Deutsche Pisa-Ergebnisse sind so schlecht wie nie. Foto: picture alliance/dpaVon den zwei Beben dieser politischen Woche ist eines fast unbemerkt wieder abgeebbt. 25 Jahre nach dem ersten Pisa-Schock – und einem darauffolgenden Zwischenhoch des bildungspolitischen Ehrgeizes – stehen Deutschlands Schulen ausweislich der jüngsten Pisa-Testergebnisse wieder ungefähr dort, wo 2001 alles begann: ganz weit unten auf der Klassenliste.Wo bitte bleibt der Aufschrei?Ich fürchte, diesmal kommt er nicht. Wir haben zu viele andere Probleme und Krisen, die leider größer wirken, obwohl die meisten von ihnen in Wahrheit kleiner sind. Deutschlands Schulen sind nicht einmal mehr Mittelmaß, die Leistungen dürftig, die Abbrecherquoten furchtbar, die mangelnde Hilfe für sozial Schwächere eine Katastrophe. Wer ernsthaft noch die Vokabeln „Chancengerechtigkeit“ und „Bildungsrepublik“ in den Mund nehmen kann, ohne rot zu werden, dem ist nicht mehr zu helfen.Pisa-Studie Deutsche Kinder so dumm wie nie? Machen Sie selbst den Test! Wir haben einen Fragenkomplex aus dem Pisa-Test für Sie aufbereitet. Prüfen Sie, ob Sie die Aufgabe für 15-Jährige lösen können. von Martin DowideitDie Zahl der Ökonomen, die uns zugleich vorrechnen, was schlechter Unterricht nicht nur mit Lebenswegen macht, sondern am Ende auch den Standort in Milliarden kostet, ist Legion. Wir wissen alles. Aber es ändert sich zu wenig.Straße schlägt Schule – auch beim GeldDas Land der Dichter und Denker, der Tüftler und Ingenieure, unsere Köpfe als wichtigste Ressource des Landes – man kann die Sonntagsreden und Kalendersprüche alle nicht mehr hören. Das Bittere daran: Die deutsche Politik ist ja mittlerweile sehr wohl willens und in der Lage, schwerste Mängel mit Geld zu reparieren – nur diesen einen saniert sie allenfalls halbherzig.Vom 500 Milliarden Euro schweren Sondervermögen geht beispielsweise nur ein Bruchteil in Schulen, Kitas, Universitäten. Im Plan für 2026 sind für Verkehrsinfrastruktur rund 22 Milliarden Euro vorgesehen, für Bildung und Forschung gerade einmal 2,3 Milliarden. Das Geld lügt nicht, es spricht sogar eine besonders ehrliche Sprache: Autobahnen, Brücken und Schienennetze sind uns leider ein Vielfaches mehr wert als Schulklos, Aulas, Lehrerfortbildungen und Exzellenzinitiativen.Dabei wäre ein Pfad hin zum Besseren sogar nicht einmal besonders teuer. Hamburg führte vor rund 15 Jahren verpflichtende Sprachtests für Kinder ab vier Jahren ein und holte mehr Lehrer an Brennpunktschulen. Dazu gibt es ein Vorschuljahr. Klare Entscheidungen, keine Experimente, bloß Konstanz – und siehe da: Seitdem klettert der Stadtstaat in den innerdeutschen Bildungsrankings kontinuierlich nach oben.Warum schreiben andere Kultusminister bei dieser Strategie nicht einfach mal ab?