Der festgenommene mutmaßliche Stromnetz-Saboteur hat nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) seine Angriffe fortsetzen wollen. „Der war immer noch unterwegs und wollte weitermachen. Dieses Spiel ist heute beendet worden“, sagte Reul in Duisburg. „Im Moment spricht alles dafür, dass es ein Einzeltäter und alles aus seiner Hand war.“ Hinweise, wonach der 48-Jährige psychische Probleme haben oder bezahlt worden sein könnte, seien „Kaffeesatzleserei“.Ähnlich äußerte sich Reuls Amtskollege in Brandenburg, Innenminister Jan Redmann: Dieser sprach zudem von einem „fehlgeleiteten Einzeltäter“. „Es braucht schon mehr als einen Chaoten, um Deutschland ins Chaos zu stürzen“, teilte der CDU-Politiker mit. „Uns muss aber auch klar sein: Ein fehlgeleiteter Einzeltäter ist nur eines von vielen Gefährdungsszenarien, gegen die wir uns wappnen müssen.“Die Polizei nahm Daniel V. am Dienstag nach tagelanger Fahndung fest. Der 48-Jährige leistete keinen Widerstand. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa war er der Polizei in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen bei einer Verkehrskontrolle aufgefallen. Laut „Bild“ versuchte er noch vergeblich, zu Fuß zu entkommen. V. hatte demnach weitere Sprengmittel dabei. Anschläge auf mehrere Umspannwerke „Die Gegenstände werden derzeit durch einen Entschärfer des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen begutachtet“, teilte die Polizei Köln mit. Außerdem hätten Einsatzkräfte im Unterholz ein Zelt gefunden, das mit weiteren Sprengladungen versehen gewesen sei.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Am Kraftwerk hatten Beamte zuvor ein weiteres Bekennerschreiben gefunden. Der Brief sei am Montag gemeinsam mit mehreren Abschussvorrichtungen an einer Hochspannungsleitung in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler entdeckt worden, teilte die Polizei mit.Nach Informationen der dpa ähnelten die Konstruktionen denen, die Ermittler zuletzt an mehreren sensiblen Stellen für die Energieversorgung in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen gefunden haben. Fälle in drei Bundesländern Eigentlich hatten Einsatzkräfte das Gebiet in Weisweiler schon vergangene Woche mit großem Aufwand abgesucht. Ob die nun entdeckten Abschussvorrichtungen und der Bekennerbrief damals übersehen wurden oder ob der Täter sie erst kürzlich dort installiert hat, sagten die Ermittler auf Nachfrage nicht. Einheiten der Polizei arbeiten am Umspannwerk in Dormagen. Nach dem Fund eines verdächtigen Gegenstands an einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf geht die Polizei von einem Sabotagedelikt aus. © dpa/Alexander Franz Insgesamt soll der Mann an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen versucht haben, mit selbstgebauten Raketen dünne Drähte über Hochspannungsleitungen zu schießen und so einen Kurzschluss auszulösen.In mindestens zwei Fällen gelang der Plan des Täters. In Bergheim westlich von Köln waren dadurch mehrere Blöcke eines Kraftwerks für einige Tage lahmgelegt worden. In Brandenburg hatte es am Umspannwerk Turnow-Preilack nahe dem Kraftwerk Jänschwalde zwei Kurzschlüsse gegeben. Mehr als 20 selbst gebaute Raketen sollen dort leitfähiges Material auf die Hochspannungsleitungen geschossen haben. Einen Stromausfall gab es bei den beiden Taten nicht.Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von „Klimaterrorismus“. In den Bekennerbriefen hatte der mutmaßliche Täter die Angriffe auf das Stromnetz mit dem Kampf gegen fossile Energien begründet. „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen“, heißt es in den Briefen. In allen drei betroffenen Bundesländern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt. Polizeipräsident: Hintergründe müssen weiter ermittelt werden Nach dem 48-Jährigen war mit einem Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Cottbus gesucht worden. In Brandenburg war der erste Angriff auf das Stromnetz bekanntgeworden.Nach Angaben der Polizei Brandenburg ermittelt die Staatsanwaltschaft Cottbus wegen des Verdachts der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und der Störung öffentlicher Betriebe. Das Amtsgericht Cottbus habe den Haftbefehl am vergangenen Freitag erlassen.„Die Festnahme des Tatverdächtigen ist ein wichtiger Schritt in den Ermittlungen“, teilte Brandenburgs Polizeipräsident Oliver Stepien mit. „Jetzt gilt es, die Hintergründe und Zusammenhänge der Taten weiter aufzuklären und die gewonnenen Erkenntnisse sorgfältig zu bewerten.“ Die Ermittlungen dauerten an. Sachsens Innenminister warnt vor Spekulationen Sachsens Innenminister Armin Schuster hat nach der Festnahme vor vorschnellen Schlüssen über die Tathintergründe gewarnt. „Der Fall ist schon außergewöhnlich in der Art der Tatbegehung, in der Art der Bekennung“, sagte der CDU-Politiker in Dresden. Schuster bezeichnete das Bekennerschreiben als mysteriös. Der Inhalt sei für eine Selbstbezichtigung ungewöhnlich. Die Tatmotivation komme extrem knapp weg. Zudem sei es handschriftlich und mit voller Adresse verfasst, so als ob der Täter gefasst werden wollte.Es könne sich um Linksextremismus handeln oder mit dem Klima zu tun haben. Es sei aber auch möglich, dass der Täter im Auftrag gehandelt habe. Dazu, wer hinter einem möglichen Auftrag stecken könnte, wollte sich Schuster nicht äußern. „Ich will nicht spekulieren“, betonte Schuster. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen ähnlichen Fall wie bei dem Drohnenangriff am Flughafen Leipzig/Halle handle, sei aber gering. (dpa)
Reul über mutmaßlichen Stromnetz-Saboteur: „Der war immer noch unterwegs und wollte weitermachen“
Ermittler haben Daniel V. in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen festgenommen. Nach ihm war tagelang gefahndet worden. NRW-Innenminister Reul glaubt, dass die Angriffe weitergehen sollten.










