PfadnavigationHomePanoramaARD-TalkBeim Begriff „kulturfremde Menschen“ hakt Maischberger mehrfach nachVon Tonci PetricStand: 07:47 UhrLesedauer: 5 MinutenNach dem Vorwurf von Friedrich Merz, die AfD wolle eine ethnische Säuberung, weist Stephan Brandner, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD, die Kritik scharf zurück.SPD-Innenexperte Fiedler und AfD-Politiker Brandner diskutieren bei „Maischberger“ kontrovers über Russland, „Remigration“ und das Gefühl fürs Volk. Beide Politiker überziehen einander mit Vorwürfen, weichen den konkreten Fragen der Moderatorin aber aus.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenBei der Frage nach den Folgen des AfD-Wahlsiegs in Sachsen-Anhalt prallen in der jüngsten „Maischberger“-Folge zwei politische Welten aufeinander. Der SPD-Innenexperte im Bundestag, Sebastian Fiedler, diskutiert mit dem parlamentarischen Geschäftsführer der AfD, Stephan Brandner. Die Sendung setzt an die Generaldebatte im Deutschen Bundestag an – die erste nach der Wahl in Sachsen-Anhalt –, bei der es ein reges und heftiges Rededuell zwischen Kanzler Friedrich Merz und der Oppositionsführerin Alice Weidel gab. Welche Schulnote sie für den Stil der Debatte vergeben würden, will Maischberger von beiden Politikern wissen.„Der Stil erreicht ja keine Skala“, meint Fiedler und betont, wie kontinuierlich sich nach dem Sieg der AfD das Klima der Debatten radikal verändert habe. Brandner hingegen vergibt eine klare 6 und kritisiert den Bundeskanzler als „unterirdisch“, der daherkam wie „so ein von der Leine gelassener Linksextremist“, um der AfD Völkermord vorzuwerfen. Brandner bezieht sich dabei auf die Aussagen von Merz, der von ethnischen Säuberungen spricht, die drohen würden: „Also völlig neben der Kappe, dieser Kanzler.“Brandner attackiert des Weiteren die ganze SPD: „Sie leben völlig an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei, leben da in Ihrer Blase und tun so, als wenn in Deutschland irgendetwas besser würde.“Fiedler will seine Kritik am raueren Ton im Bundestag nicht im Allgemeinen belassen. Er nimmt sich Brandner als konkretes Beispiel vor und verweist auf dessen zahlreiche Ordnungsmaßnahmen. Brandner, so Fiedlers Vorwurf, stehe bei den Abgeordneten, die sich in den Debatten besonders „unflätig“ benehmen, „ganz weit oben“. Brandner geht daraufhin empört auf Bundestagspräsidentin Julia Klöckner ein und wirft ihr eine „absolut parteiische Führung“ vor: „Sie wollte uns aus dem Saal werfen. Das scheint sie jetzt irgendwie jedes Mal machen zu wollen.“Moderatorin Maischberger hält Fiedler dann eine Umfrage von Infratest vor: Wähler, die sich in einer schlechten finanziellen Lage wähnen, haben zu 65 Prozent bei dieser Wahl die AfD gewählt. „Was haben Sie falsch gemacht, um diese Wählergruppe zu verlieren?“, fragt sie den SPD-Politiker.Lesen Sie auchAuf die unbequeme Frage findet Fiedler zunächst eine bemerkenswert offene Antwort: „Sicherlich viel“ habe seine Partei falsch gemacht. Doch konkret wird es danach kaum. Statt über eigene politische Fehler spricht der SPD-Innenpolitiker vor allem über Telegram, soziale Netzwerke und die Emotionalisierung des AfD‑Wahlkampfs. Die Mediennutzung der Wähler wird zur zusätzlichen Erklärung – ohne dass Fiedler die zentrale Frage wirklich beantwortet.Brandner hat hierzu eine direktere Antwort. Früher habe die SPD „richtigen Kontakt zu den Arbeitern“ gehabt, so Brandner. Mittlerweile habe sie sich zu einer „links-woke-verrückten Partei entwickelt, die von den Linken, von den Grünen überhaupt nicht mehr zu unterscheiden ist“.Fiedler weist das als „erwartbaren Klassiker“ zurück. „Wenn ich vor der Sendung was hätte aufschreiben sollen, dann hätte ich genau das aufgeschrieben. Sie versuchen, eine Geschichte aufzumachen, die tatsächlich nicht stattfindet.