Um das dramatische Déjà-vu des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach zu verstehen, muss man ein Jahr zurückspulen zum Sonntag, 14. September 2025: Nach einer 0:4-Heimniederlage gegen Werder Bremen ist Gladbach am dritten Spieltag Drittletzter mit einem Punkt und 0:5 Toren. Es ist der drittschlechteste Saisonstart der Klubgeschichte. Obwohl man nach der vorangegangenen, sehr durchwachsenen Saison noch der Ansicht war, Gerardo Seoane sei auch weiterhin der richtige Trainer, trennt sich die Borussia am Montag, 15. September, nach nur drei Spieltagen der neuen Saison von dem Schweizer. Den ganzen Sommer hatte man ihn die Mannschaft vorbereiten lassen auf eine Saison, zu deren Beginn rein gar nichts klappt. Die ganze Vorbereitung für die Katz!Zurück in die Gegenwart, Samstag, 12. September 2026: Nach einer 0:5-Niederlage beim SC Freiburg ist Gladbach am dritten Spieltag mit null Punkten und 3:12 Toren für den Moment Tabellenletzter. Es ist der schlechteste Saisonstart der Klubgeschichte. Obwohl man nach der vorangegangenen (sehr, sehr durchwachsenen) Saison noch der Ansicht war, Eugen Polanski sei auch weiterhin der richtige Trainer, sind die Zweifel nach nur drei Spieltagen der neuen Saison riesengroß. Am Sonntagvormittag meldete die Rheinische Post, Polanski habe seinen Rücktritt erklärt. Den ganzen Sommer hatte man Polanski die Mannschaft vorbereiten lassen auf eine Saison, zu deren Beginn rein gar nichts klappt. Die ganze Vorbereitung für die Katz!Bundesliga:Kleindienst fliegt an Gladbachs KatastrophentagDie Borussia geht 0:5 beim neuen Tabellenführer in Freiburg unter. Felix Nmecha gelingt gegen Paderborn ein Traumtor, Hoffenheim besiegt den VfB Stuttgart. Das Wichtigste zum Spieltag.In Hollywood macht man aus einer dramatischen Geschichte gerne einen zweiten Aufguss. Die Gladbacher hätten sich diese Gruselfilm-Fortsetzung lieber erspart, aber tatsächlich ist ihnen der gleiche Fehler binnen zwölf Monaten ein zweites Mal passiert. Vor einem Jahr hatte der Sportchef Roland Virkus dem Trainer Seoane fälschlicherweise das Vertrauen geschenkt und musste diesen Fehler alsbald korrigieren. Das kostete später auch ihn den Job. Jetzt ist es dem Virkus-Nachfolger Rouven Schröder mit dem Trainer Polanski genauso ergangen. Gladbachs Gruselfilm bekommt also tatsächlich eine fiese Fortsetzung: Das Grauen vom Niederrhein, Teil 2 – schon wieder Horror im Tabellenkeller.Am vierten Spieltag der vergangenen Saison hatte Polanski als vormaliger Coach von Gladbachs viertklassiger Regionalliga-Mannschaft das Traineramt bei den Borussia-Profis vom geschassten Seoane übernommen. Mit 38 Punkten führte Polanski das Team in jener Saison auf Platz zwölf – keine gute Bilanz. Trotzdem entschied sich der Klub, mit Polanski weiterzumachen. Stattdessen trennte man sich von den Co-Trainern Oliver Neuville und Guido Streichsbier und holte mit Jan-Moritz Lichte sowie Markus Gellhaus zwei neue Polanski-Assistenten. Zwei neue Co-Trainer sollten alles besser machen. Doch dieses Kalkül ist nicht aufgegangen. Polanskis saisonübergreifende Bilanz in 34 Bundesligaspielen: neun Siege, zehn Unentschieden, 15 Niederlagen – 37 Punkte.Kapitän Kleindienst wirkt genervt, nörgelt an der Mannschaft herum und handelt sich einen Platzverweis einAuch der Umbau des Kaders funktioniert bislang nicht. Zehn neue Spieler verpflichtete Gladbach im Sommer, doch fünf von ihnen sind derzeit verletzt, vier spielen kaum eine Rolle. Am Samstag in Freiburg standen in dem Rückkehrer Ko Itakura in der Innenverteidigung und dem Zugang vom Zweitligisten Karlsruher SC, David