Anfang Juni 2010 flog Emirates Chef Scheich Ahmad bin Said Al-Machtoum wieder einmal nach Berlin, um ein Zeichen zu setzen. Bei der Luftfahrtmesse ILA setzte er sich auf ein Podium und unterzeichnete eine Bestellung für 32 Airbus A380, ein Deal im Wert von mehr als zehn Milliarden Euro. Und wer so viel Geld beim deutsch-französischen Flugzeugbauer ausgibt, der wird doch wohl auch Flüge nach Berlin aufnehmen dürfen?Es war schon damals das luftverkehrspolitische Lieblingsprojekt der Fluggesellschaft aus Dubai, endlich auch die deutsche Hauptstadt anfliegen zu dürfen. Und sie durfte sich der Unterstützung des Berliner Senates sicher sein, der seit jeher findet, dass die Metropole unzureichend mit Langstrecken versorgt ist, vor allem natürlich von der Lufthansa. Trotzdem hat es noch 16 weitere Jahre gedauert, bis die Fluglinie endlich ihren Erfolg verbuchen konnte. Beim Staatsbesuch des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate Scheich Mohammed Bin Said Al-Nahyan in Berlin gab die Bundesregierung in der Sache grünes Licht.Emirates darf demnach einen fünften Punkt in Deutschland anfliegen, und zwar einmal täglich. Das bisherige Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Emiraten sah nur vier Ziele vor, zu denen Emirates allerdings unbegrenzt oft fliegen durfte. Die Airline bedient seit vielen Jahren Frankfurt (dreimal täglich), München, Düsseldorf und Hamburg (jeweils zweimal täglich) und wollte keinen der Airports für Berlin-Dienste aufgeben. Die andere nationale Airline der Emirate, Etihad aus Abu Dhabi, fliegt nach Düsseldorf, München und Frankfurt. Die neue Einigung sieht nun vor, dass Emirates zwar eine zehnte tägliche Frequenz nach Deutschland fliegen darf, nämlich die Verbindung nach Berlin, dafür aber nicht die Frequenzen zu den anderen deutschen Zielen auf dem aktuellen Niveau eingefroren werden.Die Entscheidung der Bundesregierung, dem Werben der Emirate endlich irgendwie gesichtswahrend nachzugeben, ist eine schmerzhafte Niederlage für die Lufthansa, die die Idee seit den Ursprüngen mit allen Mitteln des Lobbyismus bekämpft hat. Als die Fluggesellschaften vom Persischen Golf wegen des Krieges im nahen Osten im Frühjahr zeitweise ihr Flugnetz eindampfen mussten, nutzte Konzernchef Carsten Spohr die (politische) Gelegenheit: Er wies darauf hin, dass ein wichtiger Wirtschaftsstandort wie Deutschland sich nicht so sehr auf Fluglinien in solch einer fragilen Region verlassen könne und wie wichtig es sei, die eigenen Airlines zu stärken.Entsprechend sauer reagierte die Airline in einem ersten Statement auf den Deal mit Emirates. „Die Bundesregierung hat sich offiziell die Stärkung des Luftverkehrsstandortes Deutschland auf die Fahnen geschrieben. Ihre praktische Politik steht für das Gegenteil,“ so eine Sprecherin. Die Vereinbarung mit den Emiraten verstärke die Wettbewerbsverzerrung und verlagere Wertschöpfung und Arbeitsplätze an den Golf. „Die Bundesregierung schießt zu viele Eigentore“, heißt es weiter.Ganz kampflos überlässt die Lufthansa Emirates die Strecke nichtDer Bundesverband der deutschen Fluggesellschaften (BDF) zeigte sich „entsetzt darüber, wie wenig die Interessen der deutschen Fluggesellschaften und der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unserer Unternehmen bei dieser Entscheidung berücksichtigt wurden.“ Sie stehe „im krassen Widerspruch zu allen Versprechungen der deutschen Politik, die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Luftverkehrsgesellschaften zu stärken.“Emirates äußerte sich zunächst nicht. Verkehrsminister Steffen Bilger findet, mit den neuen Flügen „stärken wir den Luftverkehrsstandort Deutschland.“Lufthansa konzentriert ihre eigenen Langstrecken auf die Drehkreuze in Frankfurt und München, alle anderen großen deutschen Flughäfen bindet sie nur mit Anschlussflügen an. Für Emirates hingegen ist Berlin ein weiteres Ziel in ihrem weltweiten Streckennetz, bei dem fast ausnahmslos alle Flüge in Dubai starten oder landen und die Passagiere dort umsteigen.Emirates hat trotz des weiterhin nicht beendeten Iran-Krieges ihr Streckennetz weitestgehend wiederherstellt und fliegt auch die deutschen Ziele wie gewohnt an, mutmaßlich allerdings immer noch mit geringerer Auslastung und zu relativ günstigen Preisen. Einen Flug nach Bangkok und zurück in einer Woche gibt es bei ihr für 743 Euro, bei Lufthansa kostet er an den gleichen Tagen rund 1100 Euro (mit Umstiegen in München und Wien).Die Strecke Berlin-Dubai überlässt Lufthansa Emirates aber doch nicht ganz kampflos. Nachdem sie die Verbindung kriegsbedingt seit Frühjahr unterbrochen hatte, fliegt Konzerntochter Eurowings ab 1. November wieder täglich mit einem kleinen Airbus A320neo. Und Eurowings nimmt auch wieder die Flüge von Stuttgart nach Dubai, allerdings nur viermal wöchentlich. Ganz unbequem dürfte es künftig im Markt Berlin-Dubai für Condor werden, die die Strecke ab Ende Oktober wieder anbietet. Zu Kampfpreisen ab rund 400 Euro.
Bundesregierung erlaubt Emirates Flüge nach Berlin
Lufthansa kritisiert neue Verkehrsrechte für den Konkurrenten Emirates scharf. Die Airline aus Dubai darf erstmals täglich nach Berlin fliegen.












