Angriff auf die Lebensader: Nach einer Drohnenattacke ist Saudiarabiens wichtigste Pipeline ausser BetriebIn der Nacht aus Samstag haben mehrere aus dem Irak kommende Drohen die saudische Ost-West-Pipeline angegriffen. Es ist eine weitere Eskalation im Wirtschaftskrieg am Golf.12.09.2026, 13.15 Uhr3 LeseminutenÖlanlage in der saudischen Wüste. Die wichtigste Pipeline des Königreichs ist seit Freitag ausser Betrieb.Hamad I Mohammed / REUTERSSie ist über 1000 Kilometer lang und führt vom Ölfeld Abqaiq am Persischen Golf bis an den Hafen von Yanbu am Roten Meer. Zuletzt war die sogenannte Ost-West-Pipeline die Lebensversicherung Saudiarabiens. Denn seit der Sperrung der Strasse von Hormuz durch die Iraner fliessen fast alle Ölexporte des Königreichs durch das Röhrensystem.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Jetzt ist die in den Achtzigerjahren errichtete Pipeline, die täglich bis zu 7 Millionen Barrel Öl transportieren kann, vorerst ausser Betrieb. Der Grund: Aus dem benachbarten Irak kommende Drohnen zerstörten Teile der so wichtigen Anlage. In der Nacht auf Samstag mussten die saudischen Behörden das Leitungssystem deshalb abschalten.Satellitenbilder der Nasa zeigen Flammen und Rauchwolken. Bei den Angriffen wurden offenbar mehrere für den Betrieb der Pipeline benötigte Pumpstationen beschädigt. Wie lange das System ausser Betrieb bleiben wird, ist unklar. Bei einem vorangegangenen Angriff gelang es den Saudi, die Pipeline innert weniger Tage zu reparieren.Drohnen aus dem IrakNoch ist nicht klar, wer genau für die Attacke verantwortlich ist. Angeblich sollen die dazu verwendeten Drohnen im Irak gestartet worden sein – genauer gesagt aus dem Grenzgebiet zu Iran. Die irakische Regierung, für die der Vorfall äusserst peinlich ist, kündigte eine Untersuchung an und schloss mehrere Grenzstationen zum Nachbarland.Vieles deutet auf einen von Iran gesteuerten Angriff hin. Er wäre dann Teil einer neuen iranischen Offensive im Krieg gegen Amerika. Seit die USA und Israel im März einen Überraschungsangriff gegen Teheran unternommen haben, herrscht am Golf ein verbissener, wirtschaftlicher Stellungskrieg: Washington blockiert iranische Häfen, die Iraner wiederum sperren die Meerenge von Hormuz.Zuletzt war der Konflikt weiter eskaliert, als beide Kriegsparteien dazu übergingen, Tanker zu beschiessen. Die Iraner erzielten zudem einen weiteren Erfolg, als die mit ihnen verbündete Huthi-Miliz in Jemen letzte Woche die Meerenge von Bab al-Mandab unter ihre Kontrolle brachte. Neben dem Persischen Golf kann Teheran nun auch noch den Südausgang des Roten Meeres sperren.Die Saudi sind auf die Pipeline angewiesenVor allem für Saudiarabien ist das eine Katastrophe. Die Saudi sind seit der Blockade von Hormuz auf das Rote Meer angewiesen, um von dort aus ihr Erdöl zu exportieren. Nun ist nicht nur die Schifffahrt dort in Gefahr. Auch die Pipeline, die das Öl zwecks Verladung zum Hafen von Yanbu im Westen des Landes bringen soll, ist ausser Betrieb.Als Reaktion auf den Angriff schoss gestern Nacht kurzzeitig der Ölpreis in die Höhe. Gleichzeitig kündigte Riad an, man werde sich das Recht herausnehmen, auf die Attacke zu antworten. Mit Gegenschlägen hielten sich die Saudi, die in den vergangenen Monaten schon einmal Vergeltungsangriffe auf den Irak geflogen hatten, bisher aber zurück.Denn nach wie vor ist unklar, wer genau für den Angriff verantwortlich ist. Waren es iranische Einheiten, die heimlich über die Grenze in den Irak kamen und die Drohnen von dort starteten? Oder steckt hinter der Attacke eine der unzähligen pro-iranischen Milizen, die seit Jahren im Zweistromland ihr Unwesen treiben?Irak ist äusseren Einflüssen ausgesetztDiese mehr oder weniger von Teheran abhängigen Kampfverbände stammen ursprünglich aus der Zeit des Kampfes gegen den Islamischen Staat (IS). Inzwischen haben sich die zumeist schiitischen Krieger aber im irakischen Staat und Sicherheitsapparat eingenistet, betreiben Baufirmen und beziehen teilweise Lohn von der Regierung.Eigentlich hatte Iraks neuer Ministerpräsident Ali al-Zaidi angekündigt, die Kampfverbände bis Ende September zu entwaffnen. Ob ihm dies gelingen wird, ist allerdings fraglich. Trotzdem kündigte der Bagdader Regierungschef nach dem Angriff auf das Nachbarland Konsequenzen an und entliess vorsorglich einen seiner Generäle.Viel ausrichten kann Zaidi, dessen multikonfessionelles Land ebenfalls schwer von der Hormuz-Blockade betroffen ist, nicht. Irak ist seit Jahren äusseren Einflüssen ausgesetzt. Kaum ein Regierungschef kommt ohne die Einwilligung Irans und der Amerikaner ins Amt. Zuvor hatten amerikanische Truppen dort 2003 den Langzeit-Diktator Saddam Hussein gestürzt.Passend zum Artikel