Anfang Mai, als die meisten Sechziger noch keinen Schimmer hatten, dass ihr Verein schon bald von Abstieg und Insolvenz ereilt wird, hatte Lance Fiedler mit den Profis mittrainiert. Trainer Markus Kauczinski war beim damaligen Drittligisten unter anderem mit dem Auftrag betraut worden, viele hauseigene Talente zu integrieren. Unter der Woche nun durfte sich der 19-Jährige zusammen mit zwei weiteren Junioren über eine Vertragsverlängerung freuen, und am Freitagabend könnten sich die ersten Fans entschlossen haben, ihr Trikot mit seinem Namen zu beflocken: Fiedler erzielte die ersten beiden Treffer beim 3:0 (2:0)-Sieg über Schwaben Augsburg.„Na endlich“, so fasste der zweite Torschütze, Tunay Deniz, den erlösenden Sieg zusammen, es war der erste Regionalliga-Dreier im eigenen Stadion. Mit der Beflockung werden einige allerdings noch warten müssen: Für vergangenen Mittwoch hatte der Verein den Verkauf von 8000 Heimtrikots angekündigt, in der virtuellen Schlange gab es aber ein derartiges Gedrängel, dass sie nach einer Stunde ausverkauft waren. Denn Langsamen bleibt erst einmal der Kauf einer Trainingsjacke.Der Sieg war ein Befreiungsschlag, hauptsächlich für den Trainer. Alper Kayabunar dürfte allmählich schon an einen Fluch geglaubt haben. Auch mit Türkgücü München hatte der 40-jährige Münchner in jüngerer Zeit oft an der Seitenlinie im Grünwalder Stadion gestanden, doch sein letzter Heimsieg auf Giesings Höhen liegt schon ewig zurück, im Mai 2024 war das – einmal hatte er auch 1:3 gegen Schwaben Augsburg verloren. Er freute sich besonders darüber, endlich auch einmal kein Gegentor kassiert zu haben, und in diesem Zusammenhang auch über die Leistung des Doppeltorschützen: „Wir wissen, dass er einen guten Schuss hat. Das zweite Tor macht er überragend. Und wie er am Ende auch alles wegfightet, und wie er sich darüber freut – das gefällt mir“, lobte Kayabunar.Routinier Tunay Deniz trifft zum 3:0 und kommt nach seinem Kreuzbandriss immer besser in SchwungDie Gäste taten zunächst das, was alle tun, die zu Sechzig reisen: Sie standen sehr defensiv, allerdings ohne sich sonderlich beeindruckt von der Kulisse zu zeigen, nach zwei Minuten hätten sie beinahe einen Ausrutscher von Sechzigs Lasse Faßmann zur Führung genutzt. Und die Schwaben erspielten sich auch über die gesamte Spielzeit hinweg immer wieder Möglichkeiten. Sechzig wiederum tat das, was sie eigentlich auch schon oft getan haben in der jungen Saison: Sie gingen mal wieder in Führung. Lance Fiedler traf schon nach zehn Minuten, dank eines energischen Ballgewinns des knapp zwei Jahre älteren Raphael Ott. Der Linksverteidiger traf mit einem präzisen Schuss in ferne Eck (10.). Seinen zweiten Treffer legte ihm dann aber ein Routinier auf: Tunay Deniz schickte den Youngster in den freien Raum, niemand griff ihn an, diesmal vollendete er ins Kreuzeck (35.). „Nicht in Worte zu fassen, das Gefühl“, freute sich Fiedler, der neben dem Platz noch eher schüchtern daherkommt.Gleich nach dem Seitenwechsel wurde aber Deniz gefeiert, auch einer, der dem Verein erhalten blieb und nach seinem Kreuzbandriss langsam wieder fit wird. Beim unglücklichen 2:2-Remis in Vilzing hatte der Kreativspieler mit einem 60-Meter-Schuss ins Tor bereits gezeigt, dass er der Mann für besondere Momente ist. Gegen die Schwaben nun nutzte er die Unerfahrenheit des 20-jährigen Keepers Elias Rogg, der wegen einer Verletzung des Schwaben-Stammkeepers zur Pause eingewechselt worden war, und düpierte ihn mit einer Flanke, die Rogg nur ins eigene Netz fausten konnte (48.). Deniz wurde nach 72 Minuten mit viel Applaus bedacht, als er Feierabend machte. Dank des deutlichen Sieges sprangen die Löwen am Freitagabend vorübergehend schon einmal auf Rang fünf.Übrigens konnte sich am Freitagabend nicht nur Kayabunar, sondern auch sein Vorgänger freuen. Auch Markus Kauczinski ist mittlerweile in der Regionalliga gelandet, jener im Südwesten: Vor einer Woche hatte der Ex-Löwe den SV Sandhausen übernommen, weil dieser schlecht in die Saison gestartet war. Am Freitag gewann er 2:1 beim SC Freiburg II. Für Sechzig steht schon am Dienstag das nächste Spiel an, auswärts bei Greuther Fürth II.