PfadnavigationHomeWissenschaftJagen bei TrockenheitWieso dieser Jäger nicht auf trinkende Tiere schießen willStand: 07:57 UhrLesedauer: 3 MinutenSeit 40 Jahren ist Dieter Göbel JägerQuelle: Selina Gross (Groß)/epdTrockenheit und Hitze machen dem Wild im Wald zu schaffen. Deshalb fährt Dieter Göbel auch jetzt im Spätsommer noch jede Woche raus, um das Überleben der Tiere zu sichern.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenWenn Dieter Göbel in seinem dunkelgrünen Lada samt Anhänger über einen der unebenen Feldwege fährt, wirbeln die Reifen des Geländewagens Staubwolken auf. Die Hitze des Sommers hat Spuren hinterlassen. Seit 40 Jahren ist Göbel Jäger. Er ist immer häufiger mit einem Fass Wasser auf seinem Anhänger unterwegs.Auch an diesem Spätsommertag steuert der Mann mit Brille und kurzen grauen Haaren eines der kleinen Waldstücke an, die in seinem Pachtgebiet im südhessischen Reinheim im Odenwald liegen. Schießen wird er heute nicht. Wie in den zurückliegenden Wochen auch fährt Göbel raus in den Wald, um den Wildtieren die Tränken zu füllen. „Sie brauchen alle Wasser“, sagt Göbel. Mit „alle“ meint er vor allem Rehe, Hasen, Fasane, Füchse, Dachse und Waschbären.Jedes einzelne Tier hält der Jäger mit seiner Wildkamera fest. Das kleine Gerät ist in etwa einem Meter Höhe an einem Baum gegenüber der Tränke platziert und dokumentiert den regen Betrieb an einer von Göbels Wasserstellen. Um diese zu füllen, transportiert der Jäger pro Fahrt bis zu 400 Liter Wasser in einem eigens dafür gebauten Anhänger. Die Menge ist notwendig, denn jede Tränke fasst um die 30 Liter, erzählt er. Die Konstruktionen aus Edelstahl und Plastik seien extra so konzipiert, dass auch kleinere Wildtiere, sogenanntes Niederwild, Wasser ohne Gefahr aufnehmen können.Lesen Sie auchJäger sein bedeutet nicht nur, Tiere zu töten. Göbels Einsatz für Rehe, Hirsche und Fasane in seinem Revier ist Teil der sogenannten Hege. Die Hege bezeichnet im Jagdrecht die verantwortungsvolle Pflege und den Schutz von Wildtieren sowie deren natürlichen Lebensräumen. Sie ist verpflichtend und hat das Ziel, eine nachhaltige Jagd zu ermöglichen.Lesen Sie auchFür Göbel gehört zu dieser Fürsorge auch, dass an Futter- und Trinkstellen nicht auf Tiere geschossen werde. Seit 21 Jahren fährt er schon Wasser für die Tiere in seinem Revier raus. Der Anstieg der Temperaturen in den Sommermonaten der vergangenen Jahre ist für ihn deutlich spürbar.Lesen Sie auch„Früher habe ich alle zwei Wochen Wasser aufgefüllt. In den letzten Sommern musste ich jede Woche raus, und bei Hitze bin ich dann alle zwei Tage unterwegs“, sagt Göbel.Göbels Beobachtungen decken sich mit den Erhebungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Der diesjährige Sommer erreichte in Sachsen-Anhalt eine Höchsttemperatur von 41,8 Grad Celsius und sei deutschlandweit der zweitwärmste Sommer seit Aufzeichnungsbeginn gewesen, wie der DWD mitteilte. Lediglich der Sommer 2003 war demnach noch heißer. Für Rehe kann die Hitze tödlich seinIn Hessen etwa gab es in den zurückliegenden Wochen über das Bundesland verteilt 28 heiße Tage mit mindestens 30 Grad und acht sehr heiße Tage mit mindestens 35 Grad. Der höchste registrierte Wert lag am 27. Juni bei 41,3 Grad Celsius.Diese außergewöhnlich hohen Temperaturen seien auch für Wildtiere eine wachsende Gefahr, sagt Göbel. Besonders für Rehe könnten Hitzeperioden wie die Ende Juni tödlich enden. Die Tiere nähmen im Normalfall kaum Wasser durch Trinken auf, sondern deckten ihren Flüssigkeitsbedarf etwa über Morgentau auf Gräsern oder durch saftige Knospen. „Finden Rehe nicht ausreichend Futter dieser Art, drohen Probleme mit dem Stoffwechsel, der Thermoregulation und der Verdauung“, heißt es beim Landesjagdverband Hessen. Um das Wild bei dieser extremen Hitze zu schonen, habe der Verband die hessischen Jäger zu besonders intensiver Hege aufgefordert.Göbel wünscht sich das auch langfristig: „Jetzt müssen wir Menschen etwas für unsere Natur tun. Zurückgeben, was wir vorher genommen haben.“ Ihm sei wichtig, dass jeder mitanpackt. „Auch als Privatmann kann ich in meinem Garten Wasserstellen aufstellen. Da gehen die Vögel dran, da gehen die Insekten dran“, sagt Göbel. „Wenn man am Waldrand oder am Feldrand wohnt, haben sogar Rehe oder Hasen etwas davon.“epd/dia
Trockenheit und Hitze: Auf trinkende Tiere wird nicht geschossen – „Sie brauchen alle Wasser“ - WELT
Trockenheit und Hitze machen dem Wild im Wald zu schaffen. Deshalb fährt Dieter Göbel auch jetzt im Spätsommer noch jede Woche raus, um das Überleben der Tiere zu sichern.






