Großbritannien verliert vermögende Bürger. Wie diese Woche bekannt wurde, verlässt der Hedgefondsgründer Chris Rokos das Land und zieht nach Griechenland, wo ihm eine günstige Steuersonderregelung winkt. Über den Wegzug des Milliardärs berichten britische Medien ausführlich. Rokos war im vergangenen Jahr gemäß der Steuerliste der Zeitung „Sunday Times“ der drittgrößte Steuerzahler des Landes; er überwies geschätzt 330 Millionen Pfund (fast 390 Millionen Euro) an den Fiskus. Britische Medien stellen seinen Fall nun in eine Reihe anderer prominenter reicher Unternehmer, die aufgrund steuerlicher Fragen aus dem Königreich abgewandert sind.Seit 2024, nachdem die frühere, zweihundert Jahre alte „Non Dom“-Steuerregel abgeschafft worden war, sind etliche Schwerreiche weggezogen. Lakshmi Mittal, der indische Stahlkonzerneigentümer und Multimilliardär, der zuvor in London lebte, hat seinen Steuersitz verlegt. Der Ägypter Nassef Sawiris, einer der reichsten Männer seines Landes, gab seinen Wohnsitz in Großbritannien auf. Der umtriebige Unternehmer ist Eigentümer des Fußballklubs Aston Villa und Aufsichtsratsvorsitzender von Adidas. Zu den Steuerflüchtigen aus Großbritannien zählt der Milliardär Guillaume Pousaz, der Gründer des Start-ups Checkout.com. Gemäß einer – statistisch umstrittenen – Darstellung einer Unternehmensberatung verließen seit 2024 mehrere Tausend Vermögende das Königreich.Der Wegzug des Hedgefondsgründers Rokos schlägt nun in der Politik hohe Wellen. Schattenfinanzminister Andrew Griffith von den Konservativen attackierte die Labour-Regierung und Finanzminister John Healey. Rokos’ Weggang bedeute „höhere Steuern für alle anderen oder niedrigere staatliche Ausgaben“. Aus der Statistik des Schatzamts geht nach Griffiths Worten hervor, dass der Fondsmanager so viel Steuern gezahlt habe wie 38.000 Durchschnittssteuerzahler. „Jedes Mal, wenn ein Milliardär wegzieht, wird unser Land ärmer“, sagte Griffith. Mit dem Budgetplan im Herbst würde es noch schlimmer.Schatzkanzler Healey versuchte Sorgen zu zerstreuen. „Unser Plan ist es, Familien und Unternehmen mit dem Budget etwas mehr Luft zum Atmen zu geben“, sagte er. Er wolle „gutes Wachstum in mehr Orten im ganzen Land“ unterstützen. Premierminister Andy Burnham versprach vor seinem Amtsantritt „gutes Wachstum in jedem Postleitzahlbezirk“.Dubai, Italien und Griechenland werben um SuperreicheDer Wegzug von Vermögenden wird auch mit Sorgen vor einer angeblich drohenden Vermögensteuer in Verbindung gebracht. Die Labour-Linke fordert eine solche. Dagegen protestierte der frühere Goldman-Sachs-Chefvolkswirt und designierte Burnham-Berater Jim O’Neill. Aufgrund von Differenzen mit Burnham wurde O’Neill dann doch nicht Wirtschaftsberater der Regierung.Milliardär Rokos ist einer der bekanntesten Hedgefondsmanager der Londoner City. Sein Fonds Rokos Capital Management verwaltet 22 Milliarden Pfund. Im vergangenen Jahr verdiente er fast eine halbe Milliarde Pfund Dividenden. Rokos ist auch als großzügiger Spender für Wissenschaft und Wohlfahrtsorganisationen bekannt geworden. Dieses Jahr kündigte er eine Schenkung von 190 Millionen Pfund für die Universität Cambridge an, die größte Spende in der Geschichte der Hochschule.Die Schwerreichen werden von einigen Ländern umworben, etwa von den Vereinigten Arabischen Emiraten, Italien und auch Griechenland, die günstige Pauschalsteuerpakete („Flat Tax“) anbieten. Griechenland hat eine jährliche Flat Tax von lediglich 100.000 Euro für Ausländer eingeführt. Dafür müssen sie mindestens eine halbe Million Euro Investitionen im Land nachweisen.Italiens Regierung lockt reiche Ausländer seit einiger Zeit mit einer Pauschalbesteuerung für maximal zehn Jahre. Anfangs betrug die Flat Tax 200.000 Euro, inzwischen hat die Meloni-Regierung sie auf 300.000 Euro erhöht. Der City-Banker Richard Gnodde, Vize-Vorsitzender von Goldman Sachs, siedelte voriges Jahr von London nach Mailand um. Andere Vermögende sind nach Dubai gezogen, wo sie wenig Steuern zahlen. Die Entwicklung unterstreicht die Bedeutung des Steuerwettbewerbs um Spitzenverdiener.Wie viele vermögende Ausländer das Vereinigte Königreich seit Mitte 2024 wirklich verlassen haben, ist umstritten. Die Statistik des Finanzamts zeigt, dass 9000 „Non Dom“-Ausländer (die als steuerlich „nicht-domiziliert“ gelten und damit begünstigt sind) im ersten Jahr nach der Steueränderung wegzogen, wogegen 8600 Non-Doms neu dazukamen. Etwa 80.000 Ausländer profitierten früher unbegrenzt von der Regelung und mussten ausländische Einkünfte nicht in England versteuern. Seit Labours Reform ist der Non-Dom-Status für reiche Expats auf vier Jahre begrenzt.
Chris Rokos verlässt Großbritannien und zieht nach Griechenland
Der drittgrößte Steuerzahler verabschiedet sich aus dem Vereinigten Königreich und zieht nach Griechenland. Wegen steigender Steuern sind schon mehrere ausländische Milliardäre gegangen.