“ Brandner verkürze nach seiner Ansicht komplexe wirtschaftliche und globale Zusammenhänge auf genau solche Geschichten. Bemerkenswert ist dabei Fiedlers Vorwurf, die AfD produziere bewusst kurze, zugespitzte Redebeiträge, die sich auf YouTube und anderen Plattformen gut verbreiten ließen. Gleichzeitig wirft er der Partei vor, sie verspreche Dinge, obwohl sie wisse, dass sie diese politisch oder rechtlich nicht vollständig realisieren kann.SPD-Politiker Fiedler sieht bei AfD-Regierung „Türöffnerproblematik für Putin“Im weiteren Schlagabtausch geht Fiedler auf die Sicherheitsbedenken gegenüber der AfD ein. „Das allergrößte Risiko, das von Ihnen ausgeht, Herr Brandner, und das müssen Sie sich sagen lassen, ist, dass Sie im System Putin eine maßgebliche, große Rolle spielen.“ Er sagt ausdrücklich, Putin führe nicht nur einen Krieg mit Waffen, sondern auch einen „Informationskrieg im virtuellen Raum“, von dem die Partei profitiere. Fiedler spricht von einer möglichen „Türöffnerproblematik für Putin“, falls die AfD in Sachsen-Anhalt Regierungsverantwortung übernehmen sollte.Brandner bleibt eine konkrete Antwort zunächst schuldig. Maischberger hakt deshalb nach – und übersetzt die abstrakte Warnung in ein konkretes Szenario: Wie müsste Deutschland mit Russland umgehen, wenn sich herausstelle, dass Moskau hinter einem versuchten Anschlag in Leipzig steckt? Brandner spricht von „Konsequenzen“, nennt aber keine. Stattdessen verweist er auf Nord Stream und die Ukraine. Maischberger hakt mehrfach nach, bis eine fast verzweifelte Moderatorin selbst erkennen muss: „Darf ich einfach festhalten, dass Sie der Frage ausweichen? Und dann lassen wir es einfach dabei.“ Mehr Klarheit war von Brandner zu diesem Punkt nicht zu bekommen.Im weiteren Verlauf greift Maischberger den Begriff „kulturfremde Menschen“ auf, der offenbar im Zusammenhang mit „Remigration“ im AfD-Programm bzw. in den von Brandner vertretenen Positionen vorkommt. Sie verlangt eine Erklärung: Wer gilt für die AfD eigentlich als „kulturfremd“?Lesen Sie auch„Also die Remigration ist der Gegenentwurf zu dem Chaos, was zurzeit in der Einwanderungspolitik in Deutschland ist“, sagt Brandner. Doch Maischberger bohrt weiter nach, da der AfD-Politiker sich auch hier nicht konkret äußern will: „Wer ist kulturfremd? Ist es der Chinese? Der christliche Syrer?“Der antwortet dann: „Unter kulturfremden Leuten verstehe ich Zuwanderer aus Gebieten, die außerhalb unseres, ja, unseres zentralen Europas sind, beispielsweise.“Maischberger fragt erneut nach. „Also keine Chinesen?“, versucht sie, die Antwort des AfD-Politikers zu verstehen. Anschließend relativiert Brandner das wieder mit dem Hinweis, Menschen aus anderen Kulturkreisen seien willkommen, wenn sie sich integrieren und Deutschland voranbringen wollten. Eine präzise Definition, nach welchen Kriterien ein Mensch als „kulturfremd“ gilt, bleibt somit nicht nur für Maischberger schwer greifbar.
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SPD-Innenexperte Fiedler und AfD-Politiker Brandner diskutieren bei „Maischberger“ kontrovers über Russland, „Remigration“ und das Gefühl fürs Volk. Beide Politiker überziehen einander mit Vorwürfen, weichen den konkreten Fragen der Moderatorin aber aus.









