11.09.2026, 17.48 Uhr

1. Das Geschäft mit der Wiesn vor Gericht

Großes Festzelt auf dem Münchner Oktoberfest

In einem unterirdischen Gerichtssaal der Justizvollzugsanstalt Stadelheim, häufig etwa für Terrorprozesse genutzt, ging es am Freitag um die Münchner Wiesn. Genauer gesagt um das Vergabeverfahren der Stadt für die Zelte auf dem Oktoberfest. Seit Jahrzehnten kommen nach speziellen Regeln fast immer dieselben Bewerberfamilien zum Zug – und scheffeln mit dem lukrativen Event Geld.

Beschwerden von außen sind stets an den Verantwortlichen abgeperlt. Doch nun klagt einer aus dem System: Alexander Egger betrieb zuletzt die Wiesn-Hühnerbraterei Münchner Stubn, ein kleines Zelt. Statt die Zusage für 2026 anzunehmen, zog er vor Gericht. Er fordert eine europaweite Ausschreibung für zwei große Zelte.Die Stadt weist die Forderung zurück, berichten meine Kollegen. Durch den Rechtsstreit könnten »die Schleusen geöffnet werden für Guinness, Kölsch und Co.«, warnt auch die Vereinigung der Wiesn-Wirte. Offenbar ist das ein echtes Horrorszenario.»Die Festwirte werden von den Gästen bejubelt und sehen sich als Garanten für das Gelingen des Oktoberfests«, beschreibt meine Kollegin Maria Marquart. »Deren Mantra: Nur wer das Geschäft seit Jahren kennt, kann ein Zelt durch die 16 Tage Ausnahmezustand führen.« Umso größer sei nun der Ärger darüber, dass ein ehemaliger Kollege es gewagt hat, diese eingespielte Maschinerie juristisch infrage zu stellen.