Zu scharfen Angriffen auf die AfD hat die Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns Manuela Schwesig (SPD) das erste TV-Duell des Wahlkampfs im Nordosten genutzt. Als wäre sie die Herausforderin – und nicht der AfD-„Ministerpräsidentenkandidat“ Leif-Erik Holm. Die AfD sei eine gefährliche Partei, für das Land, die Wirtschaft, ja auch für die Frauen, sagte Schwesig am Mittwoch im Sender ntv. Holm warf sie vor, die Menschen zu „täuschen“.Vom Triumph der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am vergangenen Sonntag erhoffen sich auch AfD-Politiker in Mecklenburg-Vorpommern rund anderthalb Wochen vor der dortigen Landtagswahl Rückenwind. Dass dieser aber die Partei bis in eine Regierung tragen wird, ist unwahrscheinlich. Jüngsten Umfragen nach steht die AfD im Nordosten bei 35 Prozent und damit weit weg von einer absoluten Mehrheit.Die SPD liegt derzeit bei 32 Prozent, sie hat in den vergangenen Monaten sukzessive aufgeholt. Am Montag hatte Schwesig in Schwerin Großplakate vorgestellt, auf denen sie sich mit ernster Mine als „die Frau gegen Blau“ präsentiert. „Wir wollen nicht, dass die blaue Flut auch Mecklenburg-Vorpommern erreicht“, sagte sie dazu.Sie inszeniert ihre Partei gewissermaßen als demokratische Alternative zur Alternative für Deutschland. In der Folge ist der Wahlkampf im Nordosten stark polarisiert, was Schwesig alles andere als ungelegen kommen dürfte. Ihre SPD scheint von dem Zweikampf gegen die AfD zu profitieren.Die CDU durfte beim TV-Duell der „Großen“ nicht mitmachenVor dem TV-Duell hatte es zwischen den Parteien Streit gegeben. So warf der CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters Schwesig vor, diese habe darauf bestanden, im Fernsehen nur im Duell gegen Holm antreten zu wollen. Die Spitzenkandidaten der anderen Parteien wurden offenbar erst ein- und dann wieder ausgeladen – laut Peters auf Druck von Schwesig. Die SPD wie auch die Sendergruppe RTL/ntv hatten den Vorwurf zurückgewiesen.Die Spitzenkandidaten der „kleinen“ Parteien werden nun in einem separaten Format nächste Woche gegeneinander antreten. Insbesondere für die CDU ist diese Herabstufung schwierig; die Partei liegt in Umfragen derzeit bei acht Prozent, verlor in den vergangenen Monaten kontinuierlich an Zustimmung.Wie viel Ulrich Siegmund denn in ihm stecke, wollte die Moderatorin Pinar Atalay im TV-Duell am Mittwoch von Holm wissen. Das müssten andere beurteilen, antwortete dieser. Aber der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt habe einen „grandiosen Erfolg“ erzielt, der eine neue Aufbruchsstimmung erzeuge. „Wir sind wieder in einer Zeit des Wandels,“ behauptete Holm, „wie 1989“.Schwesig ist seit neun Jahren Ministerpräsidenten im Nordosten, zuvor war sie Familienministerin im Bund. Der Bundestagsabgeordnete Holm arbeitete früher als Radiomoderator, unter anderem beim NDR, den er nun abschaffen will mittels einer raschen Kündigung des Rundfunkstaatsvertrags. Regierungserfahrung hat er keine – was Schwesig für sich zu nutzen versuchte, indem sie sagte: „Sie haben ja keine Erfahrung, nicht mal als Bürgermeister.“Bei der Bildungspolitik punktet Holm, sonst aber wenigHolm wiederum suchte Schwesig vor allem in der Bildungs- und Wirtschaftspolitik zu kritisieren. Dabei verwies er etwa auf den Fall eines Gymnasiums in Hagenow, bei dem ein Drittel des Jahrgangs durch die Abiturprüfungen gefallen ist – nach Aussage einer Schülerin, weil die Lehrer inkompetent waren und die Schüler schlecht vorbereitet. Ansonsten gelang es Holm selten, gegen Schwesig zu punkten.In Bezug auf die Wirtschaft warf Schwesig ihm vor, als die Zeiten schlecht gewesen seien, etwa bei der Werft in Wismar, sei sie anders als die Vertreter der AfD dort gewesen, habe den Arbeitern in die Augen geschaut, und im Anschluss seien die Transfergesellschaften gegründet worden, die die Werft gerettet hätten. Die AfD aber habe genau das kritisiert.Holm sagte, natürlich sei seine Partei für Arbeitsplätze. Aber sie habe Bedenken, wenn Waffen produziert würden. Für die AfD gelte: „Keine Waffen in Kriegsgebiete“. Der SPD warf er im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine vor, mit dafür verantwortlich zu sein, dass die Sicherheitslage so schlecht sei. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gieße „weiter Öl ins Feuer“, so Holm. Die Aussage von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), Deutschland müsse „kriegstüchtig“ sein, sei gefährlich. „Wo führt das hin?“ In Bezug auf Russland sagte Holm: „Wir müssen auch mit denen reden, die uns nicht gefallen.“Schwesig konterte, das sei „unterste Schublade“, sie kenne keinen Politiker, der nicht für Frieden, sondern für Krieg sei. Wichtig aber sei, dass „unsere Marine“ gut ausgerüstet sei.Gestritten wurde auch über das Thema Energie. Die AfD will den Windkraftausbau stoppen, die Nord-Stream-Pipeline wieder in Betrieb nehmen und zur Atomkraft zurückkehren. Schwesig warf Holm vor, Atomkraftwerke in Mecklenburg-Vorpommern errichten zu wollen. „Aber wir wollen hier nicht das Atomklo von Deutschland werden.“Holm tritt im Wahlkampf gemäßigt auf und versucht, seinen Landesverband als moderat darzustellen. In den Reihen hinter ihm, etwa in Person des Generalsekretärs des AfD-Landesverbands Dario Seifert, finden sich aber durchaus Leute mit rechtsextremer Vergangenheit. Dazu sagte Holm beim TV-Duell, man habe sich die Fälle genau angeschaut, Menschen könnten sich auch weiterentwickeln. Die AfD habe „kein Problem mit Rechtsextremismus“, sie sei „komplett rechtsstaatstreu“.Darauf angesprochen, dass im Rostocker Wahlkreis 7 mit Sascha Gläser ein verurteilter Bankräuber für die AfD antritt, sagte er: „Ja, das ist richtig, aber wir wussten davon nichts.“ Der Mann habe bereits angekündigt, sein Mandat nach der Wahl nicht anzunehmen.Am Mittwoch in einer Woche, vier Tage vor der Wahl, folgt das zweite Aufeinandertreffen von Schwesig und Holm vor den Kameras, dann im NDR.