Die Partei des britischen Rechtspopulisten Nigel Farage hat eine Spende von umgerechnet mehr als 40 Millionen Euro erhalten; die größte jemals in Großbritannien vergebene Parteispende. Das Geld stammt von dem britischen Krypto-Finanzier Ben Delo, der angab, er habe eigentlich eine Million Pfund monatlich für die nächsten drei Jahre an Reform UK spenden wollen. Dann aber habe er sich zur Überweisung der gesamten Summe entschlossen, da er befürchte, dass die gesetzlichen Regelungen für Parteispenden von der regierenden Labour-Partei demnächst verschärft werden könnten.Bislang existieren im Vereinigten Königreich keine Obergrenzen für die Spenden inländischer natürlicher Personen. Hingegen sind Spenden von Ausländern an politische Parteien untersagt. Die Londoner Polizei ermittelt seit einigen Tagen, ob Farages Partei gegen diese Regelung verstoßen hat, nachdem Berichte bekannt wurden, dass zwei Mitarbeiter der Parteiführung willens waren, Spenden eines vermeintlichen amerikanischen Geschäftsmanns anzunehmen und damit unter anderem Meinungsumfragen im Auftrag der Partei zu finanzieren. Aktivisten einer Klimaschutzgruppe hatten sich als Spender ausgegeben und den Sachverhalt an die Medien weitergegeben.Gegen den Reform-UK-Parteivorsitzenden Farage ermitteln Polizei und die Aufsichtsbehörde des britischen Parlaments in einer weiteren Spenden-Angelegenheit. Er hatte vor seiner Kandidatur für das Unterhaus im Jahr 2024 eine Spende von umgerechnet rund 10 Millionen Euro von einem anderen Krypto-Geschäftsmann erhalten, diese Zuwendung aber nicht im Register seiner wirtschaftlichen Interessen aufgeführt. Farages Begründung lautet, es habe sich um ein rein persönliches Geschenk und nicht um eine Parteispende gehandelt. Er ließ sich in seinem Wahlkreis Clacton-on-Sea abermals zum Abgeordneten wählen, um zu demonstrieren, dass die Einwohner ihn dort in seinem Mandat trotz der umstrittenen Spende unterstützen. Die Ermittlungen in dieser Sache werden jedoch weitergeführt.Spender wollte „faire Auseinandersetzung“ ermöglichenNeben den Millionenspenden für Reform UK verzeichnete nur die Konservative Partei vor einigen Jahren eine Einzelspende in Höhe von 10 Millionen Pfund aus einer Erbschaft. Der Unternehmer Lord David Sainsbury spendete den Liberaldemokraten vor sechs Jahren die einzelne Summe von acht Millionen Pfund.Der Reform UK Spender Delo schrieb in einem am Freitag erschienenen Beitrag für die Zeitung Daily Telegraph, er habe mit seiner Spende von 36 Millionen Pfund „eine faire Auseinandersetzung“ zwischen den britischen Parteien ermöglichen wollen. Durch ihn hat Reform UK im laufenden Jahr bisher nun fünffach höhere Einnahmen als die Konservativen und sechsfach höhere Einnahmen als die regierende Labour-Partei erzielt. Labour kann allerdings in Wahlkampf-Jahren stets auf Millionenspenden der britischen Gewerkschaften vertrauen.Delo gab weiter an, er wolle mit seiner Spende das Zwei-Parteien-System in Großbritannien aufbrechen. Er warf der Labour-Partei vor, die Absicht, die Spendenhöhe für im Ausland lebende Briten auf 100.000 Pfund jährlich zu begrenzen, sei „äußerst antidemokratisch“. Der Krypto-Finanzier, der aus Sheffield stammt, hat gegenwärtig seinen Hauptwohnsitz in Hongkong, plant nach früheren Aussagen jedoch eine Rückkehr nach Großbritannien. Im vergangenen Jahr wurde er nach Verstößen seines Unternehmens gegen finanzielle Transparenzvorschriften in den Vereinigten Staaten von Präsident Donald Trump begnadigt.Die oppositionellen Liberaldemokraten warfen Farage am Wochenende vor, er versuche seinen Weg in den Regierungssitz Downing Street 10 „wie auf einem Monopoly-Spielbrett“ zu ebnen. Auch die Liberaldemokraten verlangten, eine Obergrenze für Parteispenden müsse gesetzlich verankert werden.