PfadnavigationHomeICONISTTrendsHighlights im HerbstWas man in der besten Zeit des Jahres unternehmen, einkaufen und hören könnteStand: 14:01 UhrLesedauer: 6 MinutenFast zu schön, um wahr zu sein: Sonnenblumen bei SonnenuntergangQuelle: Claus Cramer/500px/Getty ImagesDer Herbst bringt neue Kunstmessen, Ausstellungen und kulinarische Termine. Dazu kommen Mode für die Saison, Serien für Regentage und Musik aus Brasilien.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenDie Sommerferien sind vorbei. Na und? Jetzt sieht man sie endlich alle wieder: die Freunde, Konkurrenten, Angeber, Kollegen, Geliebten. Jetzt wetteifern Theater, Galerien, Boutiquen um Aufmerksamkeit und Publikum. Die gesellschaftliche Bühne ist wieder freigegeben. In Frankreich nennt man diese Phase rentrée – gemeint ist die Rückkehr ins eigentliche Leben. Hier ein paar Hinweise, wie diese besonders genussvoll gelingen kann.Kurz, äh, innehaltenHerbst klingt jetzt vielleicht schlimm, aber nach einem Sommer, der von Sorgen und Plagen geprägt war – zu heiß, zu nass, und wo brennt es gerade? – könnte man einfach durch malerisch verfärbte Wälder flanieren, Rilke zitieren und für einen Nachmittag beschließen, dass die Welt voller Wunder und Schönheit ist. Und wer sich auskennt, sammelt ein paar Pilze, eine Tätigkeit, deren therapeutische Wirkung bisher noch gar nicht hinreichend erforscht wurde. Der Herbst, darauf kann man wetten, wird dann hitzig genug.Gerötete Wangen nach dem AusrittKlingt schnöde, aber auch Shoppen kann den Herbst sinnvoll einläuten. Ausnahmsweise und zähneknirschend empfehlen wir Klassiker, die man getrost für die nächste Dekade einplanen kann. Eine Nappalederjacke von Joseph, zwingend im Farbton Violett, garantiert auch an einem zugigen Oktobermorgen den nötigen swag. Und die deutlich vom Reitsport inspirierten Stiefel von Hermès mit einem geometrischen Schafsfell-Leder-Muster am Schaft signalisieren Wetterfestigkeit, auch wenn sie für den Sprung in die Pfütze vielleicht ein wenig zu kostbar sind. Das Schönste daran: Sie sind erschwinglicher als eine Birkin-Bag. Und wer braucht schon eine Handtasche, wenn diese Stiefel von geröteten Wangen nach dem Ausritt durch die Ländereien erzählen?Dirndl beim KongressTopmodel Claudia Schiffer trug kürzlich ein aspirinweißes Dirndl mit Lochspitze und Hakenmieder. Die Pointe: Sie trug es auf einem Londoner Wissenschaftskongress. Treffender lässt sich der Wandel dieses Kleidungsstücks kaum beschreiben. Mit dem Wiederaufleben der Trachtenmode sorgt derzeit vor allem eine Designerin für Aufmerksamkeit: Annina von Pfuel. Die Münchnerin, die in New York Kostümbild studierte, hat ihre Dirndl weit über Bergdörfer und Bierzelte hinaus bekannt gemacht. Handgearbeitet aus feinsten Stoffen wirken sie wie gepflückt von einer Alpenwiese: Rosé, Butterblumengelb, Flieder, Creme, Vergissmeinnicht-Blau. Die Wiesn ist und bleibt dennoch ein Pflichttermin im Kalender dieses Kleides. Am 19. September heißt es in München wieder: O‘zapft is!Frauen an den Herd!Der Befund wird seit Langem beklagt, doch Veränderungen sind auch in der Kulinarik träge: Die Spitzengastronomie ist noch immer eine Männerdomäne. In Hamburg werden am 13. September beim Chef:in-Award zum ersten Mal ausschließlich Köchinnen ausgezeichnet. Eine lobenswerte Veranstaltung für die Branche, für Normalsterbliche ein guter Anlass, mal wieder in einem Restaurant einzukehren, wo eine Frau den Löffel schwingt. Etwa im „Spielweg“ im Münstertal, wo Viktoria Fuchs (ausgebildet bei der wunderbaren Douce Steiner im „Hirschen“ in Sulzburg) Gugelhupf vom Entenleber-Parfait mit Markgräfler Aprikosenragout serviert.Lesen Sie auchKunst im ArchitekturdenkmalDer Kunstmarkt kriselt, manche tun was dagegen. In Wien findet vom 11. bis 13. September die „Astoria Artshow“ statt, der Auftakt zu einer neuen Kunstmesse. Dafür fanden die Veranstalter, ein Verbund Wiener Galeristen, eine spektakuläre Location: die „älteste Tageslichtgarage Europas“, 1918 erbaut und 1935 um einen sechsstöckigen Turm erweitert. Parallel findet auch das Galerienfestival „Curated by“ statt. Eines der Highlights: die neuen Seerosenbilder von Erik Schmidt in der Galerie Krinzinger, eine Fortsetzung der ironischen Selbstbeschäftigung des Künstlers und eine freche Verbeugung vor Claude Monet.Lesen Sie auchWeltmeisterschaft der WildpasteteDie Argumente für mehr Wild auf dem Speiseplan sind bekannt: kräftige Aromen, keine Massentierhaltung, mageres Fleisch durch aktiven Lifestyle der Tiere. Im