PfadnavigationHomeWirtschaftSchock an der TanksäuleÖlpreis legt nach Pipeline-Stopp deutlich zu – Ökonom schließt 3 Euro je Liter Diesel nicht mehr ausStand: 08:47 UhrLesedauer: 4 MinutenDie Spritpreise erreichten am Wochenende neue HöchstständeQuelle: picture alliance/Rene Traut FotografieSpritpreise erreichen wegen des Nahostkonflikts neue Höchststände. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke fordert einen Preisdeckel, ein Experte sieht eine gefährliche Entwicklung.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenDie anhaltende Unsicherheit in Nahost hat die Preise an den Tankstellen am Wochenende weiter nach oben getrieben. Am Samstag kostete Super der Sorte E10 nach Daten des Spritpreisportals „Tankerkönig“ im bundesweiten Durchschnitt 2,27 Euro den Liter. Für Diesel mussten Autofahrer demnach im Schnitt knapp 2,40 Euro zahlen. Örtlich knackte der Dieselpreis aber auch die Marke von 2,60 Euro je Liter.Regional und zu bestimmten Zeiten lagen die Preise noch deutlich darüber. Damit bewegt sich der Preis für Super E10 auf dem Niveau der Rekorde aus dem März 2022, der Dieselpreis liegt knapp unter dem Rekordhoch aus diesem April.Hintergrund für einen besonders kräftigen Preissprung am Samstag um 12:00 Uhr waren Meldungen, wonach Saudi-Arabien nach der iranischen Blockade der Straße von Hormus und der zunehmenden Bedrohung der Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthi-Miliz im Jemen auch noch eine wichtige Pipeline abschalten muss. Lesen Sie auchDie Ost-West-Pipeline, die große Mengen Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer bringen kann, wurde nach Angriffen auf die Leitung in den Regionen Riad und Medina vorsorglich stillgelegt. Eine zusätzliche Reduzierung saudischer Exporte könnte den Ölpreis weiter ansteigen lassen.Ruf nach Entlastung für VerbraucherAus Sicht von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke müssen die hohen Spritpreise schnell begrenzt werden. „Wir brauchen dringend einen Spritpreisdeckel“, sagte der SPD‑Politiker. Lesen Sie auch„Es kann nicht sein, dass die Mineralölkonzerne Extraprofite einstreichen, während Millionen Pendlerinnen und Pendler an den viel zu hohen Spritpreisen verzweifeln.“ Er betonte: „Niemand darf sich an der Not anderer bereichern. Gerechtigkeit muss auch an der Tankstelle herrschen.“Der Regierungschef verwies auf eine Entlastung der Verbraucher in anderen Staaten. „Unsere Nachbarn machen uns seit langem vor, wie die Bevölkerung an der Zapfsäule entlastet werden kann. In Luxemburg, Polen, Belgien oder auch in Tschechien werden die Höchstpreise regelmäßig flexibel an die Marktlage angepasst“, sagte Woidke. „Das verspricht sinkende Kraftstoffpreise für alle Verbraucher und gibt Planungssicherheit.“Der Chefvolkswirt der Ing-Diba-Bank, Carsten Brzeski, schloss gegenüber „Bild“ auch einen Preis von 3 Euro je Liter Diesel nicht mehr aus. Sollte der Ölpreis längere Zeit über 110 Dollar je Barrel bleiben, komme die Marke „leider gefährlich nahe“. Bei Benzin wären dann rund 2,50 Euro je Liter fällig.Höherer Ölpreis – steigende SpritpreiseZum Wochenstart legten die Ölpreise wegen der von Saudi-Arabien abgeschalteten Ölpipeline und der abgesagten Gespräche zur Straße von Hormus deutlich zu. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im November kletterte am Morgen um knapp drei Prozent auf 107,60 Dollar und näherte sich damit wieder der Marke von 110 Dollar. Am Freitag war der Brent-Preis nach einem rasanten Anstieg in den Tagen davor noch etwas gefallen.Lesen Sie auchGrund war die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahostkonflikt. Doch das für heute geplante Außenministertreffen der Staaten am Persischen Golf im Oman findet nicht statt. „Im Interesse des Konsenses wurde das für morgen in Salalah geplante regionale Treffen verschoben“, teilte der omanische Außenminister Badr al-Busaidi am späten Sonntagabend auf der Plattform X mit. Berichten zufolge war eigentlich geplant, dass bei dem Treffen der Iran und der Oman eine Vereinbarung im festgefahrenen Konflikt über die Straße von Hormus vorstellen wollten.Von Anfang Mai bis Ende Juni galt ein Tankrabatt in Höhe von 16,7 Cent pro Liter, der den Bund nach einer Schätzung des Finanzministeriums rund 1,6 Milliarden Euro kostete. Eine Neuauflage hat die Bundesregierung abgelehnt. Die deutschen Staatsfinanzen sind wegen des schuldenfinanzierten Investitionspakets in den roten Zahlen.Trotz der 12-Uhr-Regel für Preiserhöhungen an den Tankstellen gehen die Spritpreise immer weiter nach oben. In der SPD gibt es immer mehr Stimmen, die auf eine Begrenzung dringen. Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) hatte vorgeschlagen, den Preissprung am Mittag gesetzlich auf höchstens fünf Prozent zu begrenzen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt bisher eine Deckelung des Spritpreises ab.Wirtschaftsweise sieht Hilfen durch den Staat kritischDie Militäroffensive der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz im Jemen wird nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer zu weiter steigenden Verbraucherpreisen in Deutschland führen. Anders als erhofft entspanne sich die Lage nicht, ganz im Gegenteil, sagte Schnitzer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Das wird sich auch bei den Preisen an der Tankstelle und den Verbraucherpreisen insgesamt bemerkbar machen und uns alle belasten.“Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki sagte der Zeitung: „Der beste Spritpreisdeckel ist es, wenn der Staat seine klebrigen Hände bei sich behält.“ Die Steuern müssten runter und die heimische Energieförderung ausgebaut werden. „Gott bewahre uns vor weiterem Gefummel an den Preisen durch diese Regierung.“ Die 12-Uhr-Regel habe schon genug Schaden angerichtet.dpa/doli