Noch zieht er es durch. Im Wahlkampf hatte Dominik Krause angekündigt, dass er als Oberbürgermeister hauptsächlich mit dem Fahrrad und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein wolle. Auch an diesem Tag ist der Grünen-Politiker mit dem Rad gekommen, trotz der draußen herrschenden 32 Grad – wenngleich es sich um ein E-Bike handelt, wie er einräumt. Und immerhin ist es im Munich Urban Colab angenehm kühl, während das Rathaus am Marienplatz keine Klimaanlage habe, wie der OB verrät.Seit Mai ist Krause im Amt, in der Stichwahl hatte er seinen Vorgänger Dieter Reiter (SPD) besiegt. Aufbruch und Erneuerung hatte er im Wahlkampf versprochen. Doch schon jetzt zeigt sich: Beim Erneuern werden sich Krause und seine Stadtregierung vor allem an den städtischen Finanzen abarbeiten. Wie geht das zusammen, Aufbruch und Sparkurs? Wie kann man eine Stadt klimafreundlich und nachhaltig umbauen in Zeiten leerer Kassen? Um diese Fragen dreht sich der Abschlusstalk des SZ-Nachhaltigkeitsgipfels am Mittwochnachmittag.Klamme Kommunen:Münchens Stadtspitze protestiert gegen den BundDie Regierung in Berlin wälze immer mehr Aufgaben auf die Kommunen ab, ohne die Finanzierung zu übernehmen, sagt Oberbürgermeister Dominik Krause. Und auch der Fischbrunnen bleibt aus Protest trocken.Krause ist da gleich mittendrin in seiner neuen Rolle als Erklärer des Münchner Haushalts. Eine halbe Milliarde Euro will die sogenannte Mango-Koalition im Rathaus von 2029 an im laufenden Haushalt einsparen, vergangene Woche stellte sie ein erstes Sparpaket vor. Nach der tropischen Frucht ist die Stadtregierung wegen ihres breiten farblichen und politischen Spektrums benannt: von der Rosa Liste über die Grünen und die SPD bis hin zur FDP und den Freien Wählern. Deren Vorsitzender Hubert Aiwanger, bekanntlich kein Freund der Grünen, hatte am Vormittag auf der Bühne gesessen. Ob Krause auch ihn in seine Koalition aufnehmen würde? „Wenn Hubert Aiwanger vom Staatsminister zum Stadtrat werden möchte, dann würde ich mit ihm ins Gespräch gehen“, sagt er.Krause präsentiert sich als Mann der Integration und des Kompromisses, zu dessen Verständnis von Nachhaltigkeit es auch gehört, in der Stadtpolitik eine neue Kultur zu etablieren. So hat er der CSU einen wichtigen Posten in der Regierung angeboten, obwohl sie im Stadtrat in der Opposition sitzt. In der Verkehrspolitik will er weg vom „Kulturkampf“ um die Radwege. Die Zusammenarbeit mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) bezeichnet er als „sehr gut“. Das Abwägende macht ihn mitunter aber auch schwer greifbar.Ausgaben in Höhe von bis zu 95 000 Euro für einen einzigen Baum in der Innenstadt, während die Stadt zugleich die Kitagebühren erhöht und den kostenlosen Kindergarten abschafft? Man könne das nicht gegeneinander aufwiegen, sagt Krause und verliert sich ein wenig in Details zum Unterschied zwischen dem laufenden Verwaltungshaushalt und den Investitionen. Zu letzteren gehörten eben, als Beitrag zur Klimaanpassung, die Bäume. „Auch für eine Familie ist es angenehm, wenn sie Bäume in ihrer Umgebung hat.“ Ein Besucher wird später im Fragenteil anmerken, dass die Stadt auch die Bildung ihrer Kinder als Investition sehen könnte.Dass die Stadtregierung an Familien sparen will, hatte nur wenige Tage nach Krauses Amtseinführung zu einem Streit mit der bayerischen Staatsregierung geführt – wegen der Frage, wer nun verantwortlich für die geplanten Teuerungen ist. Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) hatte ihm „Fake News“ vorgeworfen. Sie argumentierte, dass der Freistaat zwar den Kindergarten-Zuschuss in Höhe von 100 Euro pro Kind abgeschafft habe, das Geld in anderer Form jedoch weiter an die Kommunen fließen werde.„Wohnen, Wohnen, Wohnen“ als wichtiges Thema auf der StraßeZu den finanziellen Details gebe es „unterschiedliche Einschätzungen“, sagt Krause im Munich Urban Colab. Am Ende bleibe aber eine Unterfinanzierung des Systems. Die Stadt versuche die Belastungen sozial gerecht zu gestalten, Familien mit geringen Einkommen müssten weiterhin geringe oder gar keine Gebühren bezahlen. Wenn Bund und Länder die Kommunen nicht besser unterstützten, drohe allerdings noch Schlimmeres. Noch gehört München zu den glücklichen fünf Prozent der Kommunen mit mehr als 50 000 Einwohnern, die einen ausgeglichenen Haushalt haben. 95 Prozent schaffen das nicht mehr.Das Thema, auf das Krause auf der Straße am meisten angesprochen werde, ist indes ein anderes. „Wohnen, Wohnen, Wohnen“, sagt der OB. 50 000 Wohnungen hat er im Wahlkampf versprochen, an dieser Zahl wird er sich messen lassen müssen. Nun ist Bauen per se wenig klimafreundlich. Krause verweist darauf, dass nicht aller Wohnraum neu entstehen soll, sondern ein Teil auch durch die Umnutzung von leerstehenden Büroflächen. „Nachhaltiger kann man neuen Wohnraum nicht schaffen.“ Demnächst soll der Stadtrat die Einrichtung einer Umwandlungsagentur dafür beschließen. Mit dem Bauturbo des Bundes werde es bei dem Thema künftig schneller vorangehen, prophezeit der OB. Und schon jetzt meldeten sich viele Eigentümer, die das umsetzen wollten.Was er in sechs Jahren geschafft haben will? Die Stadtverwaltung zu reformieren, auch wenn das „unsexy“ klinge. Von den angekündigten 50 000 Wohnungen „möglichst viele“ gebaut zu haben. Und, so wünscht Krause es sich: Die Stadt solle in sechs Jahren mitten in den Vorbereitungen für Olympia stecken.Dass in München wieder Olympische Spiele stattfinden könnten, darauf setzt der OB in kommunalpolitisch schwierigen Zeiten viele Hoffnungen. Es würde der Stadt guttun, „wenn wir auf der Weltbühne auftreten und die ganze Welt bei uns begrüßen können“. Vor allem aber wäre es ein „Booster für unsere Infrastruktur“. Die U-Bahn könnte schneller ausgebaut werden, ein neues Stadtviertel könnte schneller gebaut werden. Krause sieht darin ein „stimmiges Gesamtpaket, das auch sehr nachhaltig ist“.