Mike Ashley bietet für Hugo Boss – was will der streitbare britische Grossaktionär?Die Frasers Group von Mike Ashley legt eine Offerte für Hugo Boss vor. Der Modekonzern ist jahrelang stark gewachsen, aber mittlerweile in eine schwierigere Phase geraten.11.06.2026, 13.42 Uhr4 LeseminutenBreit diversifiziert: Neben Mode stellt Boss auch Parfums und Accessoires her.Chris J Ratcliffe / ReutersDie Frasers Group legt eine Offerte für Hugo Boss vor. Der Detailhandelskonzern des britischen Milliardärs Mike Ashley, der bereits rund einen Viertel des Modekonzerns besitzt, bietet 38 Euro je Aktie, wie das Unternehmen am Mittwochabend nach Börsenschluss mitteilte. Damit wäre Hugo Boss insgesamt rund 2,7 Milliarden Euro wert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Hugo Boss erklärte, die Offerte sei nicht mit der Gesellschaft abgestimmt. Vorstand und Aufsichtsrat würden das Angebot prüfen, sobald die Angebotsunterlagen vorlägen, und danach eine begründete Stellungnahme abgeben.Mike Ashley hat es als hemdsärmliger Unternehmer zu einem Milliardenvermögen gebracht.Tayfun Salci / ImagoFrasers kommt der 30-Prozent-Schwelle zuvorDer Vorstoss hat eine Vorgeschichte. Frasers hat die Beteiligung an Hugo Boss seit 2020 schrittweise ausgebaut und liegt mit seinem direkten Anteil nur noch knapp unter der Schwelle von 30 Prozent. Ab dann müsste die Gruppe nach deutschem Übernahmerecht allen übrigen Aktionären ein Pflichtangebot unterbreiten.Hinzu kommen verkaufte Put-Optionen auf Hugo-Boss-Aktien. Vereinfacht gesagt hat Frasers damit anderen Investoren zugesagt, ihnen Aktien zu einem vereinbarten Preis abzunehmen, falls diese davon Gebrauch machen. Auch dadurch könnte Frasers über die 30-Prozent-Schwelle geraten. Mit der freiwilligen Offerte nimmt die Gruppe ein solches Pflichtangebot nun vorweg.Der gebotene Preis liegt nur etwa 4 Prozent über dem Schlusskurs vom Mittwoch. Die geringe Prämie könnte laut der «Financial Times» darauf hindeuten, dass Frasers nicht auf eine vollständige Übernahme zielt. Eher will die Gruppe wohl die Unsicherheit über ein mögliches Pflichtangebot beseitigen und ihren Einfluss bei Hugo Boss ausbauen.Für Frasers ist Hugo Boss nämlich mehr als eine Finanzbeteiligung. Die Gruppe verkauft Produkte der deutschen Modemarke über ihre eigenen Handelskanäle. Nach Angaben von Frasers gehört Hugo Boss zu den fünf wichtigsten Marken innerhalb der Gruppe.Vom Anzughersteller zur Lifestyle-MarkeSeit Mitte 2021 führt der Schweizer Daniel Grieder das Unternehmen. Er positionierte Hugo Boss neu: weg vom Image des etwas angestaubten Anzugherstellers, hin zu einer breiteren Lifestyle-Marke.Das funktionierte zunächst gut. Grieder verpasste den Marken Boss und Hugo ein frisches Auftreten, investierte ins Marketing und sprach gezielt eine jüngere Kundschaft an. Der Konzern wuchs kräftig. Auch die Börse honorierte den Neustart.Doch nach dem anfänglichen Erfolg kamen die Probleme: Hugo Boss erhöhte 2023 das Umsatzziel auf 5 Milliarden Euro – kurz bevor sich das Marktumfeld deutlich verschlechterte. Die Konsumenten wurden vorsichtiger, China schwächelte, und die Euphorie wich der Ernüchterung. Die Aktie verlor rund die Hälfte ihres Werts.Im Dezember 2025 kündigte Hugo Boss deshalb eine Strategieänderung an. Das Sortiment soll gestrafft, das Vertriebsnetz bereinigt und die Effizienz erhöht werden. Bis 2028 werden rund 50 eigene Läden geschlossen. Der Konzern will nicht mehr um jeden Preis wachsen, sondern profitabler werden.Die ersten Zahlen nach der Ankündigung zeigen jedoch, wie anspruchsvoll der Umbau ist. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz um 6 Prozent auf 905 Millionen Euro. Das operative Ergebnis brach um 41 Prozent auf 35 Millionen Euro ein.Der Schweizer Daniel Grieder ist seit Mitte 2021 Chef von Hugo Boss.Annick Ramp / NZZStreit um DividendeDas Angebot von Fraser kommt also mitten in einer Neuausrichtung von Hugo Boss. Zwischen Mike Ashley und dem Verwaltungsratspräsidenten von Hugo Boss, Stephan Sturm, hatte es zudem in letzter Zeit Spannungen gegeben. Frasers entzog Sturm im Dezember das Vertrauen. Streit gab es unter anderem über die Dividende.Frasers hatte sich dafür ausgesprochen, Geld im Unternehmen zu behalten und zu investieren. Der Druck zeigte Wirkung. Hugo Boss kürzte die Dividende für das Geschäftsjahr 2025 von 1.40 Euro auf die gesetzliche Mindestdividende von 4 Cent je Aktie.In der Mitteilung zur Offerte stellte sich Frasers nun allerdings wieder hinter Sturm und den CEO Grieder. Die Gruppe unterstütze beide bei der nachhaltigen Wachstumsstrategie und beim weiteren Aufbau des Markenwerts, heisst es.Mike Ashley baut sein Imperium ausDie Frasers Group ist das Imperium von Mike Ashley. Der Unternehmer eröffnete 1982 sein erstes Sportgeschäft im britischen Maidenhead und baute daraus Sports Direct auf, die grösste Sporthandelskette Grossbritanniens. Sein Modell: bekannte, aber angeschlagene Marken, wie etwa Dunlop, zu übernehmen und über das eigene Vertriebsnetz zu verkaufen. Später diversifizierte er und kaufte unter anderem die Warenhauskette House of Fraser, die zur Namensgeberin für seine Unternehmensgruppe wurde.Auch in Deutschland, der Heimat von Hugo Boss, ist Ashley kein Unbekannter. Frasers hatte sich in der Vergangenheit für die Sporthandelskette SportScheck interessiert. Anfang März gab Frasers zudem den Einstieg beim Sportartikelhersteller Puma bekannt, der nach einem schwierigen Jahr 2025 mitten in einer Restrukturierung steckt.Auch Hugo Boss ist in einer schwierigen Phase. Nicht nur finanziell; mit Grieders Neupositionierung als breite Lifestyle-Marke wuchs auch die Komplexität: Boss, Hugo und mehrere farblich benannte Linien sollen unterschiedliche Stile und Zielgruppen abdecken. Nun stellt sich die Frage, ob den Kunden noch klar ist, wofür die Marke eigentlich steht.Passend zum Artikel