PfadnavigationHomePolitikInsa-UmfrageSelbst viele Unionswähler gegen Merz – 78 Prozent sehen ihn nicht mehr als den richtigen KanzlerStand: 18:54 UhrLesedauer: 5 MinutenBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verliert laut einer Umfrage auch unter Anhängern der Union an ZustimmungQuelle: Krisztian Bocsi/BloombergDie Werte für Friedrich Merz sind schlecht: 78 Prozent halten ihn laut Insa nicht mehr für den richtigen Kanzler. Gleichzeitig lehnen 46 Prozent der Befragten die Brandmauer zur AfD als nicht mehr zeitgemäß ab.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenEine große Mehrheit der Menschen in Deutschland hält Kanzler Friedrich Merz (CDU) einer aktuellen Umfrage zufolge nicht mehr für den richtigen Mann im Amt. Insgesamt 78 Prozent der Teilnehmer einer Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag von „Bild“ verneinten die Frage „Ist Friedrich Merz (noch) der richtige Bundeskanzler?“. Nur 14 Prozent beantworteten sie mit Ja. 8 Prozent machten keine Angabe.Unbeliebt auch bei UnionswählernSelbst bei Wählern von CDU und CSU ist Merz unbeliebt: 58 Prozent der Unionswähler sprachen sich demnach gegen ihn aus, nur 36 Prozent für ihn.Damit geht es für Merz dem Bericht zufolge seit Mitte vergangenen Jahres in der Tendenz bergab. Damals waren noch mehr als 30 Prozent der Befragten mit seiner Arbeit zufrieden.Lesen Sie auchVon den Kreisvorsitzenden in Sachsen kam nach der Wahlniederlage der CDU in Sachsen-Anhalt die Forderung nach einer „schonungslosen Analyse“. Angesichts von bundesweiten Umfragewerten von rund 20 Prozent stelle sich die Frage, „ob die CDU noch eine Volkspartei ist“, sagte der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Florian Oest. Es brauche „einen neuen Aufbruch und mehr Substanz“. Die Kreisvorsitzenden der CDU müssten deshalb „umgehend zusammenkommen und darüber beraten, wie wir handlungsfähig werden, nicht erst Anfang November, wie geplant“.„Die Sorge vor dem Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde ist da“, sagte der stellvertretende CDU-Fraktionschef im Schweriner Landtag, Marc Reinhardt, dem „Tagesspiegel“. „Viele Menschen sind unzufrieden, die Bundesregierung gibt keinen Rückenwind.“ CDU-Wahlkämpfer würden öfter auf Kanzler Friedrich Merz angesprochen.Scharfe Kritik hatte zuvor bereits der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels (CDA), Dennis Radtke, geübt. Er erklärte in einem Brief am Freitag, der von Merz vertretene Kurs einer „CDU pur“ sei gescheitert. Radtke forderte dabei „einen Kurswechsel – bei den Inhalten, bei der politischen Erzählung, bei der Kommunikation.“CDU-Generalsekretärin verteidigt Merz gegen Kritik: „Auf dem richtigen Weg“CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann verteidigte den Kurs des Kanzlers. Sie sehe natürlich, dass die sinkenden Umfragewerte für die Christdemokraten Fragezeichen hinterließen, sagte Hoppermann in einem Interview im Deutschlandfunk. „Aber wir sind auf dem richtigen Weg.“Der Berliner CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers rief die Bundesregierung zu mehr Geschlossenheit und schnelleren Entscheidungen auf. Auseinandersetzungen müssten „hinter verschlossenen Türen“ geführt und „anschließend gemeinsame Erfolge nach außen“ vertreten werden, sagte er der „Rheinischen Post“.In Berlin wird wie in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag kommender Woche gewählt. Umfragen sagen in der bisher unter CDU-Führung regierten Bundeshauptstadt ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Linkspartei voraus. Eine ZDF-Umfrage sieht derzeit die Linke auf Platz eins, knapp vor der CDU. Die Partei mit Spitzenkandidatin Elif Eralp kommt in der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen auf 23 Prozent, die Christdemokraten mit ihrem Frontmann Stefan Evers stehen zwei Prozentpunkte dahinter bei 21 Prozent.Dramatisch sind die Umfragewerte für die Kanzler-Partei in Mecklenburg-Vorpommern. Letzte Erhebungen sahen sie im Norden nur noch bei sieben Prozent.Auch SPD-Co-Parteichef Lars Klingbeil kommt bei den Befragten nicht gut an, wenn auch besser als Merz. Auf die Frage „Ist Lars Klingbeil (noch) der richtige SPD-Parteivorsitzende?“ antworteten 51 Prozent mit Nein und 24 Prozent mit Ja. Allerdings machten hier 25 Prozent keine Angabe.Viele lehnen die Brandmauer zur AfD abIm Umgang mit der AfD zeigten die Befragten wenig Verständnis für die sogenannte Brandmauer, also das Prinzip, wonach viele andere Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ablehnen. Fast jeder Zweite (46 Prozent) hält die Brandmauer nicht mehr für zeitgemäß, rund jeder Dritte (34 Prozent) hält hingegen daran fest. 20 Prozent machten keine Angabe.Nach dem deutlichen Sieg der AfD in Sachsen-Anhalt hält die Diskussion über den Umgang mit der Partei an. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigte seine Ablehnung eines AfD-Verbotsverfahrens und zeigte sich dahingehend „skeptisch“. Seine Priorität sei vielmehr „eine politische Auseinandersetzung“ mit der AfD und der Versuch, „die Wählerinnen und Wähler zurückzugewinnen für die politische Mitte, auch für die CDU“. Ihnen müsse „ein überzeugendes politisches Angebot“ gemacht werden, das „auch ihre Befürchtungen und ihre Vorbehalte ernst nimmt, die sie gegen die gegenwärtige Politik haben“, sagte Merz.+++ Alle Ereignisse und Hintergründe finden Sie in unserem Liveticker. +++Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) schlug unterdessen die Einberufung einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe vor, um über den weiteren Umgang mit der erstarkenden AfD zu beraten. Grünen-Fraktionschefin Dröge rief die Abgeordneten des Bundestags auf, einen Prüfantrag für ein AfD-Verbot auf den Weg zu bringen. Sie warnte, die AfD werde „die Demokratie zerstören, sobald sie die Möglichkeit hat“.Der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) nahm Abstand vom Begriff „Brandmauer“ zur Umschreibung der Strategie der konsequenten Ausgrenzung der AfD. Durch den Begriff fühlten sich „auch Wähler ausgegrenzt, wenn sie aus verschiedenen Gründen zur AfD neigen“, sagte Bilger den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Donnerstag. Entscheidend sei nicht die Formulierung, sondern die „klare Abgrenzung gegenüber Extremen. Das muss natürlich auch weiterhin gelten“. Zugleich müsse die Union versuchen, Wähler zurückzugewinnen.Lesen Sie auchDie AfD in Sachsen-Anhalt hatte am Sonntag die Landtagswahl mit 43,8 Prozent der Stimmen klar gewonnen und damit ihren Anteil gegenüber der Wahl von 2021 mehr als verdoppelt. Sie errang aber nicht die absolute Mehrheit. Die bislang regierende CDU erlitt heftige Stimmeneinbußen und kam nur noch auf 17,2 Prozent. Im Landtag sind zudem SPD, Grüne und Linke sowie erstmals das BSW vertreten. Die Regierungsbildung dürfte schwierig werden.afp/dpa/ceb