PfadnavigationHomeRegionalesNiedersachsen & BremenChance aufs OB-Amt: Salzgitter jetzt AfD-Hochburg im WestenStand: 14:53 UhrLesedauer: 3 MinutenIn Salzgitter schnitt die AfD gut ab - doch nicht nur dort.Quelle: Michael Brandt/dpaIn Salzgitter erreicht die AfD-Kandidatin die Stichwahl um das Oberbürgermeister-Amt. In anderen Städten scheitert die Partei knapp. Warum ausgerechnet Salzgitter?Salzgitter wird zu einer Hochburg der AfD in Niedersachsen. Mit knappem Vorsprung wurde die Partei stärkste Kraft im dortigen Stadtrat - und hat auch noch Chancen auf das Oberbürgermeister-Amt. Bei der Stadtratswahl kam sie auf 27,39 Prozent. Sie landete knapp vor der SPD (25,85 Prozent) und der CDU (23,23 Prozent). «Wir sind mehr als zufrieden», sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Stephan Bothe einen Tag nach den Kommunalwahlen über das Abschneiden seiner Partei im Bundesland.Insgesamt verzeichnete die AfD bei den Kommunalwahlen auf Kreisebene von allen Parteien die größten Zugewinne: Im Vergleich zu 2021 hat sie ihr Ergebnis von 4,6 auf 15,9 Prozent mehr als verdreifacht. In Städten wie Wilhelmshaven, Delmenhorst oder Nienburg verfehlte die AfD nur knapp die Stimmenmehrheit.Bei der Oberbürgermeisterwahl in Salzgitter jedoch erreichte die Partei mit Patricia Mair erstmals eine Stichwahl um ein kommunales Spitzenamt. Am 27. September fordert Mair den Amtsinhaber Frank Klingebiel (CDU) heraus. Die AfD-Kandidatin kam auf 25,67 Prozent der Stimmen, Klingebiel auf 45,61.Warum Salzgitter?Salzgitter hat einen großen Migrantenanteil, soziale Problemlagen und eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosenquote. In der Stadt, die ein Zusammenschluss mehrerer Orte ist, leben rund 100.000 Menschen. Salzgitter geriet in den vergangenen Jahren immer wieder in die Negativ-Schlagzeilen.Als der Stadtrat im Dezember 2025 mehrheitlich beschloss, eine Arbeitspflicht für Asylbewerber prüfen zu lassen, sorgte dies nicht nur für bundesweite Aufmerksamkeit, sondern auch für Uneinigkeit in der rot-grünen Landesregierung. Während die SPD von einer notwendigen Diskussion sprach, lehnte der Koalitionspartner den Vorstoß als «völlig verkehrtes Instrument» ab, wie es Grünen-Fraktionschefin Anne Kura damals formulierte.Prozesse und KriminalitätVor wenigen Wochen erst wurde in dem spektakulären Missbrauchskomplex um Josephine R. eine Frau aus Salzgitter wegen Lügen und Falschaussagen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. In die Schlagzeilen geriet die Stadt auch durch eine Anklage der Staatsanwaltschaft, wonach eine junge Frau über mehrere Jahre mit Baseballschläger, Bunsenbrenner oder Hammer gefoltert worden sein soll.Fassungslosigkeit herrschte im Juni 2022 in der Stadt und der gesamten Region, als ein damals 14-Jähriger gemeinsam mit einem 13 Jahre alten Mitschüler die 15 Jahre alte Anastasia auf ein verwildertes Grundstück in Salzgitter gelockt, sie dort erstickt und ihre Leiche in einem Gebüsch versteckt hatte. Er wurde wegen heimtückischen Mordes verurteilt.Nährboden für die AfD?Auffällig ist: Die Partei erhält besonders in mittelgroßen Städten sowie mitunter ländlichen Regionen viel Zuspruch. Nach Ansicht der Linken in Niedersachsen, die ebenfalls Zugewinne verzeichnete, zeigt sich das besonders in Salzgitter. Die Stadt sei gleichzeitig industriell und auch ländlich geprägt, sagte Co-Landeschef Thorben Peters. «Ausgeblutete Kommunen, die unterfinanziert sind», sowie «mit Blick auf VW, aber auch die Chemie- und Stahlindustrie, wachsende soziale Ängste», seien Wahlgründe für die AfD. Auch Grünen-Co-Chef Maximilian Strautmann sagte, die Hochburgen der AfD fänden sich in Regionen, die vom Strukturwandel betroffen sind.Vom Verfassungsschutz in Niedersachsen wird die Partei als rechtsextremistisches Beobachtungsobjekt geführt; vier Kandidaten der Partei wurden bei der Kommunalwahl wegen Zweifeln an ihrer Verfassungstreue nicht zugelassen. Gegen beides wehrt sich die AfD juristisch. AfD-Landeschef Ansgar Schledde sagte dazu, dies habe «bei vielen Bürgern das Bewusstsein geschärft, dass auch auf der kleinsten Ebene unseres Staates eine klare demokratische Alternative als Korrektiv benötigt wird».dpa-infocom GmbH