Inmitten der materiellen und geistigen Trümmer der Nachkriegszeit, nach einem einzig und allein von Deutschland ausgelösten Weltkrieg mit mehr als 60 Millionen Toten, stand eine junge Frau mit dem unbedingten Willen, mit dem Nationalsozialismus abzurechnen. Susanne Kerckhoff, 1918 in Berlin geboren, warf sich als Schriftstellerin und Journalistin in eine über zwölf NS-Jahre entstandene, deutsch besiedelte Schlangengrube. Gerade eben hatten Deutsche sich noch fanatisch gegen die Befreier gestemmt; nun wollte es keiner mehr gewesen sein. Die Millionen Nationalsozialisten waren „wie weg“.

Kerckhoff ließ sie nicht so einfach entkommen: In der Berliner Zeitung, deren Kulturchefin sie seit 1949 war, schrieb sie 15 höchst aufschlussreiche literarische Porträts: „Menschen in unserer Zeit“. Darin unternahm sie den Versuch, „die Voraussetzungen für die nationalsozialistische Herrschaft, Gleichgültigkeit, Egoismus und kleinliche Boshaftigkeit“ zu ergründen und zugleich menschliche Gegenentwürfe zu zeigen. Diese facettenreichen bis abgründigen Bilder von Menschen nach zwölf NS-Jahren bilden den roten Faden der Ausstellung „Lang ist es nicht her. Und jetzt ist es soweit. – Susanne Kerckhoff“, die das Mitte-Museum ab sofort präsentiert. Bald werden sie literaturwissenschaftlich untersucht.