Ziel, die Notfallhilfe und das Rettungswesen in Deutschland zu verbessern.Wie sicher die jeweilige Busfahrt sei, hänge dann vor allem „von individuellen Faktoren ab“, sagt Brockmann. Wie alt ist der Bus? Wie lange sitzt der Fahrer schon am Steuer? Bei einem Schulausflug sei das Auto zwar nicht so praktikabel. Aus Sicht von Eltern, die sich fragen, auf welchem Wege ihre Kinder am sichersten zur Schule kommen, gibt es laut Brockmann aber eine Tendenz: „Für die reine Strecke ist es so, dass das Auto immer noch der sicherste Ort ist.“ Das Auto sei im Vergleich „von seiner gesamten Fahrgastzelle her optimiert, optimierter als der Bus, und zweitens habe ich da ja auch optimale Ausstattung“, sagt Brockmann. „Also ich habe dann exakt den Kindersitz, den es braucht, oder ich habe die Gurthöhe vielleicht genauso eingestellt, wie ein älteres Kind das braucht. Also gerade bei Kindern kann man die Dinge einfach nicht miteinander vergleichen. Da wäre das Auto mit Sicherheit sicherer.“ Eingeschränkt werde die Aussage aber dadurch, dass es oft gar nicht so einfach sei, das Kind dann auch sicher an der Schule abzusetzen. Mögliche Sicherheitsrisiken im BusEin Problem in Bussen sei, dass sich Passagiere häufig frei bewegten, anstatt auf ihren Sitzen zu bleiben, sagt Brockmann. Das gelte nicht nur für Erwachsene: „Die Kinder sind auf ihren Sitzen einfach schwer zu halten. Dann stehen die auf, dann laufen sie vielleicht woanders hin.“ Wenn sie doch sitzen, seien sie häufig nicht angeschnallt, zumal es in Linienbussen gar keine Gurte gebe. In Reisebussen gebe es zumindest Beckengurte. „Gerne hätten wir ja als Sicherheitsexperten auch Dreipunktgurte“, wobei das bei kleinen Kindern die Sicherheit auch nicht erhöhe, schränkt Brockmann ein. In Schul- oder Linienbussen seien auch Stehplätze ein zusätzliches Risiko. Außerdem betont Brockmann: Zur Sicherheit gehöre auch ein ausgeschlafener Fahrer. „Die haben ja sehr lange mögliche Arbeitszeiten, was für mich immer ein kritischer Punkt war bei Busfahrern.“ Komme es zu einem Brand, werde zudem die schnelle Versorgung von Verletzten oft durch wenige Fluchtmöglichkeiten erschwert. „Denn da hapert's allemal, insbesondere wenn irgendeine Tür durch einen technischen Defekt blockiert ist, dann kann man diesem Bus kaum noch entkommen“, sagt Brockmann. „Kinder schon gar nicht, weil die Notausstiegsluken sind ja oben, da kommen die ja gar nicht erst hin.“Ein Sicherheitsproblem sei zudem der Aufbau von Bussen. Er sei zu leicht und nicht steif genug, kaum mehr als „eine bessere Pappschachtel“, so Brockmann. Das biete den Insassen bei Überschlag oder Eindringen von außen wenig Schutz. Alter und Zustand des Busses spielten zudem eine Rolle. Mehr Sicherheit beim Busfahren bieten laut Brockmann neuere Fahrzeuge - zum Beispiel mit Spurhalteassistenten und Notbremsassistenten. Praktikable Lösungen fehlenFür viele der Risikofaktoren wisse er allerdings auch keine einfache Lösung, sagt Brockmann. Busfahrer bekämen oft nicht mit, ob Passagiere angeschnallt sind. Gelegentlich würden zwar Systeme gefordert, die piepen, wenn jemand nicht angeschnallt ist, ähnlich wie bei Autos. „Das halte ich aber auch für nicht vernünftig, weil wenn der jetzt 40 Sitze in dem Bus hat, und immer irgendwer aufgestanden ist, dann würde das bei dem ja dauerpiepen.“ Auch der ADAC Südbayern empfiehlt mit Blick auf Schulbusse: „Soll die Sicherheit in Schulbussen erhöht werden, wäre es vor allem wichtig, dass alle Kinder sitzend befördert werden können. Denn Kinder, die im Bus stehen, sind bei Unfällen besonders gefährdet. Das heißt, im Zweifel müssen im Schulverkehr mehr Busse eingesetzt werden. Und das ist eine Frage des Geldes.“ Brockmann resümiert: „In vielen Dingen müssen wir leider, so schlimm das ist, mit den Nachteilen, die wir beim Bustransport haben, eben auch irgendwie leben.“© dpa-infocom, dpa:260612-930-211053/1

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