John Ternus: der Ingenieur, der Apple neu erfinden mussDer neue CEO übernimmt von Tim Cook einen Konzern auf dem Höhepunkt – und mit einem absehbaren Problem. Wer ist der Mann, der nun die Geschicke der Firma leitet?29.08.2026, 05.30 Uhr7 LeseminutenDer 51-jährige John Ternus wird ab September CEO des Apple-Konzerns.Adam Gray / Bloomberg / GettyJohn Ternus ist kein Mann des Rampenlichts. Es gibt wenige Videos und noch weniger Interviews mit ihm, obwohl er telegen ist: volles Haar, markantes Kinn, eloquent. Doch für seine Alma Mater machte Ternus eine Ausnahme.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.2024 trat er vor das Mikrofon an der University of Pennsylvania und gab den frischgebackenen Absolventen des Ingenieurstudiums einen Rat mit auf den Weg: «Im Laufe eures Berufslebens wird es viele Situationen geben, in denen ihr euch einer neuen Herausforderung stellen müsst», sagte Ternus, der damals die gesamte Hardware-Entwicklung bei Apple verantwortete. «Und manchmal werdet ihr euch vielleicht fragen, ob ihr das tatsächlich schaffen könnt.» Der Schlüssel sei, so riet Ternus, neuen Aufgaben immer mit Demut zu begegnen und von anderen zu lernen.Es war ein zutiefst menschlicher Ratschlag, der zu dem bedächtigen Ternus passte. Ab Dienstag wird er diesen Rat selbst beherzigen können: Dann wird der 51-Jährige der neue CEO von Apple, dem führenden Consumer-Tech-Konzern unserer Zeit.Die Entscheide von Ternus werden dann das Konsumverhalten von Milliarden von Menschen prägen sowie das Geschehen an den Aktienmärkten. Mit einer Bewertung von 4,5 Billionen Dollar ist Apple der Leitwolf an der Börse. Und die Investoren sind von Ternus’ Vorgänger verwöhnt worden: Unter Tim Cook stieg Apples Aktienkurs um rund 2000 Prozent.Doch wer ist der Mann, der nun die Fussstapfen von Cook ausfüllen muss? Welche Herausforderungen kommen auf ihn zu – und welche neuen Produkte auf die Kunden?Über Ternus’ Herkunft ist praktisch nichts bekanntJohn Patrick Ternus wurde 1975 in Kalifornien geboren. Wann genau und wo genau und aus welchem Elternhaus er stammt – all das ist nicht bekannt. Ternus sei «extremely private», hört man immer wieder: Er lege grossen Wert auf seine Privatsphäre.Heerscharen von Journalisten haben sich auf Spurensuche begeben, um herauszufinden, was es mit dem Ring auf sich hat, den Ternus am linken Ringfinger trägt. Doch vergebens: Ob es tatsächlich ein Ehering ist und ob Ternus mit einem Mann oder einer Frau liiert ist, ob er Kinder hat – all das ist nicht bekannt.Es passt zu dem Bild eines Mannes, den Wegbegleiter als bodenständig und nett bezeichnen. Als Teamplayer. Ternus habe «den Kopf eines Ingenieurs, die Seele eines Erneuerers und das Herz, um mit Integrität und Ehre zu führen», pries ihn sein Vorgänger Cook an, der über sein Privatleben ebenfalls lieber schweigt.In dieses Bild von Ternus fügt sich aber nicht so ganz das Hobby, das er leidenschaftlich pflegt: in seinem Porsche über Rennpisten zu heizen. Seit Jahren reist Ternus mit seinem Sportwagen zu Amateurrennen in ganz Kalifornien, nach Spanien, nach Portugal. Wie ein Sportkamerad der NZZ erzählt, darf Ternus aber derzeit nicht mehr selbst fahren. Offenbar ist es Apple zu heikel, wenn der designierte CEO mit 250 Kilometern pro Stunde über den Asphalt düst.Ab Beginn des Studiums ist über Ternus’ Werdegang öffentlich mehr bekannt: Er studierte Maschinenbau an der Universität Pennsylvania, einer der renommiertesten Hochschulen des Landes. An der Uni war er Teil des Eliteschwimmteams. Zu dessen Ritualen gehörte es, dass Erstsemester im Winter in der Badehose über den Campus laufen mussten. Ternus, der Teamplayer, machte mit.Jedes Apple-Gerät lief über seinen SchreibtischDen Bachelorabschluss in der Tasche, begann Ternus als Ingenieur bei einem Startup, das Virtual-Reality-Headsets baute. In den späten neunziger Jahren war das eine geradezu futuristische Technologie.Nach vier Jahren, mit 26, wechselte er 2001 zu Apple – zu einem Zeitpunkt also, als der Konzern jahrelang am Boden gelegen hatte und nun dank Steve Jobs’ Rückkehr wie Phoenix aus der Asche stieg. Unter Jobs brachte Apple einen Elektronikhit nach dem anderen auf den Markt: den iPod, das iPhone, das iPad.Und Ternus war mittendrin. Als erstes grosses Projekt entwarf er das Apple Cinema Display, einen hochauflösenden Flachbildschirm. Um sicherzustellen, dass das Licht von der Rückseite des Displays tatsächlich so reflektiert würde, wie er es beabsichtigt hatte, reiste Ternus selbst nach China: Er liess sich vom Zulieferer die Schrauben zeigen und kontrollierte mit einer Lupe in der Hand, dass die Schraubenköpfe tatsächlich wie bestellt ganz genau 30 Rillen aufwiesen.Bald liefen alle wichtigen Geräte über seinen Schreibtisch. Hunderte von Patenten lauten heute auf Ternus’ Namen, selbst für einen Apple-Ingenieur ist das viel. 2013 wurde er zum zweithöchsten Hardware-Ingenieur befördert. Auch dem Topmanagement fiel Ternus zunehmend auf, und so durfte er 2017 erstmals an der Keynote von Apples Entwicklerkonferenz WWDC sprechen: eine Feuerprobe, bei der der Konzern vielversprechende Talente auf seine grösste öffentliche Bühne stellt. Ternus schlug sich tadellos.