Auf dem Dach thront eine salomonische Säule, sie ist schon von Weitem zu sehen. Sechs Meter in die Höhe schraubt sich das Gebilde aus roten Backsteinen, das die Künstlerin Karin Sander geschaffen hat – eigens für das Städtische Berufliche Schulzentrum Thomas Wimmer nahe dem Hauptbahnhof, das in den vergangenen sechs Jahren für 190 Millionen Euro generalsaniert und erweitert worden ist. Die Säule ist im Zuge des „Kunst am Bau“-Programms der Stadt München entstanden, und doch dient die Backstein-Spirale nicht nur der optischen Zierde, sondern das Kunstwerk ist zugleich ein Lehrkamin – für die jungen Menschen, die hier die Fachausbildung zum Kaminkehrer durchlaufen.Für sie und weitere 2500 Auszubildende und Weiterbildende aus den Bereichen Bautechnik, Bau- und Kunsthandwerk, Spenglerhandwerk und Versorgungstechnik geht am kommenden Montag in dem frisch sanierten Gebäude das neue Schuljahr los. Diesen Startschuss hat das städtische Bildungsreferat zum Anlass genommen, seinen obligatorischen Rundgang kurz vor Wiederbeginn des Unterrichts diesmal in einem beruflichen Schulzentrum abzuhalten – auch als Zeichen dafür, dass Handwerks- und Ausbildungsberufe in die Mitte der Gesellschaft gehören.Genau dies sei vor 15 Jahren die Grundlage für die Entscheidung des Stadtrats gewesen, das Berufliche Schulzentrum an der Luisenstraße am Standort zu behalten und das Gebäude aus den 1950er-Jahren zu sanieren, sagt Stadtschulrat Florian Kraus. „Im Zuge der Generalinstandsetzung konnte das denkmalgeschützte Ensemble mit modernsten Werkstätten, Maschinen und Anlagentechnik ausgestattet werden.“ Dies sei nicht nur „ein starkes Bekenntnis zum Stellenwert der beruflichen Bildung und eine Investition in den Wirtschaftsstandort München“, sagt Kraus. Auch sei das 2013 nach dem früheren SPD-Oberbürgermeister Thomas Wimmer benannte Bildungszentrum nunmehr ein Aushängeschild für die 90 beruflichen Schulen in München, von denen sieben hier beheimatet sind.Unter anderem werden in dem Gebäude Fliesenleger, Anlagenmechaniker, Umwelttechnikerinnen, Spengler, Holzbildhauerinnen sowie Gold- und Silberschmiedinnen aus- und weitergebildet. Sie finden in dem sanierten Gebäude tageslichtdurchflutete Werkstätten, großzügige Hallen etwa für Maurer und Zimmerinnen, Labore sowie Fachräume vor.Die Maurerhalle im Berufsschulzentrum Thomas Wimmer.Foto: Catherina Hess„Ich sage immer, dass es an Schulen drei Pädagoginnen gibt“, sagt Robert Dick, der als Schulleiter mehreren Berufsschulen im Haus vorsteht. „Erstens die Lehrer. Zweitens die Schülerinnen. Und drittens das Gebäude – und das ist hier wirklich attraktiv.“ Beispielhaft dafür ist die fast 500 Quadratmeter große Shedhalle im Erdgeschoss, wo das Tageslicht nicht nur durch raumhohe Fensterfronten, sondern auch durch ein gläsernes Dach auf gut zwei Dutzend Werkbänke scheint. Hier haben die Schülerinnen und Schüler künftig einen Blick ins Freie; gleichzeitig kann auch von außen hereingeschaut werden.Die Shedhalle im sanierten Berufsschulzentrum Thomas Wimmer.Foto: Catherina Hess„Wir wollten das Haus zum Viertel hin öffnen“, sagt Iris Lemke, Baudirektorin im Baureferat. Gelungen ist dies hauptsächlich mittels großer Glasfronten, durch die man gewissermaßen von der Straße aus den Schülerinnen und Schülern beim Arbeiten über die Schulter blicken kann. Für ihre Werkstücke wurden überdies neue Ausstellungsflächen in Schaufenstern in der Fassade geschaffen – auch das soll dem Handwerk zu mehr Sichtbarkeit verhelfen.Bei aller Erneuerung sei man jedoch bemüht gewesen, „die Optik des 1950er-Jahre-Baus zu erhalten“, betont Iris Lemke. Die Pläne für die Generalsanierung der zwei großen denkmalgeschützten Baukörper stammten vom Büro V-Architekten aus Köln und sahen neben einer energetischen, statischen und technischen Ertüchtigung auch ein neues Gebäude vor – den sogenannten Pavillon. Dieser Erweiterungsbau zur Luisenstraße mit seinen breiten Glasfronten wird künftig als Aula, für Veranstaltungen und als Ausstellungsfläche genutzt.So sieht das Städtische Berufliche Schulzentrum Thomas Wimmer von außen aus.Foto: Catherina HessIm Pavillon ist reichlich Platz für Veranstaltungen.Foto: Catherina HessEin weiterer Schwerpunkt der Renovierung lag auf der Verbesserung der Barrierefreiheit – unter anderem mit einer neuen Rampe zum Haupteingang, einem Leitsystem und fünf Aufzügen in den sanierten Gebäudeteilen.Die Renovierung und Erweiterung des Beruflichen Schulzentrums Thomas Wimmer ist Teil der 2016 gestarteten „Bildungsbauoffensive München“ – nach städtischen Angaben mit 8,7 Milliarden Euro für mehr als 200 Projekte das deutschlandweit größte Programm seiner Art. Im Falle der Arbeiten an der Luisenstraße habe man stets auch die Belange des Denkmalschutzes berücksichtigen müssen, was „kein leichtes Unterfangen“ gewesen sei, sagt Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer, die das Gebäude ein „fantastisches Architekturjuwel“ nennt. Dort wird nun also von Montag an wieder schulisches Leben einziehen, was bald auch an höchster Stelle weithin zu sehen ist – dank des Lehrkamins in der salomonischen Säule.
München: In diesem 190-Millionen-Euro-Gebäude lernen Handwerker ihre Kunst
Nach sechs Jahren ist das Städtische Berufliche Schulzentrum Thomas Wimmer generalsaniert. Die Verantwortlichen zeigen sich begeistert: Es sei ein „Aushängeschild“ und „fantastisches Architekturjuwel“.






