Mike Ashley ist ruppig, mit Billigsocken reich geworden und will Hugo Boss aufmischen – wer ist der britische Milliardär?Er ist ein Selfmademan, der ein Imperium für günstige Sportbekleidung aufbaute. Seine aggressiven Übernahmen, seine Rücksichtslosigkeit und Trinkfestigkeit sind berüchtigt. Nun schickt er sich an, bei dem traditionsreichen deutschen Herrenausstatter die Kontrolle zu übernehmen.09.09.2026, 05.31 Uhr5 LeseminutenDer britische Unternehmer Mike Ashley ist immer wieder wegen seiner hemdsärmligen Methoden in den Schlagzeilen.Carl Court / GettyMike Ashley verliess die Schule mit 16 Jahren, um eine Karriere als Squash-Profi einzuschlagen. Wegen einer Verletzung platzte der Traum. Er erhielt von seiner Familie einen Kredit von 10 000 Pfund und eröffnete in der englischen Kleinstadt Maidenhead ein Sportgeschäft. Das war im Jahr 1982. Heute verfügt Ashley über ein Vermögen von umgerechnet 5 Milliarden Franken und besitzt rund 1500 Läden in ganz Grossbritannien. Er gilt als ruppig und rücksichtslos.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mit seinen Launen muss sich auch der Modekonzern Hugo Boss herumschlagen. An diesem hat der Brite in den letzten Jahren eine Beteiligung von rund 48 Prozent aufgebaut. Kürzlich hat er mitgeteilt, diesen Anteil auf über 50 Prozent aufstocken zu wollen. Zudem ist unklar, ob Ashley den Hugo-Boss-Aufsichtsratsvorsitzenden Stephan Sturm noch unterstützt.Als innovativ galt Ashley in seiner Karriere nie. Seinen Aufstieg verdankt er einem einfachen Rezept. Er machte aus seinem bescheidenen Laden die Kette Sports Direct, indem er wankende Traditionsmarken günstig aufkaufte, um sie als Discounter wieder profitabel zu machen. Seine Welt sind die Wühltische mit billigen Trainern und Turnschuhen an der High Street mit viel Laufkundschaft. Seine Strategie: hohe Volumen, tiefe Preise, radikale Rabatte und minimale Betriebskosten.Das Bündel mit den 50-Pfund-NotenZu dieser Strategie gehören auch niedrige Löhne hart an der Grenze des Erlaubten. Es würden Arbeitsbedingungen wie zu Zeiten der Industrialisierung im 19. Jahrhundert herrschen, sagte ein Gewerkschaftsvertreter laut dem «Economist» bei einer parlamentarischen Anhörung im Jahr 2016. Ashley gelobte Besserung. Aber er wies auch darauf hin, dass er den Kunden gebe, wonach sie verlangten. Wenn man 5 Franken für fünf Paar Socken bezahle, könne man keine Toplöhne erwarten.Um Transparenz zu demonstrieren, lud Ashley nach der Anhörung zu einem Tag der offenen Tür in einem der Warenlager ein. Wie alle Mitarbeiter musste er eine Sicherheitskontrolle passieren und seine Taschen leeren. Dabei kam ein dickes Bündel von 50-Pfund-Noten zum Vorschein. Es war vor allem dieser augenfällige Kontrapunkt zu den minimalen Löhnen, der bei den Journalisten hängenblieb.In Verruf kam Ashley auch in den Jahren von 2007 bis 2021, als er Eigentümer des Fussballklubs Newcastle United war. Die Fans warfen ihm vor, auch hier einen extremen Sparkurs zu fahren und den Traditionsverein lediglich als Werbeplattform für seine Firmen zu missbrauchen. So wollte er das Heimstadion in Sports Direct Arena umbenennen. Es kam zu Protesten, Boykotten, und der Klub stieg ab.Inzwischen, nach der Übernahme der Warenhauskette House of Fraser, benannte Ashley sein Firmenkonglomerat Sports Direct in Frasers Group um; er diversifiziert und verstärkt sich im gehobenen Segment. Eine Übernahme des Lederwarenherstellers Mulberry scheiterte, bei Hugo Boss hat er immer mehr zu sagen. Mit Harvey Nichols hat er zudem im August eine traditionsreiche, wenn auch finanziell angeschlagene britische Luxus-Kaufhauskette übernommen.Absprachen im PubAshleys Lebensweg ist gespickt mit Episoden, die seine hemdsärmelige Art illustrieren. Berühmt wurde sein