Von den vielen Anlässen zur Fröhlichkeit, die Borussia Dortmund an diesem Fußball-Nachmittag hatte, wog einer vielleicht am schwersten, der gar nicht auf dem Spielfeld lag. Klar, der BVB konnte mit seinem 3:0 gegen den Aufsteiger und westfälischen Nachbarn SC Paderborn den dritten Sieg im dritten Bundesligaspiel abhaken. Aber wichtiger als alles auf dem Rasen wirkte, dass Dortmunds Zauberlehrling Konstantinos Karetsas wieder im Stadion war. Dass der 18-Jährige beim BVB gebraucht wird, war den kritischen Geistern im Stadion schon aufgefallen.Karetsas musste am vergangenen Dienstag beim Champions-League-Heimspiel gegen Villarreal nach einer halben Stunde mit einem Kreislaufkollaps vom Platz getragen werden. Anschließend hatte er zur weiteren Beobachtung und diversen Untersuchungen drei Nächte im Krankenhaus verbracht. Vorläufiges Ergebnis: akute Dehydrierung. Selbst bei quasi durchsichtigen Profi-Körpern tatsächlich möglich. Ansonsten aber keine medizinischen Auffälligkeiten – soweit bekannt. Erst am Freitag war Karetsas dann wieder am Trainingszentrum des BVB aufgetaucht. Und am Samstag dann als Zuschauer, mit kurzem Besuch in der BVB-Kabine.Andere Spieler gaben dem Publikum eher direkten Grund zum Jubeln. Schon nach fünf Minuten fingen sich die Paderborner einen klassischen Konter ein, eingeleitet von Stürmer Serhou Guirassy, der seinen Stürmerkollegen Fabio Silva steil schickte. Der umkurvte Paderborns Torwart Nahuel Noll, 1:0. Man könnte sagen: Dortmund hielt anschließend diesen Vorsprung 75 Minuten lang.Der Freude im ausverkauften Stadion tat es wenig Abbruch, dass der BVB über weite Strecken keine Spielweise fand, die den Gegner endgültig auf die Verliererstraße geschickt hätte. Aber in der tagesaktuellen Zufriedenheit über den Sieg machten es wohl die wenigsten am Fehlen von Karetsas fest oder an dem des anderen griechischen Zugangs Giannis Konstantelias, der unter der Woche am gerissenen Kreuzband operiert worden war. Nein, der Anhang erfreute sich an der Rückkehr von Nico Schlotterbeck, der seit seiner Sprunggelenks-Verletzung bei der WM nicht mehr hatte spielen können. Schlotterbeck kam gleich als Kapitän zurück und spielte solide.Freude verbreitete auch das Zusammenspiel von Silva und Guirassy, dem zwar kein eigenes Tor gelang, aber immerhin zwei Abseitstreffer. Dass beide auch gemeinsam spielen können, beseelte offenbar vor allem Silva, der sonst selten Gelegenheit hat, längere Strecken zu spielen. Auch Ethan Nwaneri, vom FC Arsenal als Ersatz für den verletzten Konstantelias ausgeliehen, machte mit seiner feinen Ballbehandlung und seinen leichtfüßigen Bewegungen auf Anhieb Spaß.Kovac ist die Punkteausbeute eindeutig wichtiger als das SpektakelIn der Schlussphase, als der zunächst aus der Startaufstellung rotierte Felix Nmecha eingewechselt worden war, wirkte das Spiel der Borussia noch etwas ungeordneter – aber wie es im Fußball oft so ist: Ausgerechnet Nmecha machte dann in den letzten zehn Minuten zwei wunderschöne Tore, zuerst nach einem kleinen Solo mit einem satten Schuss ins entfernte Eck. Und dann mit einem lehrbuchhaften Seitfallzieher – solche artistischen Einlagen waren eher rar beim BVB der letzten Jahre.Über die 90 oder faktisch fast 100 Minuten des Spiels wirkte Dortmund ansonsten nicht so viel anders als in der vergangenen Saison unter Trainer Niko Kovac. Den spielerischen Aufbruch, den vor allem Sportchef Lars Ricken propagiert hatte, gibt es auch weiterhin nicht zu sehen. Solange der aus Eindhoven geholte Holländer Joey Veerman im Mittelfeld für Ordnung und Struktur sorgte, wirkte alles etwas stabiler als früher, aber spielerische Ideen gab es gegen Paderborn nicht allzu viele. Eher wieder die Methode: Hauptsache gewonnen. Man kann das Kovac nur bedingt vorhalten. Er fühlt sich offenbar zuständig für eine möglichst große Punktausbeute. Von den bisher sechs Pflichtspielen in vier Wettbewerben hat der BVB nur eines verloren, im Supercup gegen den FC Bayern verloren, alle anderen wurden gewonnen. Das hebt die Stimmung enorm.Kurioserweise wirkte das Spiel der Paderborner mit ihrem Trainer Ralf Kettemann fast ein wenig strukturierter, wenn auch ohne große Durchschlagskraft. Wenn die Dortmunder Freude über die kleine Siegesserie (gegen den HSV, Hoffenheim und nun Paderborn) abgeklungen ist, wird man sehen, ob einer wie Karetsas als Ideengeber schon ausreicht, um die Kritiker aus der vergangenen Saison zu versöhnen. Ob das auf die Dauer einer Mannschaft hilft, der es nicht an individueller Qualität fehlt, sondern an einer kollektiven Offensividee, wird sich gegen größere Gegner noch zeigen müssen.