Als die letzten Sekunden herunterliefen, stand Luisa Geiselsöder weit in der französischen Hälfte, und dribbelte den Ball. Einen Wurf, das war klar, würde sie nicht mehr nehmen. 64:86 stand es im Spiel gegen Frankreich, aussichtslos, was sollte noch passieren?Aber dann passierte doch noch etwas. Das Berliner Publikum begann zu klatschen, erst noch ein bisschen zaghaft, aber dann, als wirklich Schluss war, mit einem rauschenden Applaus. Alle in der mit 12.650 Zuschauern randvollen Uber-Arena erhoben sich. Und so konnte man am Ende sagen, dass die deutschen Basketballspielerinnen zwar das Halbfinale der Weltmeisterschaft verloren, dabei aber im Lauf der vergangenen Woche viele Sympathien gewonnen haben.Ein Qualitätsunterschied – und 25 TurnoversAuch gegen Frankreich zeigten das Team von Bundestrainer Olaf Lange den Geist, der sie so weit gebracht hatte, sie verlangten den Französinnen damit durchaus etwas ab. Aber gegen diesen Gegner genügte das nicht, Frankreich war doch eine Nummer zu groß. Am deutlichsten zeigte sich das an einem Wert, den Lange später in die Mikrophone stöhnte: „25 Turnovers!“Ob diese Fehlerquote am Druck lag, an den schwindenden Kräften? Bestimmt auch, aber abzuleiten war es letztlich von einem Qualitätsunterschied, der sich spätestens nach dem ersten Viertel nicht mehr überspielen ließ. Nyara Sabally war mit zwölf Punkten die beste deutsche Werferin, aber zweistellig war außer ihr diesmal nur Kapitänin Marie Gülich (ebenfalls zwölf).Leonie Fiebich (neun), die gegen Belgien so stark gespielt hatte, hatte einige gute aber auch viele nicht so gute Momente, der Tag von Frieda Bühner, bis dahin die beste Angreiferin, war es gar nicht. So zeigte sich, dass dem deutschen Team in der Breite doch noch etwas fehlt, um mit den absoluten Top-Teams der Welt mitzuhalten.Eine Nummer zu groß: Gabby Williams setzt sich gegen Marie Gülich durch.AFP„Wir waren wir im Spiel drin, aber irgendwie auch nicht“, sagte Marie Gülich, was es ziemlich gut traf. Das Resumee des Bundestrainers fiel dennoch positiv aus: „Unsere Entwicklung geht weiter bergauf, und wenn wir mehr Zeit zusammen haben über die nächsten zwei, drei Jahre, können wir auch irgendwann Frankreich schlagen.“Den Erfolg gegen Belgien im Viertelfinale können er und seine Spielerinnen sich ja auch so eingerahmt als Erinnerung mit nach Hause nehmen, und wer weiß, vielleicht kommt ja noch etwas hinzu: im Spiel um Platz drei an diesem Sonntag gegen den Verlierer des zweiten Halbfinals zwischen USA und Spanien.Das Ergebnis als Motivation und MahnungKapitänin Gülich sprach davon, das Ergebnis vom Samstag als Motivation mitzunehmen – und als Mahnung: „als Tritt in den Allerwertesten, damit wir morgen wieder dastehen und besser auf den Ball aufpassen, das war am Ende das, was uns gekillt hat.“Schon vorher war klar gewesen: Der Sieg gegen Belgien war groß, die Herausforderung Frankreich aber noch eine Nummer größer. Im olympischen Finale von Paris hatte die Equipe mit nur einem Punkt gegen die Supermacht USA verloren. Gleich acht Spielerinnen sind in der nordamerikanischen Profiliga WNBA am Ball, mehr sind es nur im Team USA selbst. Das bedeutete: mehr Kadertiefe, mehr Athletik. Und hinzu kam noch, wie Lange angemerkt hatte, ein „sehr hoher Basketball-IQ“.Der Realitätscheck bestätigte die Theorie. Die Deutschen begannen mit Nyara Sabally, Emma Eichmeyer, Leonie Fiebich, Luisa Geiselsöder und Britta Daub. Aber der Start gehörte Frankreich, mit einem Dreier ihrer Besten, Gabby Williams, zur Begrüßung, und als es flott zu einer 8:2-Führung weiterging, konnte man sich schon das erste Mal Sorgen um das deutsche Team machen, doch Sabally und Fiebich übernahmen erfolgreich Wurf-Verantwortung.Zu viele Fehler: Leonie Fiebich kann nicht an die Leistung aus dem Viertelfinale anknüpfen.AFPDas Spiel der Französinnen sah eleganter, flüssiger, kreativer aus, aber absetzen konnten sie sich erst einmal nicht, weil die Deutschen mit ihren Mitteln dagegenhielten: defensiv, aber auch nach vorn gelangen Langes Team Kombinationen, die im ersten Turnierspiel gegen Spanien noch sehr fern wirkten. Dreimal waren die Deutschen schon bis auf einen Punkt dran, und als Marie Gülich gegen Ende des Viertels dreimal nacheinander traf, hatten sie sogar ihre erste Führung erobert: 23:22.Die allerdings hielt nicht bis ins zweite Viertel hinein. Schon jetzt begann der Aufwand, den die Deutschen betrieben hatten – betreiben mussten -, Spuren zu hinterlassen. Die Aktionen wurden ungenau, nicht nur beim Wurf. Die Französinnen zeigten sich als entschlossene Balldiebinnen und bauten sukzessive ihre Führung bis auf neun Punkte aus (38:29).Zwar schafften es die Deutschen immer noch, manche der französischen Stärken zu unterdrücken, so fand etwa die Distanzspezialistin Marine Johannès kaum ins Spiel, aber es war einfach zu viel Qualität von zu vielen Seiten – und die von Gabby Williams, die am Ende bei 22 Punkten lag, über allen anderen.Zur Pause war der Rückstand mit sieben Punkten (38:45) immer noch nicht aussichtslos, aber man meinte in Gesichtern und Gesten schon zu sehen, dass dieses Spiel an die Grenzen der Deutschen ging. Und der Start in die zweite Hälfte missriet völlig. Nach einem 0:9-Lauf betrug der Rückstand 16 Punkte.Die Kräfte schwinden, die Trefferquote sinktMit den Kräften zeigte auch die Trefferquote nach unten, Coach Lange musste neben Sabally nun auch Fiebich Ruhezeit geben. Das war kämpferisch zu kompensieren, aber nicht spielerisch. So kam, was kommen musste. 50:64 betrug der Rückstand vor dem Schlussviertel.In dem kamen die Deutschen zwar noch einmal bis auf neun Punkte heran, knapp sechs Minuten waren da noch auf der Uhr. Das Publikum nahm diesen Ball dankbar auf – doch auf dem Court ging er weiterhin zu oft verloren.
Basketball-WM: Deutschland verliert Halbfinale gegen Frankreich
Mit einer deutlichen Niederlage muss sich Deutschland bei der Heim-WM starken Französinnen geschlagen geben. Im Spiel um Platz drei am Sonntag sollen die eigenen Fehler wieder abgestellt werden.










