Und plötzlich ist Griechenland attraktiver als London: Der Hedge-Fund-Milliardär Chris Rokos verlässt Grossbritannien – aus SteuergründenEr ist einer der erfolgreichsten Trader der Welt und ein brillanter Mathematiker. Nun folgt er dem Beispiel anderer Spitzenverdiener und kehrt London den Rücken. Ob es sich dabei um einen gefährlichen Exodus handelt oder um verschmerzbare Einzelfälle, wird in Grossbritannien heftig debattiert.10.09.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenWieder verlässt ein Superreicher Grossbritannien aus Steuergründen. Dieses Mal ist es der Hedge-Fund-Milliardär Chris Rokos, der von London nach Griechenland umzieht. Er ist der Gründer der Investmentgesellschaft Rokos Capital Management, die auf Global-Macro-Hedge-Funds spezialisiert ist; dabei setzt er auf grosse weltwirtschaftliche Zins- und Währungstrends.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Sein Unternehmen hat weltweit 370 Mitarbeiter und – nebst dem Hauptsitz in London – Niederlassungen in New York, Singapur und Abu Dhabi. Rokos’ Vermögen wird auf mindestens zwei Milliarden Franken geschätzt. Er zahlte im letzten Jahr 330 Millionen Pfund Steuern und war damit der drittgrösste individuelle Steuerzahler im Vereinigten Königreich. Im Zusammenhang mit dem Umzug ist auch eine neue Niederlassung seines Unternehmens in Athen geplant.Griechenland ist ein Steuerparadies für ReicheSein Wegzug dürfte vor allem mit der Besteuerung der Hedge-Fund-Gewinne zusammenhängen. Die Abgaben für Carried Interest, also die prozentuale Gewinnbeteiligung der Fund-Manager, wurden in den letzten Jahren sukzessive angehoben und betreffen ihn ganz direkt. Die Erhöhung dieser Steuern ist Teil einer sich verschärfenden Fiskalpolitik gegenüber international agierenden Spitzenverdienern.Das wichtigste Element ist dabei der Wegfall des Non-Dom-Status. Bis April 2025 mussten Bürger ohne ständigen Wohnsitz im Vereinigten Königreich 15 Jahre lang keine ausländischen Einkünfte versteuern. Diese Frist wurde für Neuankömmlinge auf 4 Jahre reduziert. Alle anderen müssen nun Steuern zahlen wie normale Briten. Auch die Erbschafts- und Kapitalgewinnsteuer wurde sukzessive angehoben. Vor dem anstehenden Herbsthaushalt rechnen viele mit weiteren Erhöhungen.Angesichts dieser Verschärfungen – beziehungsweise des Schliessens von Steuerschlupflöchern – haben in den letzten Jahren viele Wohlhabende London verlassen. Zu ihnen gehörten unter anderem der Gründer von Revolut, Nik Storonsky, der ägyptische Investor Nassef Sawiris, der Stahlmagnat Lakshmi Mittal, der frühere Vizepräsident von Goldman Sachs, Richard Gnodde, sowie die Immobilienentwickler Ian und Richard Livingstone.In Griechenland muss Rokos während 15 Jahren lediglich eine jährliche Pauschalsteuer von 100 000 Euro bezahlen, sofern er Investitionen von mindestens 500 000 Euro im Land tätigt. Der Carried Interest wird lediglich mit pauschalen 5 Prozent besteuert.Mathe-Genie und Selfmade-MilliardärDer 55-jährige Rokos stammt aus einer Mittelstandsfamilie in London. Er besuchte eine staatliche Schule. Bereits in jungen Jahren galt er als Mathe-Genie und erhielt ein Stipendium für die Eliteschule Eton College. Anschliessend absolvierte er ein Mathematikstudium an der Universität Oxford mit Auszeichnung.Seine berufliche Laufbahn begann er bei der UBS, bei Goldman Sachs und bei Credit Suisse als Händler für Derivate. 2002 gründete er zusammen mit Partnern Brevan Howard Asset Management, wo er mit astronomischen Gewinnen zum Star-Trader avancierte.Nach seinem Ausstieg im Jahr 2012 versuchte er umgehend, sich selbständig zu machen. Wegen einer Wettbewerbsklausel mit einem fünfjährigen Konkurrenzverbot kam es zu einer Klage und einem langjährigen juristischen Tauziehen, das erst 2015 aussergerichtlich beigelegt wurde. Im selben Jahr gründete er die Investmentgesellschaft Rokos Capital Management, die inzwischen über 20 Milliarden Dollar verwaltet. Rokos gilt als einer der grössten Philanthropen in Grossbritannien. Er finanziert Stipendien für Schüler in Eton und unterstützt die Universitäten in Cambridge und Oxford mit hohen Summen. Neben seinem Wohnsitz in London verfügt er über einen Zweitwohnsitz in Florida.Handelt es sich wirklich um einen bedrohlichen Exodus?Die Meinungen darüber, ob der Wegzug zahlreicher Superreicher für den britischen Staat ein ernsthaftes Problem darstellt, gehen stark auseinander. 4400 Spitzenverdiener verliessen laut Bloomberg im Jahr 2025 das Land. Einerseits verliert Grossbritannien dadurch Millionen an Steuereinnahmen; zudem ziehen die Steuerflüchtlinge oft auch gleich noch einen Teil ihres Vermögens ins Ausland ab und verlegen ihre Firmensitze oder Büros. Damit gehen hochqualifizierte Arbeitsplätze verloren. Gerade in London sind Milliardäre und im Speziellen Investmentmanager oft auch Kapitalgeber für Startups. Dadurch leidet insgesamt der Wirtschaftsstandort.Andererseits betont das Finanzministerium, dass steuerliche Privilegien für Superreiche ungerecht seien und das Vertrauen der Normalverdiener in den Sozialstaat unterminierten. Die Befürworter der Fiskalreformen rechnen auch vor, dass die Mehreinnahmen durch all die wohlhabenden Steuerzahler, die im Land bleiben, die Verluste durch den Wegzug von Multimilliardären wie Rokos bei weitem übersteigen. Zudem dürften viele Topverdiener trotz hohen Steuern aus anderen Gründen – Sprache, Lage, Rechtssicherheit, Bildungsinstitutionen, Kultur – in Grossbritannien bleiben.Passend zum Artikel