Die CDU verliert deutlich, kann aber noch gewinnen: Das sind die Gründe für den Ausgang der Wahl in NiedersachsenBei den Kommunalwahlen sind CDU und SPD trotz Verlusten die stärksten Parteien. Die AfD kann ihr Ergebnis mehr als verdreifachen, bleibt aber wohl überall in der Opposition.Cornelius Welp, Frankfurt14.09.2026, 13.18 Uhr4 LeseminutenIn der Industriestadt Salzgitter ist die AfD die stärkste Fraktion.GettyFür den niedersächsischen CDU-Landeschef Sebastian Lechner ist es ein besonderer Sieg. Seine Partei habe den Wahlkampf unter schwierigen Bedingungen absolvieren müssen. «Der Unmut über Berlin war deutlich zu spüren», sagte Lechner. Dem «Glaubwürdigkeitsproblem» der Bundesregierung zum Trotz habe seine Partei «eindrucksvoll» bewiesen, dass sie auch in diesen Zeiten Wahlen gewinnen könne. Das hätten ihr viele nicht mehr zugetraut.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mit einem Ergebnis von 27,2 Prozent ist die CDU bei den Kommunalwahlen ganz vorn gelandet, vor der SPD mit 24,6 Prozent. Beide Berliner Regierungsparteien haben damit deutlich verloren, konnten ihre Positionen in den meisten Kreisen und Städten aber annähernd verteidigen. Mit landesweit 15,9 Prozent hat die AfD ihr Ergebnis im Vergleich zu 2021 allerdings mehr als verdreifacht. Die Grünen (14,1 Prozent) büssten knapp zwei Prozent ein, die Linke konnte sich auf sechs Prozent knapp verdoppeln.Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sprach nach der Wahl von einem «schwierigen Ergebnis» seiner Partei. Auch er verwies auf die «bundespolitische Stimmung» gewesen, das Vertrauen in die etablierten Parteien sei angespannt. Davon profitierten vor allem die Parteien an den Rändern.Mit rund acht Millionen Einwohnern liegt Niedersachsen hinter Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg in der Rangliste der bevölkerungsreichsten Bundesländer auf Platz vier. An den Wahlen in Städten und Gemeinden konnten rund 6,3 Millionen Menschen teilnehmen. Mit knapp 65 Prozent lag die Beteiligung deutlich über dem Wert vor fünf Jahren (57 Prozent).In Hannover und Göttingen liegen die Grünen vorneIn den meisten Grossstädten legte die AfD vergleichsweise wenig zu. In der Landeshauptstadt Hannover kam sie auf elf Prozent. Mit einem Ergebnis von mehr als 28 Prozent bilden die Grünen die stärkste Fraktion im Stadtrat, gefolgt von SPD (23 Prozent) und CDU (15 Prozent). Bei der Wahl des Oberbürgermeisters verfehlte Amtsinhaber Belit Onay von den Grünen mit rund 46 Prozent knapp die absolute Mehrheit. In zwei Wochen tritt er in einer Stichwahl gegen seinen Stellvertreter Axel von der Ohe (SPD) an.In der Universitätsstadt Göttingen liegt die Kandidatin der Grünen mit mehr als 40 Prozent der Stimmen ebenfalls klar vorne. Im industrieller geprägten Braunschweig geht der amtierende Oberbürgermeister der SPD mit grossem Vorsprung in die Stichwahl.Die CDU konnte ihre traditionellen Hochburgen wie Cloppenburg, Vechta und das Emsland klar gewinnen, fiel hier aber jeweils deutlich unter die bei der vergangenen Wahl noch erreichte Marke von 50 Prozent. Die AfD erzielte in Cloppenburg und Wilhelmshaven Ergebnisse von knapp über 20 Prozent. Während die Hafenstadt seit Jahren unter finanziellen Problemen leidet, gilt die Region Cloppenburg als wirtschaftlich stabil. Nur die hier besonders stark vertretene Schweinezucht befindet sich in einer schweren Krise.In einer Krise steckt auch der in dem Bundesland beheimatete Volkswagen-Konzern. In Wolfsburg, dem Sitz der Konzernzentrale, konnte Bürgermeister Dennis Weilmann von der CDU sein Amt mit rund 50 Prozent der Stimmen bereits im ersten Wahlgang verteidigen. Bei der Wahl zum Stadtparlament verlor die SPD rund acht Prozent. Da das Land Niedersachsen mit 20 Prozent an VW beteiligt ist, bestimmt die von ihr geführte Regierung in Hannover die Geschicke des Autobauers mit. In Emden schnitt die SPD dagegen relativ stabil ab. Das dortige Werk von VW soll womöglich geschlossen werden. Die AfD kam in der Stadt auf 17 Prozent. Vor fünf Jahren war sie hier noch gar nicht angetreten.In Salzgitter ist die AfD am stärkstenNoch deutlich stärker ist die Partei in Salzgitter. In der Industriestadt ist die Unsicherheit gross. Der dort ansässige Stahlkonzern konnte im ersten Halbjahr zwar einen Gewinn vermelden, ob die mit reichlichen öffentlichen Mitteln geförderte Transformation zum grünen Stahlunternehmen seine Zukunft dauerhaft sichert, ist jedoch offen. Der Autoproduzent VW hat hier eine Batteriefabrik gebaut, in seinem Motorenwerk sorgen sich die Beschäftigten jedoch um ihre Jobs. Mit 10,3 Prozent liegt die Arbeitslosigkeit in der 100 000 Einwohner-Stadt bereits deutlich über dem Landesdurchschnitt von 6,3 Prozent.Geprägt ist die Stadt zudem von einer hohen Anzahl von Migranten: Fünf Prozent der Bevölkerung stammen aus Syrien, im Stadtteil Lebenstedt liegt der Ausländeranteil bei fast 35 Prozent. Lokale Politiker verschiedener Parteien haben in den vergangenen Jahren betont, dass sich die Kommune deshalb am Limit befinde. Im Dezember beschloss Salzgitter als erste deutsche Grossstadt, eine Arbeitspflicht für Asylbewerber zu prüfen.Die mit diesen Themen verbundenen Sorgen hat die AfD mit ihrem Programm für die Kommunalwahl am vergangenen Sonntag besonders offensiv adressiert. Offenbar mit Erfolg: Mit 27,4 Prozent landete die Rechtspartei vor SPD und CDU, ihre Kandidatin tritt zudem in zwei Wochen in der Stichwahl gegen den amtierenden Oberbürgermeister von der CDU an. Mit knapp 46 Prozent der Stimmen liegt dieser allerdings so gut wie uneinholbar vorne.Passend zum Artikel
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