Menschen, die mit Legasthenie aufwachsen, fallen oft durchs System. In der Schule haben sie Probleme, die Prüfungen in der Ausbildung oder im Studium stellen sie vor besondere Herausforderungen. Dabei gibt es prominente Vorbilder, die es dennoch zu großem Erfolg geschafft haben.
Jamie Oliver unter anderem. Der englische Starkoch, 51, hat mit dem »SZ-Magazin« über seine Legasthenie gesprochen und unter anderem stolz verkündet, im Sommer den Pilotenschein bestanden zu haben. Zehn Prüfungen habe er dafür bestehen müssen, neun davon seien theoretisch gewesen.»Die neun dazugehörigen Übungsbücher machten mir tierische Angst, jedes war 350 Seiten dick«, sagte Oliver in dem Interview. »Ich kann kurze Texte lesen, aber so lange – unmöglich.« Daraufhin habe er sich direkt an den Autor der Übungsbücher gewandt und gefragt, ob er die digitalen Dateien bekommen könnte, um sie sich vorlesen zu lassen. »Er hat mir die Dateien geschickt, und ich habe mir die Bücher angehört, jedes einen Monat lang. Ich habe jede Prüfung mit Bravour bestanden.«
Noch immer seien die Erinnerungen an seine Kindheit mit Legasthenie sehr präsent, sagte Oliver. Es falle ihm überhaupt nicht schwer, sich in die Lage des Zehnjährigen in der Grundschule zu versetzen, der sich elend fühlte. Niemand habe Legasthenie oder Neurodiversität wirklich anerkannt, niemand habe wirklich geholfen. Er habe keine Unterstützung bekommen, sagte Oliver, sondern sei in Sonderklassen gesteckt worden. »Mir wurde das Gefühl gegeben, ziemlich dumm zu sein. Dieses Gefühl ist immer noch präsent«, sagte Oliver.Den Flugschein habe er für sein Selbstwertgefühl gebraucht, sagte Oliver dem »SZ-Magazin« weiter. Schon früher hatte er wiederholt über seine Lese-Rechtschreib-Störung berichtet. Das Kochen sei seine Rettung gewesen, sagte er einmal.







