Apple war einmal die beste Aktie der Welt. Kann sie der neue CEO wieder an die Spitze bringen – etwa mit einem neuen iPhone?Der neue Apple-Chef John Ternus muss die Aktionäre bei der Stange halten. Er versucht es mit neuen Produkten, höheren Preisen und Zurückhaltung bei KI.09.09.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenDer Erfolg hängt stark am iPhone. KI spielt bei Apple eine Nebenrolle.Maxim Shemetov / ReutersFür Apple hat am 1. September mit dem Amtsantritt von John Ternus als CEO eine neue Ära begonnen. Das gilt auch für die Aktionäre. Ternus’ Vorgänger Tim Cook hatte Apple zur erfolgreichsten Aktie der Welt gemacht. Unter Cooks Amtsführung seit 2014 hat sie eine Performance von über 2700 Prozent hingelegt, Dividende eingerechnet. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 25 Prozent. Der breite US-Index S&P 500 rentierte in der gleichen Periode rund 14 Prozent.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Vor dem Aufstieg Nvidias war Apple auch die unbestritten populärste Aktie der Welt. Sie befindet sich weltweit in unzähligen Anleger-Depots, Anlagefonds und in den Portfolios von Pensionskassen und Zentralbanken. Apple ist die grösste Position des Star-Investors Warren Buffett, wobei er diese allmählich reduziert. Doch seit dem Beginn der KI-Euphorie Ende 2022 kann Apple nicht mehr mit den anderen grossen US-Tech-Konzernen mithalten.Haben die Aktien ihre beste Zeit hinter sich? Kann die neue Führung Apple fit für das KI-Zeitalter machen? Das sind die aus Anlegersicht wichtigsten Fragen und Antworten zum Amtsantritt von John Ternus.Wird Ternus wegweisende Produkte lancieren?Das 2007 vom Apple-Guru Steve Jobs eingeführte iPhone ist bis heute Taktgeber und wichtigster Umsatzträger des Konzerns. Nach Jobs’ Tod baute Tim Cook die Produktlinie mit Nachdruck aus. Später lancierte er erfolgreiche Produkte wie die Apple Watch, die Airpods oder Airtags. Sie haben sich zwar etabliert. An den durchschlagenden Erfolg des iPhone konnte aber keines anknüpfen. Die Abhängigkeit vom Urprodukt bleibt riesig.Der im kalifornischen Cupertino ansässige Konzern ist bekannt für gutes Design und Marketing, aber nicht für Innovation. Ternus könnte das ändern. Denn im Gegensatz zu Cook, der aus dem operativen Bereich kommt, ist Ternus der ehemalige Hardwarechef. Er weiss, wie man gute Produkte baut. Und die Pipeline ist offenbar gut gefüllt. Die neuen Produkte sind grösstenteils das Werk von Ternus und seinem Team.Bei seiner ersten Produktvorstellung am 9. September dürfte Ternus ein faltbares Smartphone vorstellen. Für die iPhone-Produktlinie ist das eine wegweisende Weiterentwicklung. Wobei Apple auch hier Nachzügler ist. Die Konkurrenten Huawei und Samsung haben «Foldables» seit 2019 im Angebot. «Nächste Woche steht eine grosse Markteinführung an, die einfach phänomenal werden wird», schrieb Ternus den Mitarbeitenden Anfang September anlässlich seines Amtsantritts.Nebst dem faltbaren Handy, das «iPhone Ultra» heissen soll, dürfte Ternus die Neuauflage des iPhone (18. Serie), aktualisierte Apple-Uhren sowie weitere Produktweiterentwicklungen vorstellen. Wahre Innovationen soll es gemäss einschlägigen Portalen erst 2027 geben, etwa die erste smarte Apple-Brille oder Airpod-Kopfhörer, die mit Kameras ausgestattet sind. Später sollen ein tischgestützter, KI-gesteuerter Roboterarm, faltbare iPads sowie Augmented-Reality-Brillen dazukommen.Kann Apple höhere Preise durchsetzen?Trotz Neuheiten wird das iPhone unumgänglich bleiben. Im zweiten Quartal trug es mit 57 Milliarden Dollar mehr als 51 Prozent zum Konzernumsatz bei. Das Produkt wird zwar immer weiter verfeinert, und es gibt mittlerweile ein globales Ökosystem, das rund 1,5 Milliarden iPhone-Nutzer umfasst.Doch Apple geht selten das Risiko ein, komplette Neuerfindungen zu lancieren. Auch die faltbaren Smartphones anderer Hersteller sind als teure Nischenprodukte bereits etabliert. Das iPhone Ultra dürfte mehr als 2000 Dollar kosten. Auch wenn es kommerziell erfolgreich sein sollte, wird es das iPhone nur ergänzen.Die neuen Produkte dürften Apples Zahlen nicht merklich beeinflussen. Der