Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen den Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach. Das bestätigte eine Sprecherin der Süddeutschen Zeitung. Zu den Hintergründen wollte sie sich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern. Unter anderem seien Räume in Hannover, wo Krach von 2021 bis 2025 als Regionspräsident regierte, durchsucht worden. In Berlin wurden Räume der SPD-Landesgeschäftsstelle durchsucht sowie die Privatwohnung von Steffen Krach im Bezirk Schöneberg. Seit März ist Krach von seinem Amt in Hannover beurlaubt, um Wahlkampf in Berlin zu machen. Seit Dezember 2025 ist er Landesvorsitzender der SPD.Bei den Ermittlungen soll es um den Vorwurf der Bestechlichkeit im Zusammenhang mit einem Vergabeverfahren im Gesundheitswesen in der Region Hannover gehen. Allerdings geht es dabei um den letztlich unterlegenen Anbieter. Es gilt die Unschuldsvermutung. In dem Fall wurde ein Standort des Klinikums der Region Hannover verkauft. Krach war als Regionspräsident Aufsichtsratsvorsitzender dieses Klinikums. „Ich habe vorgeschlagen, dass wir dort ein regionales Gesundheitszentrum etablieren, das haben wir dann auch gemacht“, sagte er laut Deutscher Presseagentur am Abend am Rande eines Wahlkampftermins in Berlin.Es habe ein Vergabeverfahren gegeben. „Es scheint jetzt im Raum zu stehen, dass ich mich in irgendeiner Form habe beeinflussen lassen. Diese Unterstellung möchte ich definitiv als haltlos zurückweisen“, betonte Krach. „Ich habe in keinster Weise irgendeine Summe von diesem Bieter, weder privat, noch als SPD-Landesvorsitzender, jemals angenommen.“ Es habe eine Spende gegeben, die innerhalb von 24 Stunden zurücküberwiesen worden sei, „weil ich sofort gesagt habe, dass ich diese Spende definitiv nicht annehmen kann.“ Es habe sich nach seiner Erinnerung um 9500 Euro gehandelt - die Spende sei vom damals unterlegenen Bieter gekommen.Krach zeigte sich überrascht von dem Vorgehen. Morgens hätten die Ermittler geklingelt. Er habe gerade die Innensenatorin wegen eines Gesprächs über den Hauptstadtfinanzierungsvertrag am Telefon gehabt. „In der Sekunde nahm mir jemand das Handy vom Ohr.“ Drei, vier Leute seien auf ihn zugestürmt und hätten dann die Wohnung durchsucht. „Ich bin erstaunt und ich muss auch mal persönlich sagen, ich habe kleine Kinder zu Hause, die haben das heute Morgen alles mitbekommen“, sagte Krach. „Das macht etwas mit einem Vierjährigen, mit einem Zwölfjährigen.“Die Durchsuchungen kurz vor der Wahl wecken in der SPD ÄrgerIn hohen SPD-Kreisen war von großer Verärgerung über den Zeitpunkt der Durchsuchungen die Rede, diese Ermittlungen liefen seit Monaten. Es wurde der Verdacht politischer Motive geäußert und betont, dass der zeitliche Zusammenhang zu der Berlin-Wahl am 20. September Fragen aufwerfe. Genauso wie der Umstand, dass am kommenden Sonntag in Niedersachsen Kommunalwahlen sind, auch der Oberbürgermeister in Hannover wird neu gewählt. „Ich habe da ein Störgefühl“, sagte ein niedersächsischer SPD-Politiker. Zumal Krach in der finalen Abstimmung gar nicht für den unterlegenen Anbieter gestimmt habe, der ihm Geld überwiesen haben soll.Krach, der ursprünglich aus Hannover stammt, war vor seiner Zeit als Regionspräsident sowohl in der Bundespolitik als auch in der Berliner Landespolitik tätig. Von 2014 bis 2021 war er Staatssekretär für Wissenschaft beziehungsweise später für Wissenschaft und Forschung. Bereits vor einem Jahr hatte sich der Berliner Landesverband der SPD auf Krach als Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 geeinigt. Im Dezember 2025 hatte er zudem gemeinsam mit Bettina König den Landesvorstand übernommen. Die Partei, die seit 35 Jahren ununterbrochen in Berlin regiert oder mitregiert hat, hatte zuletzt starke Verluste hinnehmen müssen. Mit Krach setzte sie auf ein frisches Gesicht.Als Spitzenkandidat seiner Partei ist Steffen Krach im Wahlkampf sehr präsent. Trotz seiner längeren Abwesenheit aus Berlin konnte er seine Bekanntheitswerte relativ schnell steigern. Dennoch konnte die SPD ihre Umfragewerte vor der Wahl kaum verbessern. Je nach Forschungsinstitut würden nur elf bis 15 Prozent der Berliner den Sozialdemokraten derzeit ihre Stimme geben. In jedem Fall liegt sie in allen Umfragen hinter der CDU, der Linken und der AfD. Die neueste Entwicklung könnte die Not der Partei nun verschärfen.