Herold, als Linksverteidiger nur zwei der vielen Neuen in der Startelf. Der Großteil der Mannschaft bestand aus Spielern, die sich schon in der vergangenen Saison schwergetan hatten. Gladbach in seiner gegenwärtigen Konstitution hat sich durch die Hergabe solcher Spieler wie Nico Elvedi, Rocco Reitz, Haris Tabakovic und Yannik Engelhardt sogar verschlechtert. Ausgerechnet Engelhardt erzielte beim 5:0 am Samstag zwei Tore für seinen neuen Verein SC Freiburg – auch eine Pointe dieses Gruselfilms.Die größten Gladbacher Hoffnungen in dieser neuen Saison lagen auf der Rückkehr des ein Jahr lang verletzten Kapitäns Tim Kleindienst. Doch irgendwas stimmt nicht mit der Wiedereingliederung des 31 Jahre alten Mittelstürmers. Nach der 0:3-Niederlage in Leipzig schimpfte Kleindienst, die Mannschaft spiele „Kindergarten-Fußball“. Nach der 3:4-Heimniederlage gegen Elversberg polterte er, die Mitspieler sollten mal weniger Tiktok schauen, um sich besser aufs Fußballspielen fokussieren zu können – und nun, beim 0:5 in Freiburg, provozierte er mit seltsam riskantem Zweikampfverhalten einen gelb-roten Platzverweis schon in der 52. Minute. Im wichtigen, wegweisenden Heimspiel am kommenden Samstag gegen Mainz ist er gesperrt. Der als Kapitän eigentlich zur Harmonisierung und Motivierung angehaltene Kleindienst wirkt genervt, nörgelt an der Mannschaft herum und erweist sich auch fußballerisch als keine große Hilfe. Sein Auftreten kann als klares Indiz dafür genommen werden, dass in dieser Mannschaft etwas nicht stimmt.Oder stimmt gar in der ganzen Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbH etwas nicht? Mit der Borussia geht es sukzessive abwärts, seit sich 2021 der Trainer Marco Rose, 2022 der Sportchef Max Eberl und 2024 der langjährige Geschäftsführer und Finanzchef Stephan Schippers aus eigenen Stücken verabschiedet haben. Ebenfalls 2024 komplimentierte man den langjährigen Vereinsboss Rolf Königs, damals 82 Jahre alt, aus dem Präsidium und damit auch aus dem Vorstand. Rainer Bonhof wurde 2024 Präsident, die ehemalige NRW-Ministerpräsidenten Hannelore Kraft wurde Vizepräsidentin. Neuer Geschäftsführer ist seit 2025 der von einem Vereinssponsor gekommene Stefan Stegemann. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist seit 2022 der Brauereibesitzer Michael Hollman. Alle relevanten Positionen im Klub wurden binnen drei Jahren neu besetzt. Aber sportlich besser geworden ist seither nichts. Ganz im Gegenteil.Die Saisonziele der Borussia lauteten neuerdings ja immer: einstelliger Tabellenplatz. Dieses Ziel hatte einst der Sportchef Eberl eingeführt – und als er sich verabschiedete, hat der Klub es gern übernommen, weil ein einstelliger Tabellenplatz Sicherheit vor dem Abstiegskampf und vorsichtige Ambitionen Richtung Europapokal vereint. Gladbach ist schon lange kein Bundesliga-Topklub mehr, will aber auch kein Abstiegskandidat sein. Da ist der einstellige Tabellenplatz der beste Kompromiss.Allerdings hat Gladbach dieses bescheidene Saisonziel seit fünf Jahren nicht mehr erreicht: Zehnter 2022 unter dem Trainer Adi Hütter, Zehnter 2023 unter Daniel Farke, Vierzehnter 2024 unter Gerardo Seoane, Zehnter 2025 unter Seoane und Zwölfter 2026 unter Polanski. Und jetzt zu Beginn einer Saison, die den nächsten harten Abstiegskampf bedeuten dürfte, der nächste Trainerwechsel. Co-Trainer Lichte soll den Trainerjob zunächst interimsweise übernehmen.
Bundesliga: Trainer Polanski tritt bei Borussia Mönchengladbach ab
Schon nach dem dritten Spieltag muss sich Gladbach von seinem Trainer trennen. Diesmal trifft es Eugen Polanski.










