Markus Söder betritt das Prinz-Carl-Palais, wo nach den Sitzungen seines Kabinetts immer die Pressekonferenz stattfindet. Alles wie üblich, doch etwas ist ganz anders heute – nämlich der junge Mann an Söders Seite, die beiden plaudern noch beim Hineingehen. Es ist der Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause. Ein Grüner in dem Palais, in dem sonst nur Ministerinnen und Minister von CSU und Freien Wählern sprechen, zuweilen externe Gäste wie aus der Wirtschaft oder von Verbänden. Was ist da los?Zuvor schon hatte Krause am Dienstagvormittag an der Sitzung des Kabinetts in der Staatskanzlei nebenan teilgenommen. Dem Vernehmen nach hatte bislang noch kein Grüner zur Sitzung des Kabinetts den Saal betreten. Die Zusammenarbeit von Freistaat und Stadt und deswegen von CSU und Grünen hat einen Grund: München will sich als deutscher Kandidat für Olympische Spiele durchsetzen.Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird am 26. September entscheiden, ob Berlin, die Region Rhein-Ruhr mit Köln als Zentrum oder eben München nominiert wird, um dann als Bewerber ins internationale Rennen des IOC zu gehen. Der DOSB hat sein Interesse an den Sommerspielen 2036, 2040 oder 2044 hinterlegt.„Wir wollen noch mal mobilisieren, wir wollen noch mal werben, wir wollen den Schulterschluss“, verkündet Söder. Die „Strahlkraft“ werde bei drei guten Bewerbungen am Ende entscheidend sein. Er glaube, dass München „ein hervorragendes Sommermärchen“ bieten könne. Olympia und Paralympische Spiele seien eine „Riesenchance für unser Land“, sie würden das Signal „für Freundschaft, Freiheit, Sport und Miteinander“ sein. Bayern sei weltweit eine der bekanntesten Regionen, „mit positiver Identität“. Dazu gehörten auch Faktoren wie Lebensfreude, Stichwort Oktoberfest.Der Münchner OB Dominik Krause, Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann (von links) setzen sich gemeinsam dafür ein, dass München die deutsche Bewerberstadt für die Olympischen und Paralympische Spiele wird.Foto: Peter Kneffel/dpaVor allem wirbt Bayern auch mit Nachhaltigkeit. Im Kabinettsbericht heißt es: „Das Münchner Konzept steht für kurze Wege, kurze Reisezeiten und setzt die Athletinnen und Athleten in den Mittelpunkt. Rund 90 Prozent der Wettkampfstätten liegen in einem Radius von weniger als 30 Kilometern.“ Nahezu alle Sportstätten von 1972, als München schon mal Gastgeber war, sind bis heute in Betrieb. München und der Freistaat könnten Großereignisse stemmen „wie kaum jemand anders“, so Söder, auch in puncto Sicherheit. Man denke an die Münchner Sicherheitskonferenz, zuletzt gleichzeitig mit einer Massendemonstration von Exil-Iranern.Einen „gigantischen Booster“ für die Infrastruktur sieht KrauseBei einem Bürgerentscheid 2025 haben sich 66,4 Prozent der Münchnerinnen und Münchner für Olympia ausgesprochen. OB Krause verweist am Dienstag noch einmal auf dieses starke Votum. Wenn man auf die Infrastruktur der Stadt und die Erfahrungen von 1972 blicke, wäre Olympia „ein gigantischer Booster“, meint er.„Olympia bringt Spirit in die Gesellschaft“, stellt auch Innen- und Sportminister Joachim Herrmann fest. Es sei aber nicht das einzige Großereignis, das München künftig ausrichten will. Unter anderem bewirbt sich die Landeshauptstadt für das Champions-League-Finale 2028 und die Leichtathletik-WM 2029 oder 2031. In den kommenden Jahren stehen weitere Events mit Austragungsorten in Bayern in Aussicht: etwa die Baseball-EM 2027 in Regensburg und München, die WM im Rennrodeln 2028 am Königssee oder die Nordische Ski-WM 2031 in Oberstdorf. Der Freistaat investiere auch in den Breitensport, betont Herrmann. Die Mittel für den Breiten- und Nachwuchsleistungssport befänden sich auf Rekord-Niveau, der Gesamtansatz liege dauerhaft bei mehr als 100 Millionen Euro jährlich.Zurück zu Söder und Krause, sie loben sich gegenseitig. Mit dem grünen OB, sagt Söder, habe Olympia „noch einmal Schwung erfahren“, er erkenne „große Leidenschaft“, man spiele in einem gemeinsamen Team. Krause sagt über die Kabinettssitzung: Wenn diese immer so konstruktiv laufe, komme er gern wieder.CSU-Fraktionschef Holetschek:„Macht der Klaus, weiß der Klaus“CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek ist ein mächtiger Mann und nah dran an Markus Söder. Warum er dennoch schon mal mit einem Käsebrot verglichen wird. Ein Besuch daheim in Schwaben.Frage an den Ministerpräsidenten bei der Pressekonferenz: Ergeben sich aus dieser fruchtbaren Zusammenarbeit von CSU und Grünen womöglich Lerneffekte allgemeiner Art? Söder hatte die Wahlkämpfe 2025 (Bundestag) und 2023 (Landtag) ja mit viel Grünen-Bashing bestritten. Schwarz-Grün als Option gilt in der CSU nach wie vor als unerwünscht, laut geltender Ansage des Parteichefs. Gleichwohl gibt es in der CSU durchaus Stimmen, die gerade in Zeiten erstarkender politischer Ränder Ausschließeritis im demokratischen Spektrum nicht befürworten. Bei ihrer Klausur in Kloster Banz demnächst will sich die CSU-Fraktion im Grundsatz über künftige Strategien austauschen.Bei seiner Bierzeltrede am Gillamoos am Montag hatte Söder auf derbe Schelte für die Grünen verzichtet und eine – den Nachwehen der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt angemessene – recht staatstragende Rede gehalten. Sind die schwarz-grünen Olympia-Bande also ein Signal? So eine Frage, spöttelt Söder, könne nur die Süddeutsche Zeitung stellen. Er habe auch mit SPD-OB Dieter Reiter gut zusammengearbeitet. Es gebe immer Punkte mit unterschiedlicher Meinung, „die Stadt will im Zweifel immer mehr Geld“. Aber bei Krause als Person habe ihn das „offene Zugehen“ und der Einsatz für den Sport „bislang sehr beeindruckt“. Es sei „ein Gewinn“, wenn sich der Ministerpräsident und der OB der Landeshauptstadt „vernünftig miteinander unterhalten können“.Krause ergänzt: Der Freistaat brauche die Landeshauptstadt; und umgekehrt. Mehr Geld benötige er in der Regel für die Münchner Lebensqualität und Wirtschaft, zum Wohle des Freistaats also. Bei Olympia wie generell gelte: „Wenn man gemeinsam etwas macht, funktioniert es im Zweifelsfall besser.“
Krause im Kabinett: CSU und Grüne ziehen bei Münchens Olympiabewerbung an einem Strang
Als erster Grüner hat Münchens OB Krause an einer Sitzung des bayerischen Kabinetts teilgenommen. Ein Zeichen? Söder antwortet spöttisch.






