Führende Ökonomen und Politiker warnen vor einer Marginalisierung Europas im internationalen Wettbewerb um Künstliche Intelligenz (KI). Europa drohe ohne entschlossenes Handeln ab diesem Jahr dauerhaft zurückzufallen, sagte der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, am Montag.Eine Expertengruppe, der auch die Vorsitzende des Sachverständigenrats, Monika Schnitzer, und die frühere EU-Kommissarin Margrethe Vestager angehören, legte eine neue Strategie vor. Diese soll den Wohlstand, die Souveränität und die Sicherheit Europas im KI-Zeitalter sichern.„Wir dürfen nicht zulassen, dass Europa zum Spielfeld ausländischer Mächte wird“, sagte Vestager. Die Bürger spürten bereits die Folgen von Entscheidungen, die anderswo getroffen würden. Die Wertschöpfung finde außerhalb der europäischen Grenzen statt.„Das sollte uns weit mehr beunruhigen, als es derzeit der Fall ist. Wir müssen handeln.“ Die Koalition aus Experten warnt, Europa laufe Gefahr, unwiderruflich von ausländischen Regierungen und Unternehmen abhängig zu werden, sollte nicht entschlossen gehandelt werden. Das Zeitfenster schließe sich schnell, da Länder wie China und die USA bei Investitionen und der Anwerbung von Talenten voranschritten.1,3Billionen Euro an Investitionen gefordertDer vorgelegten Strategie zufolge sind massive Investitionen nötig. „Unseren Prognosen zufolge benötigt Europa bis 2030 45 Gigawatt an zusätzlicher Energie für Datenzentren, wenn es bei dieser kritischen Infrastruktur nicht von ausländischen Mächten abhängig sein will“, ergänzte die Wirtschaftsweise Schnitzer. „Dafür sind Investitionen in der Größenordnung von 1,3 Billionen Euro erforderlich.“ Ein zentrales Ziel des Papiers ist es, den Anteil Europas an der weltweiten KI-Rechenzentrumskapazität von derzeit rund fünf Prozent auf 15 Prozent bis 2030 zu steigern. Nobelpreisträger: Müssen Anstrengungen verzehnfachen Die Experten heben die aktuelle Schwäche hervor. „Europäische Modellentwickler erwirtschaften zusammen weniger als zwei Prozent des Umsatzes von nur zwei US-amerikanischen Konkurrenten“, sagte Fuest.Die Strategie empfiehlt daher unter anderem die Schaffung einer Allianz für sichere Lieferketten, um Europas Position bei Schlüsseltechnologien wie der von ASML zu nutzen. Zudem müssten die europäischen Institutionen für eine von KI geprägte Welt fit gemacht und die Widerstandsfähigkeit gegen KI-gestützte Krisen wie Cyberangriffe gestärkt werden.Auch der französische Ökonom und Nobelpreisträger Philippe Aghion mahnte zum Handeln. „Es steht außer Frage, dass KI den Verlauf unser aller Zukunft bestimmen wird – ob im öffentlichen Dienst oder in den Unternehmen, von denen unsere Beschäftigung abhängt“, erklärte der Mitautor der Strategie. „Deshalb ist es nicht nur wichtig, sondern unerlässlich, dass die gesamte Union ihre Anstrengungen verzehnfacht.“ (Reuters)
Warnung von Top-Ökonomen: Europa fällt bei Künstlicher Intelligenz international zurück
Eine Expertengruppe sieht Europa im KI-Zeitalter in Gefahr, von ausländischen Mächten abhängig zu werden. Sie fordern Investitionen von 1,3 Billionen Euro.
Experten warnen vor Europas KI-Rückstand: Entwickler generieren unter 2% der Umsätze zweier US-Konkurrenten, Datenzenter-Anteil nur 5% global. Bis 2030 braucht Europa 1,3 Billionen Euro zur Steigerung auf 15% – sonst droht dauerhafte technologische Abhängigkeit.