Rechtsstreit mit dem Investmentbanker Jeffrey Blue. Die beiden trafen sich im Januar 2013 im Londoner Pub The Horse & Groom. Dabei tranken die Geschäftsfreunde mehrere Pints Bier. Laut Blue versprach ihm Ashley eine Belohnung von umgerechnet 17 Millionen Franken, wenn es ihm gelinge, den Aktienkurs von Sports Direct von 4 auf 8 Pfund pro Aktie zu verdoppeln.Ein Jahr später wurde das Ziel tatsächlich erreicht. Ashley zahlte Blue jedoch nur 1 Million als Bonus. Also forderte der Banker den Rest des versprochenen Geldes vor Gericht ein. Beim Prozess wurden Details vor der Öffentlichkeit ausgebreitet wie etwa die Erinnerung an ein Wetttrinken mit Geschäftsfreunden, bei dem sich Ashley ins Cheminée des Pubs übergab. Am Ende unterlag Blue, weil das Geschwätz im Suff an der Theke nicht als Vertrag anerkannt wurde. Er musste auf das restliche Geld verzichten und die Gerichtskosten übernehmen.Ebenfalls vor Gericht beschrieb ein Finanzberater, wie Ashley bei langweiligen Präsentationen während Sitzungen unter dem Konferenztisch verschwand, um ein Schläfchen zu machen. Wenn allzu lange über Entscheidungen diskutiert wurde, schlug er den Teilnehmern gelegentlich vor, einfach eine Münze zu werfen.Konkurrenten heimlich gefilmtAuch die Cowgill-Affäre von 2021 warf ein grelles Licht auf seine brachialen Geschäftsmethoden. Es ging darum, dass JD Sports, ein wichtiger Konkurrent von Ashley, den Streetwear-Einzelhändler Footasylum übernehmen wollte. Weil die Wettbewerbsbehörde untersuchte, ob alles mit rechten Dingen zu und her ging, war es den Geschäftsführern zu diesem Zeitpunkt verboten, Informationen auszutauschen.Trotzdem trafen sich Peter Cowgill, damaliger JD-Sports-Chef, und Barry Bown, zu jener Zeit CEO von Footasylum, heimlich in einem Mercedes auf einem Parkplatz in Bury. Aber Ashley liess Cowgill schon seit längerem beschatten, und die Unterredung wurde heimlich gefilmt. Anschliessend spielte Ashley die Aufnahmen der «Sunday Times» zu. Die Aufsichtsbehörde verhängte Millionenstrafen gegen die beiden Firmen, und Cowgill musste von seinem Posten zurücktreten.In seiner typisch lakonischen Art kommentierte Ashley, Cowgill hätte halt nicht auf dem Parkplatz sein sollen und er selbst nicht im Gebüsch. Bei anderer Gelegenheit formulierte er seine Geschäftsmoral so: «Fairness bedeutet für mich, das zu tun, was am besten für mich ist.» Ein früherer Kollege von ihm sagte über ihn: «Es macht ihm nichts aus, Schmerzen zu ertragen, solange er nur weiss, dass er dem anderen grössere Schmerzen zugefügt hat.»Tom Knight, der frühere Chef von JJB Sports, einem Konkurrenten von Ashley, sagte: «Die meisten Manager konzentrieren sich darauf, ihre Firma so erfolgreich wie möglich zu führen. Ashley hingegen konzentriert sich auch darauf, die Konkurrenz zu zerstören. Für ihn handelt es sich um einen Krieg.»Inzwischen ist Ashley 61 Jahre alt. Er hat drei Kinder aus seiner Ehe, die 2003 geschieden wurde. 2022 übergab er die operative Führung der Frasers Group an seinen Schwiegersohn Michael Murray, der in Zukunft auch die massgebende Person bei Hugo Boss sein dürfte. Dort sitzt er seit 2025 im Aufsichtsrat.Aber laut der «Financial Times» zieht Ashley im Hintergrund immer noch die Fäden. «Die Leute denken, ich sässe einfach entspannt im Liegestuhl», sagte er der Zeitung in einem seiner raren Interviews im Mai. Aber das würde nicht zu diesem unermüdlichen Kämpfer passen, der noch nie viel von Work-Life-Balance hielt. «Für mich kam das Geschäft immer an erster Stelle und die Familie an zweiter», sagte er. «Das ist vielleicht falsch, aber so ist es nun mal.»Passend zum Artikel
Der ruppige Milliardär Mike Ashley: Vom britischen Discounter-König zum Chef von Hugo Boss?
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