US-Startup Covenant will in Sachsen Marschflugkörper herstellen: Schon im kommenden Jahr soll die Produktion beginnenDas Rüstungsunternehmen will die Produktion in Leipzig auf 5000 Stück pro Jahr ausbauen. Die Bundeswehr soll bereits Interesse zeigen. Denn die Armee braucht schnell Präzisionswaffen, die weiter als der Taurus reichen.10.09.2026, 10.58 Uhr3 LeseminutenTestflug des Marschflugkörpers Anthem.Covenant / HandoutDie US-Rüstungsfirma Covenant will künftig in Leipzig Marschflugkörper herstellen und schon 2027 mit der Produktion beginnen. Im ersten Jahr sollen bereits 1000 Stück und danach jeweils etwa 5000 pro Jahr hergestellt werden, wie das Unternehmen mitteilte. Die Komponenten für die Produktion sollen überwiegend aus Deutschland und Europa kommen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Covenant verspricht, dass die Marschflugkörper, die Gefechtsköpfe von bis zu 200 Kilogramm tragen können, kostengünstiger sind als die der Konkurrenz. So sollen die Waffensysteme einen sechsstelligen Betrag kosten. Normalerweise kosten ähnliche Waffensysteme bis zu mehreren Millionen Euro pro Stück. Der aktuelle Tomahawk Block V kostet beispielsweise laut US-Marine rund 3,6 Millionen Dollar pro Stück und hat eine Reichweite von bis zu 1600 Kilometern.Keine Angaben machte das Unternehmen über die genaue Reichweite seines Marschflugkörpers Anthem. Berichte, wonach dieser rund 1500 Kilometer weit fliegen kann, wurden nicht bestätigt. Die Anthem-Marschflugkörper wurden laut amerikanischen Medien bereits bei der US-Armee getestet und gelten als Waffe für Präzisionsschläge.Anders als der von Kampfflugzeugen gestartete Taurus ist Anthem als bodengestütztes System angelegt. Für die Bundeswehr würde eine Beschaffung daher nicht nur grössere Reichweite, sondern den Aufbau einer zusätzlichen Fähigkeit für weitreichende Präzisionsschläge bedeuten.Anthem soll preisgünstiger als andere Waffensysteme seinNeben dem deutschen Produktionsstandort dürften daher die technischen Daten für die Bundeswehr von besonderem Interesse sein. Offiziell äusserte sich das Verteidigungsministerium bisher noch nicht. Der «Spiegel» berichtet, dass die Bundeswehr so schnell wie möglich die Anthem-Marschflugkörper anschaffen wolle.Es gebe bereits Gespräche zwischen dem Beschaffungsamt der Bundeswehr und Covenant. Eine Bestätigung gab es von Unternehmensseite bis anhin nicht. Covenant teilte nur mit, Anthem ausschliesslich Staaten in Europa, den USA und weiteren westlichen Partnerländern zur Verfügung zu stellen.Als Berater von Covenant fungiert laut Unternehmensangaben der ehemalige Generalleutnant der Bundeswehr, Andreas Marlow, der ein in Europa produziertes Programm für Langstreckenflugkörper «das fehlende Puzzlestück in unserer Abschreckungsarchitektur» nannte. Marlow war zuletzt stellvertretender Inspekteur des Heeres.Covenant setzt auf Zulieferer aus der AutomobilindustrieAusschlaggebend für den geplanten Standort im Norden von Leipzig ist die gute Erreichbarkeit, aber auch die lange Tradition des ostdeutschen Bundeslandes als Industriestandort. Mit der Krise der deutschen Automobilindustrie und dem möglichen Auslaufen der Produktion in dem VW-Werk im sächsischen Zwickau suchen viele Zulieferer der Region neue Partner. Covenant setzt dabei auf die bereits vorhandene Kompetenz, vor allem bei der Fertigung komplexer elektronischer Bauteile.Somit begrüsst auch die sächsische Landesregierung die geplante Ansiedlung inmitten einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Denn durch die Sparpläne bei VW stehen allein in Zwickau 8000 direkte Arbeitsplätze und 20 000 Arbeitsplätze bei Zulieferern auf der Kippe.Für Zwickau gibt es laut der Landesregierung keine Pläne, die Fabrik in einen Rüstungsstandort umzubauen, wie es für das VW-Werk in Osnabrück vorgesehen ist. Dort übernehmen das Land Niedersachsen und der israelische Investor Aurelius die Anlage und bauen sie in den kommenden Jahren zu einem Kompetenzzentrum für die Verteidigungsindustrie aus. Als erstes Projekt sollen in der Fabrik Komponenten für Luftverteidigungssysteme des israelischen Iron-Dome-Herstellers Rafael produziert werden.Covenant wurde 2024 als Startup mit Hauptquartier in Washington gegründet. Nach eigenen Angaben sammelte das Unternehmen rund 250 Millionen Dollar von Investoren ein. Unter den Geldgebern ist auch der Founders Fund, bei dem Peter Thiel zu den Mitgründern zählt.Passend zum Artikel