Konzern muss sich weiterhin auf den Absatz des iPhones und von Diensten wie Apple Store, iCloud und Apple Pay verlassen. Hier wird Ternus Preiserhöhungen nicht vermeiden können.Apple leidet wie die gesamte Elektronikbranche unter Engpässen bei Komponenten, insbesondere Speicherchips. Diese werden in grossen Mengen für den Bau von KI-Rechenzentren gebraucht, was die Preise nach oben treibt. Auch in der Schweiz dürften die iPhone-Preise steigen.Für Ternus wird entscheidend sein, ob die Konsumenten bereit sind, die höheren Preise zu zahlen, und Apple die Gewinnmargen so halten kann. Sonst würde das die Profitabilität und damit die Aktien belasten.Womit kann Ternus die Investoren überzeugen?Tim Cook war kein Visionär wie Steve Jobs, sondern ein Meister des Lieferkettenmanagements. Er hat Apples Produkte und Dienste zu einem geschlossenen, lukrativen Ökosystem ausgebaut. Dank der loyalen Kundenbasis ist Apple eine Geldmaschine sondergleichen mit hohen wiederkehrenden Cashflows.Investoren schätzen bis heute das stabile Geschäftsmodell und die verlässlichen Einkommen. Auch ohne Innovationen verstand es Cook, die Nachfrage nach iPhone, Macs und Diensten zu steigern. Die Börse hat dies lange honoriert. Apple war das erste Unternehmen, das im August 2018 eine Bewertung von einer Billion Dollar erreichte.Doch seit dem Start der KI-Revolution sind Anleger unruhig. Von Ternus fordern sie sichtbare Wachstumsimpulse, bei den Produkten, aber auch bei der Integration von KI. Apple ist hier im Rückstand. Im Gegensatz zu anderen Tech-Konzernen wie Alphabet, Meta oder Microsoft beteiligt sich Apple auch nicht am Ausbau der KI-Rechencenter-Kapazitäten, der Hunderte Milliarden Dollar verschlingt.Gemäss Ternus soll sich daran nichts ändern. Anlässlich der jüngsten Quartalszahlen sagte er: «Eines der Markenzeichen von Tims Amtszeit war seine Umsicht, Bedachtsamkeit und Disziplin bei finanziellen Entscheidungen. Und ich möchte, dass ihr wisst, dass Kevan [Parekh; der Finanzchef von Apple] und ich beabsichtigen, dies fortzusetzen.»Wird Ternus Apples Rückstand bei KI aufholen?Finanziell ist es für Apple kurzfristig geschickt, sich nicht am KI-Wettrüsten zu beteiligen. Dadurch bleiben dem Konzern die Milliardeninvestitionen, auch durch Schuldenaufnahme, erspart. Doch Investoren sind besorgt, dass Apple den Anschluss verlieren könnte, wenn der Konzern nicht selbst KI-Kompetenzen aufbaut und diese in neue Produkte, Services und steigende Erträge überführen kann.Konsumenten nahmen die jüngste Integration von KI in den Sprachassistenten Siri positiv auf. Mit führenden Sprachmodellen wie Chat-GPT oder Claude kann Apple aber nicht mithalten. Ternus verspricht Besserung, wird Apple aber nicht zu einem KI-Unternehmen machen.Gegenüber dem US-Branchenblatt «Tom’s Guide» erklärte Ternus vor Amtsantritt, dass KI in den Produkten zum Einsatz komme, etwa bei den Live-Übersetzungen über Airpods. «Wir nutzen diese Technologie, um sinnvolle Erlebnisse zu schaffen», das sei seine Herangehensweise.Ist die Bewertung der Aktien gerechtfertigt?Wie eine mögliche KI-Offensive unter Ternus aussehen wird, ist offen. Die Aktien haben denn auch kaum auf seinen Amtsantritt reagiert. Die Marktkapitalisierung von Apple liegt mit 4,7 Billionen Dollar nur wenig unter dem Höchststand von Ende Juli. Obwohl Apple kein KI-Pionier ist, sind die Apple-Aktien hoch bewertet.Das Verhältnis von Aktienkurs zu geschätzten Gewinnen in einem Jahr beträgt 34. Das ist deutlich höher als bei Alphabet, Amazon, Microsoft, Meta und sogar Nvidia. Bei Anlegern kommt das beständige, verhältnismässig risikoarme Geschäftsmodell mit hohen Eintrittsbarrieren offenbar noch gut an.Gemäss Bloomberg spricht sich eine Mehrzahl der Analysten für das Kaufen oder Halten von Apple-Aktien aus. Die Bewertung geht jedoch von weiterhin hohem Gewinnwachstum aus. Ternus wird also auch mit höheren Gerätepreisen für profitables Wachstum sorgen müssen, um die gegenwärtige Bewertung der Aktien zu rechtfertigen. Stagnieren die Gewinne, wird es für ihn schwierig sein, Apples Erfolgsgeschichte an der Börse fortzuschreiben.Passend zum Artikel