Als eine Gruppe europäischer Regierungsvertreter im August anlässlich des ukrainischen Unabhängigkeitstages nach Kiew reiste, erwartete sie eine unangenehme Überraschung. Die Ukraine, so ließ Präsident Wolodymyr Selenskyj die Delegation wissen, benötige zusätzlich 27 Milliarden Dollar, um über das laufende Jahr zu kommen. Und das, obwohl die EU erst zuvor ein Darlehen von mehr als 100 Milliarden Dollar für das kriegs- und krisengebeutelte Land bewilligt hatte.
Die Nachricht sorgte in Brüssel für Verunsicherung. Mehrere europäische Diplomaten hätten zwar mit steigenden ukrainischen Militärausgaben gerechnet, nicht aber mit einem derart großen finanziellen Betrag, berichtete die New York Times unter Berufung auf vier EU-Diplomaten. Hinter verschlossenen Türen werde in Brüssel inzwischen sogar hinterfragt, ob das Geld effizient ausgegeben werde oder ob der Bedarf aus der Ukraine doch überzogen sei.
Ein Botschafter bringt die Zahl in die Öffentlichkeit
Später bestätigte auch die Führung in Kiew, dass man weiterhin auf europäische Gelder angewiesen sei. Der ukrainische EU-Botschafter Taras Kachka sagte bei einer Veranstaltung des Brüsseler Thinktanks Bruegel, man brauche „eine zusätzliche Geldsumme, 27 Milliarden Dollar … und wir müssen dieses Geld hier, im Jahr 2026, auftreiben“. Sollte es mit anderen Partnern keine Fortschritte geben, wäre es für Kiew „naheliegend, die EU um eine Art Vorziehen“ der für 2027 vorgesehenen Auszahlungen zu bitten, fügte er hinzu.