elsässischen Fünfsternehotel „Le Chambard“ in Kaysersberg veranstaltet der mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Koch (und Jäger) Olivier Nasti vom 12. Oktober bis zum 17. November zum vierten Mal sein Jagdfestival. Zu den Programmpunkten zählen das ganze Wildschwein vom Spieß, der Lièvre à la Royale (mit der legendären Blutsauce) und die Weltmeisterschaft der Wildpastete. Man muss schon ein hartgesottener Vegetarier sein, um da nicht Appetit zu bekommen.Wiedersehen mit Kate MossEdward Enninful, ehemaliger Chefredakteur der britischen „Vogue“, kuratiert die Ausstellung „The 90s: Art & Fashion“ in der Tate Britain (8. Oktober bis 14. Februar) – und keiner wäre dafür besser geeignet. Damals arbeitete er für das Magazin „i-D“ und erlebte die Aufstiege von Künstlern wie Damien Hirst, Supermodels wie Kate Moss oder Fotografinnen wie Corinne Day. Was damals geschah, wirke bis heute nach, sagt Enninful: „Die Verschmelzung von Hoch- und Massenkultur, die Politisierung von Mode und Bildern und der Aufstieg von Diversity als kreative Kraft. Was die 90er definiert hat, war kein bestimmter Moment, sondern eine Energie – die Ablehnung von Machtstrukturen und der Glaube daran, dass neue Stimmen gehört werden sollten.“ Und wenn man schon mal in London ist: „The Burberry Trench: Crafting an Icon“ im V&A klingt auch vielversprechend herbstlich.Design als EventDas neue Berliner Designfestival „Currents“ bespielt vom 10. bis 12. September die ganze Stadt – mit einer Lampe des norwegischen Künstlers Yngve Holen für Grau am Savignyplatz, dem Stardesigner Konstantin Grcic im Deutschen Designmuseum oder einer Feier des Eternithauses im Tiergarten. Und in der PanAm Lounge präsentieren Charlotte Paulus, Fabian Freytag und das Auktionshaus Grisebach ihr gemeinsames Projekt „Memories of the Unknown“. Inspiration war die zeitgleich stattfindende Art Week: Wie die Kunst soll auch Design zum Event werden.Entspannt in VenedigDie wie immer umstrittene Biennale doch noch besuchen? Zumindest den österreichischen Pavillon von Florentina Holzinger (der mit den Jetskis im Urinpool) sollte man wohl gesehen haben. Und die Soundinstallation im Pavillon des Vatikan. Und die neue Fondazione des Modedesigners Dries van Noten im Palazzo Pisani Moretta. Und die gerade eröffnete Kunstinsel San Giacomo der Turiner Sammlerfamilie Rebaudengo. Diese Liste könnte noch erheblich länger sein. Jetzt ist ein Venedig-Besuch viel schöner als zur Eröffnung oder im unerträglichen Sommer. Im Herbst ist sogar „Harry’s Bar“ entspannt. Nicht verpassen: Frühstück in der „Pasticceria Tonolo“ – und das legendäre Hotel „Danieli“ hat auch wieder geöffnet.Blaublütige GangsterVerlotterte britische Upperclass im Drogensumpf, dahinter steckt natürlich der Regisseur Guy Ritchie, der sich auf krachlederne Plots mit einer ordentlichen Dosis aus der Zeit gefallenen Testosterons spezialisiert hat. Seit dem 3. September läuft die zweite Staffel der Gangsterkomödie „The Gentlemen“, perfekter Stoff für ein durchgebingtes Regenwochenende. Ein guilty pleasure, ohne Zweifel, doch ihr Schöpfer würde das vermutlich als Kompliment verstehen. Und dem selbstgefälligen Theo James kann man ebenso schwer widerstehen wie dem als Gustavo Frings in „Breaking Bad“ legendär gewordenen Giancarlo Esposito. Wer’s anspruchsvoller mag: Seit dem 3. September läuft „Vaterland“, der hochgelobte Film des polnischen Regisseurs Paweł Pawlikowski über eine Reise von Thomas Mann (Hanns Zischler) und seiner Tochter Erika (Sandra Hüller) durch das geteilte Nachkriegsdeutschland.Lesen Sie auchMelodien des TraumstrandsDer Musikproduzent und Autor Daniel Haaksmann hat ein Buch über die brasilianische Musik des 20. Jahrhunderts veröffentlicht. „It began in Ipanema“ (Sorry Press) ist der hinreißend-reißerische Titel dieser kenntnisreichen Erkundungsreise, die auf jahrzehntelanger Beschäftigung mit der Materie basiert – schon seine Debüt-EP 2008 hieß „Who’s Afraid of Rio?“. Sommersehnsucht als musikalischer Deep Dive. Natürlich gibt es eine gleichnamige Spotify-Playlist, die man schon nach dem ersten Mal nicht mehr aus dem Ohr kriegt. Denn bei den ersten Stürmen sollte man nicht vergessen: Wenn der Sommer in Deutschland vorbei ist, fängt er auf der Südhalbkugel gerade erst an.
Herbstbeginn: Genussvolle Rückkehr ins gesellschaftliche Leben - WELT
Der Herbst bringt neue Kunstmessen, Ausstellungen und kulinarische Termine. Dazu kommen Mode für die Saison, Serien für Regentage und Musik aus Brasilien.







