Die Linke hat rechnerisch gute Chancen, erstmals die Regierungschefin zu stellen. Doch in der Partei ist umstritten, ob man überhaupt regieren will.
Nur wenige Worte reichten aus, und Berlin debattierte mal wieder über die Regierungsfähigkeit der Linken. Unmittelbar nachdem am letzten Augustwochenende auf einer Neuköllner Wahlkampfbühne die Worte „Intifada“ und „Death to the IDF“ gerappt wurden, meldeten SPD und Grüne Zweifel an einem neuen rot-grün-roten Regierungsbündnis an. „Die Linke in Berlin muss jetzt klarmachen, ob sie überhaupt regieren kann und will“, sagte etwa der Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf.
Doch die Attacken auf diese einzige Machtoption der Linken kamen nicht nur von der politischen Konkurrenz. Auch in den eigenen Reihen wurde schnell erneut gegen eine Regierungsbeteiligung agitiert, nachdem sich die Parteispitze von dem Auftritt des Rappers Dahabflex distanzierte. Im Szenemedium „Klasse gegen Klasse“ hieß es etwa, eine „konsequente Palästinasolidarität“ könne es nur „gegen die Regierung“ geben.
Die Situation wirkt paradox: Einerseits zeichnet sich kurz vor der Wahl ab, dass die Linkspartei die Chance hat, stärkste Kraft zu werden. Erstmals in ihrer Geschichte könnte die Partei mit Spitzenkandidatin Elif Eralp das Amt der Regierenden Bürgermeisterin besetzen. Doch was in anderen Parteien nur selten eine Frage ist – ob man die politische Macht überhaupt will –, ist im Berliner Landesverband mit inzwischen über 18.000 Mitgliedern umstritten.






