Harter Machtkampf um Landerechte: Emirates darf Berlin künftig anfliegenDie Golf-Airline hat neue Landerechte bekommen, um die sie sich lange bemüht hatte. Das Nachsehen haben die Bundesländer Bayern und Hessen mit ihren Drehkreuzen. Auch die Lufthansa ist verärgert.11.09.2026, 11.26 Uhr4 LeseminutenEin Airbus A380-800 der Fluggesellschaft Emirates vor dem Abflug vom Flughafen in München.Ardan Fuessmann / ImagoSeit mehr als zwanzig Jahren will die Airline Emirates auch die deutsche Hauptstadt ansteuern. Doch das war bisher nicht möglich. Auf der einen Seite standen die Bundesländer Bayern und Hessen, die ihre internationalen Drehkreuze schützen wollten. Auch die deutsche Regierung sprach sich gegen mehr Landerechte für die Golf-Airline aus. Berlin und ostdeutsche Bundesländer pochten dagegen auf eine bessere internationale Anbindung des Berliner Flughafens.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Beim Besuch des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan, am Mittwoch und Donnerstag in Berlin wurde jetzt dieser Machtkampf entschieden. Die Airline des Emirats Dubai darf Berlin als fünften Flughafen in Deutschland anfliegen. In München, Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg ist sie schon vertreten. Die Einigung ist Teil einer umfangreichen Wirtschaftsvereinbarung, in der die VAE Investitionen in Deutschland in Höhe von 40 Milliarden Euro zusagten.Allerdings ist die Einigung ein Kompromiss. Die zusätzlichen Verbindungen sind auf maximal sieben Flüge pro Woche begrenzt. Als Vergleich: Die ebenfalls in der Golfregion beheimatete Fluggesellschaft Qatar Airways bietet regulär 21 Abflüge pro Woche von Berlin nach Doha an. Ausserdem darf Emirates von Berlin aus nicht in andere Länder – etwa die USA – weiterfliegen.Der Unmut über die Landegenehmigungen von Emirates dürfte in den Staatskanzleien in Bayern und Hessen dennoch gross sein. Die Ministerpräsidenten beider Bundesländer, Markus Söder und Boris Rhein, hatten sich vehement für den Schutz der grössten deutschen Flughäfen in München und Frankfurt eingesetzt, die auch wichtige Standorte für die Lufthansa sind.Grosse Freude in BerlinAuch bei den Sozialdemokraten gibt es verärgerte Stimmen. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Armand Zorn mahnte, dass gute Arbeitsbedingungen und Tarifbindung für die deutschen Fluggesellschaften nicht zum Nachteil werden dürften. Zorn hat seinen Wahlkreis in Frankfurt.Die berechtigte Sorge aller Kritiker ist, dass Emirates mit den neuen Verbindungen Passagiere abzieht, die zu interkontinentalen Zielen weiterreisen wollen. Dubai ist das weltweit wichtigste Drehkreuz. Damit stehen für Frankfurt und München Einnahmen, Arbeitsplätze und auch das Standortprestige auf dem Spiel. Ausserdem agiert Emirates mit Kampfpreisen auf dem Markt, bei denen westliche Airlines oft nicht mithalten können.Die Lufthansa wirft Emirates unfaire Wettbewerbsbedingungen vor, da die Airline aus Dubai staatlich gestützt wird und damit billiger operieren kann.Zumal die Flughäfen in Frankfurt und München auch mit wirtschaftlichen Problemen kämpfen. Die Passagierzahlen haben noch nicht wieder das Niveau vor der Corona-Pandemie erreicht. Am Freitag empfängt Söder den Präsidenten der VAE in München, um für Bayern als Wirtschaftsstandort zu werben. Die neue Flugverbindung wird bei dem Treffen wohl auch zur Sprache kommen.Berliner Airport drückt SchuldenlastIn Berlin machte sich hingegen grosse Erleichterung breit. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner hatte mehrfach im Bundeskanzleramt um die Freigabe geworben. Jetzt sagte der Christlichdemokrat, mit den täglichen Langstreckenflügen rückten «zwei wachsende Wirtschaftsregionen noch enger zusammen».Aber vor allem für den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) sind die neuen Direktflüge eine lang ersehnte gute Nachricht. Der Airport schreibt weiterhin rote Zahlen, bedingt vor allem durch die Altschulden aus den immensen Bauverzögerungen. Im vergangenen Jahr machte der BER rund 86 Millionen Euro Verlust.Die Inbetriebnahme des BER musste mehrfach verschoben werden. Der Flughafen wurde 2020 eröffnet – neun Jahre nach dem anvisierten Termin und vierzehn Jahre nach dem ersten Spatenstich. Die Baukosten waren mit 6,5 Milliarden Euro mehr als dreimal so hoch wie geplant. Auch die Passagierzahlen bleiben mit rund 26 Millionen Reisenden pro Jahr hinter den Erwartungen.Die neuen Flüge von Emirates nach Berlin bedeuten für den Airport nicht nur zusätzliche Start- und Landeentgelte. Der Flughafen erhofft sich auch eine Signalwirkung für andere internationale Fluggesellschaften, Berlin direkt anzufliegen.Zahlreiche Flugverbindungen wurden gestrichenFinanziell schmerzt den BER derzeit die Ankündigung der Billig-Airline Ryanair, ihre Basis am Standort Berlin zu schliessen. Die irische Fluggesellschaft begründete dies mit einer «Kostenexplosion». Berlin gehört nach ihrer Aussage zu den teuersten Standorten in Europa. Gleichzeitig streicht Ryanair die Hälfte der Verbindungen ab Berlin. Ryanair flog bislang mehr als dreissig Ziele vom BER aus an.Easy Jet galt lange als Nummer eins in Berlin, hat aber auch zahlreiche Flugverbindungen gestrichen. So wird mit dem Winterflugplan beispielsweise die zweimal wöchentliche Verbindung von Berlin nach Zürich gestrichen. Auch Lufthansa und Eurowings haben ihr Angebot ausgedünnt.Internationale Flüge zwischen Staaten ausserhalb der EU werden durch bilaterale Luftverkehrsabkommen geregelt. In einem 1994 geschlossenen Vertrag zwischen Deutschland und den VAE wurde festgelegt, dass Emirates maximal vier deutsche Flughäfen anfliegen darf. Der damalige Flughafen Berlin-Tegel galt als chronisch überlastet und war für die Grossraumflugzeuge von Emirates nur eingeschränkt geeignet. Deshalb entschied sich die Airline damals gegen die deutsche Hauptstadt.Passend zum Artikel
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Die Golf-Airline hat neue Landerechte bekommen, um die sie sich lange bemüht hatte. Das Nachsehen haben die Bundesländer Bayern und Hessen mit ihren Drehkreuzen. Auch die Lufthansa ist verärgert.











